14.09.2022 - Georg-August-Universität Göttingen

Wenn die Chemie (nicht) stimmt: Einfluss der mikroskopischen Umgebung

Forschungsteam untersucht Reaktivität einzelner Moleküle unter kontrollierten Bedingungen

Forscherinnen und Forscher weltweit arbeiten daran, effiziente Materialien zu entwickeln, mit denen CO2 in nutzbare chemische Stoffe umgewandelt werden. Dies ist vor allem angesichts der Erderwärmung wichtig. Ein Team der Universität Göttingen sowie vom Ulsan National Institute for Science, Südkorea, hat einen vielversprechenden Ansatz gefunden: Katalytisch aktive Moleküle werden auf einer Oberfläche verankert, welche als leitfähiger Elektronenlieferant dient. Die Moleküle begünstigen die chemische Reaktion. Solche Hybridsysteme machen sowohl die Eigenschaften der Moleküle als auch die Eigenschaften des Trägermaterials nutzbar. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen.

Das Team dampfte in einem ersten Schritt die katalytisch aktiven Moleküle auf glänzendes Silber auf, bevor sie diese mit einem in Göttingen gebauten hochauflösenden Rastertunnelmikroskop untersuchten. „Zu unserem großen Erstaunen ordnen sich die Moleküle wie von Zauberhand in nahezu perfekte einlagige Strukturen auf der Oberfläche an“, sagt Lucas Paul, Koautor der Studie.

„Neben der Abbildung einzelner Moleküle kann im Rastertunnelmikroskop die Energie der injizierten Elektronen so genau eingestellt werden, dass in einem einzelnen Molekül chemische Reaktionen induziert und beobachtet werden können“, erklärt der Physiker Prof. Dr. Martin Wenderoth, der das Projekt gemeinsam mit der Chemikerin Prof. Dr. Inke Siewert im Sonderforschungsbereich 1073  „Atomic Scale Control of Energy Conversion“ geleitet hat. „Wir können präzise einzelne chemische Bindungen brechen“, ergänzt Siewert.

Die Forscherinnen und Forscher konnten zeigen, dass Moleküle, welche besonders dicht gedrängt auf der Oberfläche angeordnet sind, veränderte chemische Eigenschaften aufweisen. So kann ausschließlich für die „eingesperrten“ Moleküle die Bindung gebrochen und anschließend auch wiederhergestellt werden, da sich der abgetrennte Molekülteil nur wenig vom Rest des Moleküls entfernen kann. „Das zeigt, wie atomarer Platzmangel genutzt werden kann, um chemische Reaktionen zu manipulieren“, sagt Erstautor Ole Bunjes.

Mit ihren Experimenten möchte das Team einen Beitrag zur Entwicklung effizienter Molekül-Oberflächen-Systeme mit präzise bestimmten Eigenschaften leisten. Sie wollen weiter erforschen, ob sich das untersuchte System als molekularer Datenspeicher eignet.

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    Prof. Dr. Gerhard H. Braus

    Gerhard H. Braus, geb. 1957, studierte Biologie und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Promotion (1987) und Habilitation (1992) erfolgten an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. 1993 folgte er einem Ruf auf eine C3-Professur für Bio ... mehr

    Dr. Jennifer Gerke

    Jennifer Gerke, geb. 1982, studierte Chemie an der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Diplomarbeit befasste sich mit der Isolierung und Strukturaufklärung von Sekundärmetaboliten aus marinen Actinomyceten. Anschließend wechselte sie an das Institut für Mikrobiologie und Genetik, wo si ... mehr

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