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Stickstoffmonoxid



Strukturformel
Allgemeines
Name Stickstoffmonoxid
Andere Namen
  • Stickstoffoxid
  • Stickoxid
Summenformel NO
CAS-Nummer 10102-43-9[1]
Kurzbeschreibung farbloses Gas
Eigenschaften
Molare Masse 30,01 g/mol[1]
Aggregatzustand gasförmig
Dichte 1,25 kg·m−3[1]
Schmelzpunkt −164 °C[1]
Siedepunkt −152 °C[1]
Dampfdruck

entfällt[1]

Löslichkeit

60 mg/l in Wasser (20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung
[1]
R- und S-Sätze R: 8-26-34[1]
S: 9-17-26-28-36/37/39-45[1]
MAK

30 mg·m−3[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Stickstoffmonoxid ist ein farbloses Gas mit der Formel NO.

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Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Das Stickstoffmonoxid (siehe auch Stickoxide) hat eine molare Masse von 30,01 g/mol, der Schmelzpunkt liegt bei -163,6 °C, der Siedepunkt bei -151,8 °C. Die kritische Temperatur für NO beträgt -93 °C und der kritische Druck liegt bei 6,4 MPa. In Wasser ist Stickstoffoxid wenig löslich. Unter Einwirkung von Sauerstoff und anderen Oxidationsmitteln wird NO sofort zu braunem Stickstoffdioxid oxidiert, das in Wasser zu Salpetersäure und salpetriger Säure disproportioniert. Außer mit Iod reagiert es mit Halogenen zu Nitrosylhalogeniden. Unter Einwirkung von Schwefeldioxid wird Stickstoffoxid zu Distickstoffoxid reduziert.

Es ist schleimhautreizend, carzinogen und durch die Bildung von Methämoglobin toxisch.

Herstellung

Labortechnisch kann NO durch Reduktion von etwa 65-prozentiger Salpetersäure mit Kupfer gewonnen werden. Industriell wird das Gas durch die katalytische Ammoniakverbrennung (Ostwaldverfahren) gewonnen. Früher wurde das Gas großtechnisch auch durch sogenannte Luftverbrennung von Stickstoff und Sauerstoff in einem elektrischen Lichtbogen gewonnen. Die verwendeten Verfahren (Birkeland-Eyde-Verfahren, Schönherr-Verfahren, Pauling-Verfahren) zielten auf einen möglichst kurzen Kontakt der Gase mit dem sehr heißen Flammbogen ab, um so das Reaktionsgleichgewicht zum Stickstoffmonoxid zu verschieben. Da hierbei sehr viel elektrische Energie benötigt wird, sind die Verfahren nicht konkurrenzfähig zum Ostwaldverfahren und werden nicht mehr eingesetzt.

Verwendung

Technisch:

Stickstoffoxid tritt als Zwischenprodukt bei der technischen Herstellung von Salpetersäure auf und wird zusammen mit Stickstoffdioxid zu Herstellung von Nitriten verwendet. Reinstes Stickstoffoxid wird als Prüfgas zur Kalibrierung von Messgeräten eingesetzt.

Medizinisch:

NO wird in der Intensivmedizin zur Behandlung z.B. eines pulmonalen Hypertonus eingesetzt, indem es der Atemluft eines beatmeten Patienten beigemischt wird. Die Dosierungen bewegen sich dabei im Bereich von 1-40 ppm.

Physiologische Bedeutung

Geschichte

Ende der 1970er Jahre wurde der Pharmakologe Ferid Murad erstmals auf die physiologischen Wirkungen des Stickstoffmonoxid (NO) aufmerksam. Bei Untersuchungen mit organischen Nitraten – einer Substanzgruppe, die bei akuten Brustschmerzen eingesetzt wird – entdeckte er, dass diese NO freisetzen, welches eine Erweiterung (Dilatation) der Blutgefäße bewirkt. Auch der Pharmakologe Robert F. Furchgott untersuchte die Auswirkungen von Medikamenten auf die Blutgefäße. Er fand heraus, dass die innerste Gefäßschicht (Endothel) eine unbekannte Substanz (Faktor) produziert, die in der darunterliegenden Muskelschicht deren Erschlaffung (Relaxierung) herbeiführt. Da er die Substanz nicht bestimmen konnte, nannte er sie EDRF (Endothelium-derived relaxing Factor, von dem Endothel stammender, Gefäßmuskulatur-erschlaffender Faktor). Erst im Laufe der 1980er Jahre gelang es, die unbekannte Substanz EDRF zu entschlüsseln. Unabhängig voneinander identifizierten Louis J. Ignarro und Robert F. Furchgott EDRF als Stickstoffmonoxid.

