ThyssenKrupp will Werke in USA und Brasilien 2010 anfahren

17.11.2009 - Brasilien

(dpa-AFX) Der Stahlhersteller ThyssenKrupp will seine neuen Werke in Brasilien und den USA im kommenden Jahr anfahren. Ein erster Hochofen in Brasilien soll Mitte 2010 in Betrieb gehen, teilte das Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mit. Der Hochlauf werde allerdings wegen der schwachen Stahlkonjuktur gedrosselt. Der zweite Hochofen soll nach derzeitiger Planung daher erst 2011 angeblasen werden. Das Stahl- und Weiterverarbeitungswerk im US-Bundesstaat Alabama soll im zweiten Jahresviertel seinen Betrieb aufnehmen. Es wird im ersten Jahr mit Vorprodukten aus Duisburg versorgt. Ein krisenbedingt ausgeschalteter Hochofen wurde daher in der Ruhrgebietsstadt wieder gestartet. Ursprünglich sollten die Brammen aus Brasilien kommen.

Die Kosten für das umstrittene Werk in Brasilien waren völlig aus dem Ruder gelaufen. Nachdem der Aufsichtsrat für den Bau des Stahlwerks in Brasilien zunächst ein Budget von rund drei Milliarden Euro genehmigt hatte, hatte ThyssenKrupp die Kosten für das Stahlwerk auf zuletzt rund 4,7 Milliarden Euro beziffert. Ende Juli gelang es dem Unternehmen, sich finanziell Luft zu verschaffen: Der brasilianischen Rohstoffkonzern Vale erhöhte seinen Anteil an dem Stahlwerk von 10 auf 27 Prozent und zahlte dafür eine Milliarde Euro.

Zuletzt bereitete der Bau einer Kokerei große Schwierigkeiten. Damit beauftragt hatte ThyssenKrupp nicht die konzerneigene Tochter Uhde, sondern die chinesische Staatsfirma Citic. Die führte Arbeiten jedoch unzureichend aus. Inzwischen baut doch Uhde die Kokerei zu Ende. "Wir haben uns damals für Citic wegen Kostenvorteilen entschieden, zumal Uhde einen Großauftrag in Korea arbeitete", erklärte Vorstandschef Schulz. Er räumte ein, dass er diese Entscheidung heute nicht noch einmal so treffen würde. Die entstandenen Mehrkosten von 100 Millionen Euro würden aber die Chinesen zahlen.

Für das US-Werk sind noch keine festen Aufträge vereinbart, sagte der Vorstandschef. Es seien aber mit mehreren Stahlverarbeitern bereits Gespräche geführt. Angesichts der schwachen Konjunktur in den USA und der schweren Lage für die dortige Autoindustrie bezweifeln Kritiker, ob ThyssenKrupp auf absehbare Zeit das neue Werk auslasten kann.

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