25.10.2019 - Technische Universität Kaiserslautern

Bioleaching: Smartphones nachhaltig recyceln

Studentisches Team siegt mit Konzept bei bundesweitem Wettbewerb

Sie liegen in Schubladen und Schränken oder verstauben in Regalen: Alte Handys. Dabei sind in ihnen wertvolle Rohstoffe wie Kunststoffe und Edelmetalle verbaut, die sich anderweitig nutzen lassen. Im Rahmen des deutschlandweiten Studierenden-Wettbewerbs „chemPLANT“ für angehende Verfahrenstechniker hat ein Team der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) ein eigenes Konzept zum Recyceln der Geräte entwickelt. Mit ihrer Arbeit haben sie sowohl Jury als auch Publikum überzeugt und den mit 2.000 Euro dotieren ersten Platz belegt.

Die fünf Teammitglieder Ferdinand Breit, Christian Weibel, Simon Eberweiser, Alexander Reihle und Johannes Stüber studieren an der Technischen Universität Kaiserslautern Energie- und Verfahrenstechnik. Gemeinsam sind sie in diesem Frühjahr beim deutschlandweiten chemPLANT-Wettbewerb angetreten. Ausgerichtet wird er von den kreativen jungen Verfahrensingenieuren (kjVI), einer Vereinigung im Dachverband des Vereins der Deutschen Ingenieure (VDI). Ziel ist es, anhand einer aktuellen Aufgabenstellung aus der chemischen Industrie einen zukunftsorientierten und nachhaltigen Prozess zu entwickeln. Dabei haben die studentischen Teams die Gelegenheit, ihr theoretisches Wissen praktisch anzuwenden.

In diesem Jahr stand das nachhaltige Recyceln von Smartphones im Fokus. Es ging darum, Rohstoffe wie wertvolle Metalle und Kunststoffe effizient zurückzugewinnen. Bei der Bewertung des Konzepts spielten in erster Linie Nachhaltigkeit, Kreativität und fachliche Korrektheit eine Rolle.

Der Prozess der Kaiserslauterer Nachwuchsingenieure gestaltet sich wie folgt: Zuerst werden die Smartphones maschinell oder händisch in einer Förderwerkstatt in ihre Einzelteile zerlegt und sortiert. Beim sogenannten „Bioleaching“ lösen Mikroorganismen in einem Bioreaktor anschließend die Edelmetalle Gold, Silber und Kupfer im zentralen Prozessschritt heraus. Die reinen Edelmetalle lassen sich daraufhin elektrolytisch aus der sogenannten Fermenterbrühe gewinnen. Der im Bioreaktor hinterbliebene Schlamm wird in mehreren Prozessschritten ebenfalls aufbereitet, sodass Aluminium, Wolfram und Tantal erhalten werden.

Beim Wettbewerb hatten sich 21 Teams angemeldet. Die besten acht Teams haben ihre Ergebnisse im Rahmen der Fachtagung „Thermodynamik Kolloquium 2019“ in Duisburg bei einer Posterpräsentation gezeigt. Eine Jury, bestehend aus hochrangigen Industrie- und Hochschulvertretern, wählte die drei besten Teams aus, die ihre Arbeit anschließend dem Tagungspublikum in einer öffentlichen Präsentation vorstellten. Hier haben die Studenten der TU Kaiserslautern mit ihrer Ausarbeitung überzeugt und den mit 2.000 Euro dotierten ersten Platz belegt.

Der Wettbewerb wird von den Chemie- und Pharma-Unternehmen BASF, Bayer, Clariant, Covestro, Evonik, Merck unterstützt.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Wertstoffrückgewinnung
  • Bioleaching
  • Bioreaktoren
Mehr über TU Kaiserslautern
  • News

    Neue Komplexverbindung aus Silber und Wasserstoff

    Forschern aus dem Transregio-Sonderforschungsbereich „Kooperative Effekte in homo- und heterometallischen Komplexen, 3MET“ gelang es, eine neue Komplexverbindung aus Silber und Wasserstoff (Silberhydrid) herzustellen, die interessante optische Eigenschaften und Reaktivität gegenüber Sauerst ... mehr

    Die Datenspeicher von morgen

    Beim Speichern von Daten stoßen herkömmliche Techniken zunehmend an ihre Grenzen. Für Abhilfe könnten sogenannte molekulare Magnete sorgen. Mit ihren Speichereigenschaften beschäftigen sich Forscherteams aus Kaiserslautern und Karlsruhe. Im Fokus stehen dabei Metalle innerhalb von Molekülen ... mehr

    Intelligentes Material verbessert Aerodynamik bei Autos und Flugzeugen

    Um Energie zu sparen, ist Aerodynamik bei Autos und Flugzeugen wichtig. Techniken, die das steuern, sind aber nur für einen Geschwindigkeitsbereich ausgelegt. Eine flexiblere Methode haben Forscher an der Technischen Universität Kaiserslautern entwickelt: Dank eines sogenannten Formgedächtn ... mehr

  • q&more Artikel

    Herausforderungen im Bioprozess

    Die ersten biotechnischen Prozesse wurden schon vor mehreren tausend Jahren durchgeführt und dienten zur Herstellung von Bier, Wein und Brot. Waren sie zunächst auf Lebensmittelprozesse beschränkt, so wird mit biotechnischen Prozessen zurzeit von der Abwasserreinigung bis hin zur Produktion ... mehr

    Natürlich riskant

    Die Natur versteht es meisterhaft, giftige Stoffe herzustellen. Die von Schimmelpilzen produzierten, äußerst lebertoxischen und kanzerogenen Aflatoxine sind zurzeit in aller Munde. Dass man freiwillig auf den Genuss sichtbar verschimmelter ­Lebensmittel verzichtet, ist schon fast ein angebo ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Roland Ulber

    Roland Ulber, Jahrgang 1968, studierte Chemie an der Universität Hannover. Seine Doktorarbeit führte er am Institut für Biochemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und am Institut für Technische Chemie der Universität Hannover durch und promovierte 1996 zum Thema Optimierung vo ... mehr

    Prof. Dr. Dieter Schrenk

    Dieter Schrenk, geb. 1953, studierte Le­bensmittel- technologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim (Promotion 1983) und Medizin in Göttingen, Heidelberg und Tübingen (Promotion 1985). Danach war er Postdoktorand u. a. an der Universität Würzburg und Gastwissenschaftler am National Cance ... mehr

    Alexander Cartus

    Alexander Cartus, geb. 1981, studierte Chemie an der TU Kaiserslautern. Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fachrichtung Lebensmittelchemie und Toxikologie und beschäftigt sich im Rahmen seiner Promotion mit dem Metabolismus und den gentoxischen Eigenschaften verschiedene ... mehr