06.01.2014 - Universität Stuttgart

Erster Energieeffizienz-Index für die deutsche Industrie erschienen

Hohe Sensibilität – wenig Aktion

Wie energieeffizient produziert die deutsche Industrie heute? Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart veröffentlicht erstmals in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Energie-Agentur (dena) und dem TÜV Rheinland den Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie. Er beleuchtet die aktuelle Lage der Energieeffizienz in der Industrie und wirft einen Blick in die Zukunft. Der neue Index wird nun halbjährlich online veröffentlicht. Das Ergebnis der ersten Umfragerunde: Zu wenig Investitionen – zu hohe Anforderungen an Amortisationszeiten – zu kleine Budgets.

„Die Ergebnisse des ersten Energieeffizienz-Index zeigen, welchen wertvollen Beitrag das Stiftungsinstitut für Energieeffizienz in der Produktion an der Universität Stuttgart bei Aufklärung und Beratung im wichtigen Themenfeld Energie bereits jetzt leistet“, so Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart. „Durch die Forschung auf diesem zentralen Gebiet der Universität und durch die enge Zusammenarbeit von Forschung und Lehre mit der Industrie werden wir erfolgreiche Lösungsansätze für diese gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft bieten können.“

Investitionen in die Energieeffizienz sind häufig hochrentabel. Doch die deutsche Industrie investiert noch viel zu wenig. Die meisten der befragten Unternehmen haben kein festes Budget für Effizienzmaßnahmen. „Den Verantwortlichen ist die hohe Bedeutung und das wirtschaftliche Potenzial von Energieeffizienz-Maßnahmen sehr wohl bewusst, doch die geforderte Amortisationszeit von drei bis höchsten fünf Jahren greift viel zu kurz“, so Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion an der Universität Stuttgart. Die aktuelle Auswertung der Umfrage hat ergeben, dass Unternehmen, die nach der Total-Cost-of-Ownership-Methode rechnen, um vieles mehr in Energieeffizienzmaßnahen investieren, als diejenigen Unternehmen, die nur auf ihre Jahresbilanzen schauen.

„Gefragt ist jetzt ganz klar die Politik“, so Heinz Dürr, einer der beiden Stifter und erster Beiratsvorsitzender des EEP. „Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht die Energieeffizienz weit oben auf der Agenda, sie wird als zweite Säule einer nachhaltigen Energiewende bezeichnet. Es gibt sogar einen „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“. Aber ohne konkrete Förderinstrumente für entsprechende Investitionen kommen wir nicht schnell genug voran mit der Energiewende, das hat die erste Auswertung des Index klar gezeigt. Was wir jetzt rasch brauchen, sind politische Rahmeninstrumente wie Sonderabschreibungsmöglichkeiten und eine branchenspezifische Förderung für Energieeffizienzmaßnahmen.“

Der neue Index liefert halbjährlich Benchmarking-Daten für produzierende Unternehmen mit dem Ziel, der Politik regelmäßig ein Feedback über die Situation in der produzierenden Industrie Deutschlands zu geben. Schließlich können aus den Daten Handlungsbedarfe für die Forschung abgeleitet werden.

Zahlen und Ergebnisse der ersten Erhebung in Kürze:

  • Über alle Wirtschaftszweige hinweg hat das Thema Energieeffizienz eine hohe Bedeutung
  • Nur 15% der befragten Unternehmen geben an, dass das Thema Energieeffizienz derzeit eine geringe      Bedeutung hat und 42% der Befragten schätzen das Thema als hoch wichtig ein.
  • 54% der Unternehmen rechnen zukünftig mit einer steigenden Bedeutung des Themas
  • ABER stellenweise geringe Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz.
  • Tendenziell sind Investitionen im Bereich Energieeffizienz zukünftig eher sinkend
  • 63% der Unternehmen investieren höchstens 5% ihrer Gesamtinvestitionen in Energieeffizienz
  • Trotz der geringen Investitionen in die Effizienz wird über alle Wirtschaftszweige hinweg mit sinkenden Energieverbräuchen gerechnet
  • Über alle Wirtschaftszweige hinweg wird für energieeffiziente Maschinen eine Amortisationszeit von durchschnittlich 30 Monaten gefordert. Das sind zu hohe Anforderungen
  • Durch die Erweiterung der Maschinenamortisationszeiten könnten in Zukunft die Investitionen und Erträge für und durch Energieeffizienzmaßnahmen gesteigert werden
  • 86% der Unternehmen kennen ihre Ansätze zur Steigerung der Energieeffizienz, jedoch haben über 90% der Unternehmen kein festes Budget für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen.
  • 80% der Unternehmen planen ihren Energieverbrauch zukünftig um höchsten 5% zu reduzieren und nur 4% wollen diesen um mehr als 10% senken.

Obwohl Potentiale, Möglichkeiten und Erfolgsaussichten also den meisten Unternehmen bekannt sind, halten sich die Aktivitäten und Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz in Grenzen und bleiben zu niedrig. Im Verhältnis zu den tatsächlichen Potenzialen sind die Ziele bei Weitem nicht ambitioniert genug.

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