Kunststoffbranche: „Schlimmer geht (hoffentlich) nicht immer!“

Unternehmen blicken mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft

12.02.2024
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Symbolbild

Das Tal der Tränen ist noch (lange) nicht durchschritten, aber immerhin hellt sich die Stimmung in der Karawane auf, und am Horizont glimmt so etwas wie ein Hoffnungsschimmer. – Im Stile von Karl May lassen sich die Ergebnisse der 46. Konjunkturumfrage von Kunststoff Information am besten zusammenfassen. Mit einer kurzfristigen Erholung der Wirtschaft innerhalb der nächsten fünf Monate rechnet in der Kunststoffindustrie derzeit niemand. Ein Viertel aller im Rahmen des „KI Dialogs“ befragten Unternehmen erwartet eine Rückkehr auf das Normalniveau aus Vor-Krisen-Zeiten nicht vor dem zweiten Halbjahr 2024. Rund 40 Prozent der Unternehmen prognostizieren die Normalisierung sogar frühestens für das kommende Jahr 2025, und jeder 20. Umfrageteilnehmer unkt, dass es nie mehr so sein werde wie zuvor.

Doch so nüchtern und ernüchtert die Erwartungshaltungen der Unternehmen an einen Aufschwung auch sein mögen – in Resignation oder gar Depression verfällt die Kunststoffbranche nicht. Vielmehr machen sich etliche Betriebe selber Mut. So schreibt einer der Umfrageteilnehmer: „Lasst uns trotz allem zuversichtlich und mutig die Dinge anpacken“. Und ein anderer kündigt an, „hart arbeiten und am Ball bleiben zu wollen“. Durchhalten statt aufgeben scheint die Devise bei den meisten Unternehmen zu lauten – und sei es mit Galgenhumor: „Schlimmer geht (hoffentlich) nicht immer!“

Negative Dynamik im zweiten Halbjahr 2023

Befragt nach „Wie beurteilen Sie die Gesamtentwicklung Ihres Unternehmens im zweiten Halbjahr 2023 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023“ antworten 56 Prozent der Unternehmen mit „schlechter“. Besonders die Distributeure (74,5 Prozent), die Maschinenbauer (75 Prozent) und die Recyclingunternehmen (66 Prozent) beklagen eine negative Dynamik ihres Geschäfts im Verlauf des vergangenen Jahres. Die besondere Betroffenheit dieser Segmente erscheint logisch. Kunststoffverarbeiter, die um ihr Geschäft bangen, kaufen keine neuen Maschinen. Und wenn die Preise für Neuware aufgrund mauer Nachfrage und vielen Importen ohnehin sinken (und die Margen für die Distributeure unter Druck setzen) – wer kauft dann noch das „teure“ Rezyklat?

Geschäftsklima im Exportbereich hellt sich auf

Doch die Umfrageergebnisse geben nicht nur Anlass zur Schwarzmalerei. So sind im Vergleich zur Umfrage im Sommer 2023 die Einschätzungen positiver, wenn auch auf niedrigem Niveau. Damals hatten immerhin 61 Prozent der Befragten die Entwicklung ihres Geschäfts als „schlechter“ bewertet, und nur 13,7 Prozent sprachen von einer Verbesserung.

Auffällig ist auch, dass sich gerade im Exportbereich das Geschäftsklima in der zweiten Jahreshälfte 2023 aufgehellt hat. Statt 54,3 Prozent wie noch bei der Sommerumfrage geben aktuell „nur“ 46,4 Prozent der Unternehmen an, ihr Geschäft habe sich von Juli bis Dezember verschlechtert. Bei 40,5 Prozent (Sommer: 34,2 Prozent) ist es gleich-geblieben, und die Zahl der Befragten, bei denen die Exportgeschäfte in der zweiten Jahreshälfte 2023 besser liefen als in den ersten sechs Monaten, ist von 11,5 Prozent auf 13,1 Prozent geklettert. Bei der Schwäche der deutschen Binnenkonjunktur scheint es sich also um ein tatsächlich hausgemachtes Problem zu handeln.

Ausblick 2024: Kunststofferzeuger zuversichtlich

Der Blick auf die Erwartungen der Unternehmen an ihre Geschäftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2024 (mit den Vergleichszahlen aus der Sommerumfrage 2023 in Klammern) zeigt: Mehr als die Hälfte (54,5 Prozent) der Befragten geht davon aus, dass Geschäfte auf demselben Niveau weiterlaufen wie bislang (Sommer 2023: 48,1 Prozent). Auf eine Besserung der Geschäftslage bis Juni 2024 hoffen 17,3 Prozent der Dialogteilnehmer. Das ist ziemlich genau der Stand vom Sommer 2023 (17,2 Prozent). Besondere Zuversicht legen dabei die Unternehmen aus der Kunststofferzeugung an den Tag: Fast ein Drittel der Befragten rechnet mit einem Aufschwung für 2024.

Herausforderungen für die Industrie: wenig Nachfrage, viel Bürokratie

Doch Herausforderungen bleiben: Mit weitem Abstand rangieren die maue Nachfrage und die dadurch bedingt fehlenden Absatzmengen auf Platz eins des Rankings. Schon im vergangenen Jahr 2023 lastete dieses Thema drei von vier Unternehmen auf der Seele. 2024 dürfte sich die Lage weiter zuspitzen: Satte 80 Prozent der Befragten glauben, auch in den nächsten zwölf Monaten unter Nachfrage- und Absatzproblemen leiden zu müssen. Immer mehr der Befragten glauben auch, dass ihnen die regulatorischen Vorgaben zu schaffen machen werden. Davor fürchten sich fast 40 Prozent der Unternehmen (Rückblick auf 2023: 32 Prozent). Gewachsen ist auch der Anteil derer, die Bürokratie als Problem sehen (von 33,3 Prozent auf 36,2 Prozent)

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