1998 wurde der Nobelpreis für Physiologie und Medizin an die Amerikaner Robert Furchgott, Ferid Murad und Louis J. Ignarro verliehen. Den Forschern gelang es erstmals, die große Bedeutung des NO für die Blutversorgung von Organen und dessen Rolle als Botenstoff im Organismus nachzuweisen. Mit den Erkenntnissen über NO erschließen sich somit neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Gefäßerkrankungen und den dadurch bedingten Organschäden.

Wirkung

Das freie Radikal NO, das von den Stickoxid-Synthasen (NOS) synthetisiert wird, reagiert letztlich zu Nitrit und/oder Nitrat. Stickoxid besitzt ein ungepaartes Elektron. Es ist elektrisch neutral und diffundiert daher frei durch cytosolische und membranöse Kompartimente. Trotz seiner radikalischen Eigenschaften hat Stickoxid eine ungewöhnlich lange Halbwertszeit von 2–3 s in biologischen Systemen und von etwa 400 s (bei einer Konzentration von 1 μM) in reinem Wasser (Hakim, Sugimori et al. 1996). Mathematische Modelle erlauben dabei den Schluss, dass Stickoxid - von einer punktförmigen Quelle für einige Sekunden freigesetzt - in biologischen Systemen etwa 200 μm diffundieren kann (Wood & Garthwaite 1994). Es wurde vorgeschlagen, dass Stickoxid das einzig bisher bekannte Radikal ist, welches unter biologischen Bedingungen eine ausreichende Stabilität besitzt, um als extrazellulärer „Messenger“ (Botenstoff) zu fungieren (Saran & Bors 1994).

Der Begriff „nitrosativer Stress“ wird in den letzten Jahren dem des oxidativen Stresses (siehe auch Reaktive Sauerstoffspezies) an die Seite gestellt (Stamler & Hausladen 1990; Hausladen, Privalle et al. 1996). Es zeigte sich, dass viele Erscheinungen der Zellpathologie, die bisher den Folgen eines oxidativen Stresses zugeordnet wurden, zumindest teilweise als Ergebnis einer gesteigerten Produktion des Stickoxids zu erklären sind. Zum anderen demonstrieren Experimente, dass die destruktiven Eigenschaften des Stickoxids nicht, wie längere Zeit angenommen, von diesem selbst stammen, sondern vielmehr durch eines seiner Folgeprodukte, das Peroxynitrit (ONOO-), vermittelt sind (Bartosz 1996). Peroxynitrit entsteht durch die diffusionslimitierte Reaktion von Superoxid (auch Hyperoxid genannt) und Stickoxid und ist aufgrund seines hohen Redoxpotentials wesentlich aggressiver als seine Vorläufermoleküle.

Ein Marker für nitrosativen Stress und oxidative Proteinschaedigung ist Nitrotyrosin. Wenn ONOO- Aminogruppen von Proteinen und Makromolekülen oxidiert, entstehen Nitroso-Aminosäurereste und nach Abbau oxidativ geschädigter Proteine mit NO-Tyr-Rest wird Nitrotyrosin freigesetzt. Werte ab 10 nmol/l Blut deuten auf nitrosativen Stress hin.

NO wird unter Verbrauch von NADPH durch NO-Synthasen (NOS) aus der Aminosäure L-Arginin und Sauerstoff hergestellt. Als weitere Endprodukte entstehen dabei Citrullin und Wasser. Es sind heute drei NOS-Isoformen identifiziert, von denen die endotheliale NOS (eNOS) und die neuronale NOS (nNOS) konstitutiv exprimiert werden, während die induzierbare NOS-Isoform (iNOS) auf transkriptioneller Ebene induzierbar ist. Alle 3 Isoformen haben eine hohe Sequenz-Homologie zur Cytochrom P450-Reduktase und sind in spezifischen Zelltypen lokalisiert:

