Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Atomare Einblicke in die Elektrokatalyse

28.03.2018

© O. Kasian, T. Li, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Elektrokatalyse trifft auf Atomsonden-Tomographie

Elektrokatalysatoren sind für viele industrielle Prozesse wichtig, da sie die Umwandlung von elektrischer Energie in chemische Energie fördern und so dazu beitragen, überschüssige elektrische Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu speichern. Wasserstoff wird für die Speicherung von chemischer Energie entscheidend sein. Wasserstoff kann durch Wasserspaltung erzeugt werden: die Teilung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff durch einen elektrischen Strom, der durch das Wasser fließt. Zur Beschleunigung der Wasserspaltung werden Elektrokatalysatoren eingesetzt. Je besser der Elektrokatalysator, desto schneller der Prozess. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung, des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Ruhr-Universität Bochum fanden heraus, dass die obersten Atomschichten von Elektrokatalysatoren chemische Spezies enthalten, die ihre Effizienz bestimmen und zeigen, wie sie zur Beschleunigung der Wasserspaltung beeinflusst werden können. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft.

Um effizientere Elektrokatalysatoren für die Energieumwandlung zu entwickeln, muss der Zusammenhang zwischen der Oberflächenbeschaffenheit der Elektrode und ihrem elektrochemischen Verhalten in operando verstanden werden. Der Flaschenhals der effizienten Wasserspaltung liegt bisher in der Sauerstoff-Entwicklungsreaktion (OER) - eine der beiden Reaktionen bei der Wasserspaltung. Derzeit führt der OER zu einer nachteiligen Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit der Elektrode und beeinflusst damit die elektrokatalytischen Eigenschaften. "Iridium ist bekannt als effizienter Elektrokatalysator mit hoher Aktivität und Langzeitstabilität während der OER. Ich benutzte Photoelektronenspektroskopie und Scanning Flow Cell Techniken, um die Oberfläche von Iridiumoxiden zu analysieren. So erhielten wir Einblick in die elektronischen Eigenschaften der Oberflächenoxide und die elektrokatalytische Aktivität und Stabilität", erklärt Dr. Olga Kasian, Alexander von Humboldt-Stipendiatin am MPIE. In einem weiteren Schritt analysierten die Wissenschaftler mit Hilfe der Atomsonden-Tomographie die chemischen Spezies an der Oberfläche von Iridiumoxiden, um die beobachtete Aktivitätssteigerung in den ersten Phasen der OER und die nachfolgende Verschlechterung zu verstehen. Diese nahezu atomare 3D-Charakterisierung zeigte die Verteilung der einzelnen Spezies innerhalb der Oberflächenoxide. "Unsere Messungen zeigen, dass sich Oxidcluster hauptsächlich an bestimmten mikrostrukturellen Merkmalen, wie z.B. Korngrenzen, lokalisieren. Bei dauerhaftem OER konzentrieren sich die Wassermoleküle und Hydroxylgruppen, die wir nur durch Isotopenmarkierung sicher identifizieren konnten, innerhalb von Oxidinseln und verbleiben nur an der Oberfläche des elektrochemischen Oxids. Die Entwicklung dieser Oxidinseln führt zu einer Verschlechterung der Aktivität", erklärt Dr. Baptiste Gault, Leiter der Gruppe Atom Probe Tomography am MPIE.

Das Team von Materialwissenschaftlern und Chemikern kommt zu dem Schluss, dass die Aktivität und Stabilität von Iridium während der OER durch Veränderungen der Zusammensetzung von Oberflächenarten beeinflusst wird. Sie zeigten, wie die Kopplung von elektrochemischen Techniken und atomarer Tomographie das Verständnis komplexer Zusammenhänge zwischen Oberflächenstruktur, -zustand und -funktion in der Elektrokatalyse verbessert, durch die die Wasserspaltung und damit die nachhaltige Energiespeicherung in Zukunft effizienter gestaltet werden kann.

Originalveröffentlichung:

T. Li, O. Kasian, S. Cherevko, S. Zhang, S. Geiger, C. Scheu, P. Felfer, D. Raabe, B. Gault & K. J. J. Mayrhofer; "Atomic-scale insights into surface species of electrocatalysts in three dimensions"; Nature Catalysis; 2018

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Wasserstoffwirtschaft
  • Grenzflächen
  • Atomsondentomografie
Mehr über MPI für Eisenforschung
  • News

    Sauerstoff: Fluch und Segen für nanokristalline Legierungen

    Plastische Verformung und Pulververarbeitungstechniken werden gebraucht, um kostengünstig nanostrukturierte Materialien mit maßgeschneiderter Zusammensetzung herzustellen. Diese Verfahren ermöglichen zudem Metalle zu kombinieren, die sich mit herkömmlichen Verfahren nicht mischen lassen. Da ... mehr

    Atomares Design mit Wasser

    Ein zentrales Element bei so verschiedenen technologischen Fragestellungen wie dem Korrosionsschutz, Batteriematerialien, oder der Herstellung von Wasserstoff mittels Elektrolyse oder Brennstoffzellen ist die Kontaktstelle zwischen leitfähigen Elementen - dem Elektrolyt und der festen Elekt ... mehr

    Wissenschaftler entwickeln Stahl mit knochenähnlichen Eigenschaften

    1998 ereignete sich eins der schwersten Zugunglücke Deutschlands in Eschede, Niedersachsen. Ein Radreifen brach und brachte den Zug zur Entgleisung. Grund hierfür war Materialermüdung. Stetige Belastung bestimmter Bauteile beispielsweise in Zügen, Flugzeugen oder auch Kraftwerken, birgt ein ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Institut für Eisenforschung

    Am Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH (MPIE) wird Forschung auf dem Gebiet von Eisen, Stahl und verwandten Werkstoffen wie Nickel, Titan und intermetallische Phasenlegierungen betrieben. Ein wesentliches Ziel der Untersuchungen ist ein verbessertes Verständnis der komplexen physika ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.