1. eNOS in den Zellen an der Innenseite von Blutgefäßen (Endothelzellen): NO bewirkt indirekt, durch Erhöhung des cGMP (Cyclisches Guanosinmonophosphat)-Spiegels die Relaxation der glatten Gefäßmuskulatur, was zu einer Vasodilatation und damit zu einer Absenkung der Nachlast des Herzens und des Blutdrucks führt. Durch diese Reaktion wurde die Wirkungsweise einer ganzen Gruppe von Medikamente verständlich, darunter Amylnitrit, Sildenafil, Nitroprussid und Nitroglycerin. Diese Medikamente setzen NO im Körper frei. Der gleiche Mechanismus liegt bei der diätetischen Behandlung von Arteriosklerose-Patienten mit Arginin selbst zugrunde. Das gasförmige NO wird im Rahmen spezieller Herzkatheteruntersuchungen verabreicht, um die Reaktion der Lungengefäße darauf zu testen.

2. iNOS in Makrophagen/Mikrogliazellen: Eine weitere Wirkung von NO ist der Schutz des Körper vor Eindringlingen. So produzieren Makrophagen große Mengen von NO, das Bakterien und Zellen abtötet. Eine übermäßige Produktion von NO durch die Makrophagen kann auch Nebenwirkungen haben. So ist die gefährliche Absenkung des Blutdrucks bei einem septischen Schock zu erklären.

3. nNOS in Neuronen: NO ist auch im Gehirn nachweisbar. Dort übernimmt es die Funktion eines Botenstoffes (second Messenger), wobei es unter anderem die Synthese cGMP erhöht. Das kleine Molekül kann leicht in Zellen hinein- und hinausdiffundieren. Man vermutet hinter NO auch einen Botenstoff, der bedingt durch schnelle Diffusion, relativ große Areale des ZNS modulieren kann.

Einsatz von NO in der Medizin

In der Pädiatrie kommt NO bei Neugeborenen mit Atemproblemen zu Einsatz, wenn dies aufgrund eines Lungenhochdrucks entstehen. NO wirkt dabei sehr schnell, wodurch lebensbedrohliche Komplikationen gut behandelt werden können.

Ebenso sind in der Herzchirurgie auftretene Probleme mit einem erhöhten pulmonalen Druck durch NO zu behandeln. Diese treten im Zusammenhang mit Klappenerkrankungen und bei Herztransplantationen auf.

In der Behandlung des ARDS, einer schweren Lungenfunktionsstörung die nach Lungenverletzungen, -entzündungen und Reizgasverätzungen auftreten kann, hat NO ebenfalls einen Stellenwert.

Tibeter verfügen als Anpassung an das Leben im Hochland um 4000 Meter über zehnmal so viel NO im Blut als Bewohner auf 200 Meter über dem Meeresspiegel, was zu einer Verdoppelung des Blutflusses im Vergleich zu Tiefland-Bewohnern führt und hierdurch zu einer optimierten Versorgung mit Sauerstoff. [3]

Patentnutzung und Preispolitik

Einer der Vorteile von NO war bisher, dass es sehr billig war.

2004 ist der Preis aber auf 5000 % des bisherigen Preises angehoben worden (von 70 Euro pro Tag auf 3660 Euro). Grund dafür ist, dass die Firma Linde einen der zahlreichen NO-Hersteller samt seinen Patentrechten an inhalierbarem NO aufkaufte, und daraufhin den lange bekannten Wirkstoff über eine neue EU-Zulassung zum Medikament INOmax erklären ließ. Folge ist, dass die Firma Linde nun das Monopol für inhalierbares NO in Deutschland hat und den Preis quasi beliebig festlegen kann. Dies hätte dazu führen können, dass Krankenkassen nicht mehr bereit gewesen wären, einen Einsatz von NO zu finanzieren.

Nachdem sich öffentlicher Druck bezüglich der Vermarktungspraxis des Linde-Konzerns bei seinem Produkt INOmax aufgebaut hatte, erklärte das Europäische Patentamt am 17. November 2004 nach einem Einspruch der Linde-Wettbewerber Air Products und Air Liquide das von Linde genutzte Patent zur Nutzung von Stickstoffmonoxid gegen Lungenfunktionsstörungen für unwirksam.

Quellen

  1. a b c d e f g h i j Sicherheitsdatenblatt (praxair)
  2. Sicherheitsdatenblatt (air liquide)
  3. S. C. Erzurum u.a.: Higher blood flow and circulating NO products offset high-altitude hypoxia among Tibetans. PNAS 104, November 2007, S. 17593-17598, doi:10.1073/pnas.0707462104
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Stickstoffmonoxid aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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