30.06.2021 - BASF SE

Weltweit erste toxikologische Teststrategie ohne Tierversuche von der OECD zugelassen

Erfolg für langjährige Kooperation von BASF und Givaudan zur Entwicklung und Validierung von Alternativmethoden

Die weltweit erste toxikologische Teststrategie ohne Tierversuche wurde jetzt von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zugelassen. Die Strategie besteht aus drei einzelnen sogenannten Alternativmethoden. Mit ihnen kann vorhergesagt werden, ob eine Substanz allergische Reaktionen der Haut hervorruft. Anders als bisher, sind für diese Untersuchung künftig keine Tierversuche mehr notwendig. Diese Teststrategie wurde gemeinsam von BASF und Givaudan entwickelt und validiert. „Über zehn Jahre haben wir darauf hingearbeitet“, so Dr. Robert Landsiedel, Leiter der Speziellen Toxikologie bei BASF. „Wir sind einen großen Schritt weitergekommen. Jetzt können wir Alternativmethoden auch nutzen, um komplexere toxikologische Fragen ohne Tierversuche zu beantworten.“ Dr. Andreas Natsch, Leiter „In Vitro Molecular Screening” bei Givaudan ergänzt: „Diese Strategie kann das Allergierisiko für Menschen besser vorhersagen als bisherige Tierversuche.“

Bevor ein neues Produkt von den Behörden zugelassen wird und auf den Markt kommt, müssen zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehört auch die Prüfung, ob das Produkt die Haut sensibilisiert. Bislang war dafür immer ein Tierversuch notwendig. „Um den Tierversuch zu ersetzen, ist beim Thema Hautsensibilisierung eine einzige Alternativmethode nicht genug. Zur Beurteilung der Hautsensibilisierung, die durch einen komplexen Prozess im Organismus verursacht wird, benötigen wir eine Kombination von drei Methoden“, erklärt Landsiedel. Mit den Ergebnissen aus diesen drei Tests können die Wissenschaftler vorhersagen, ob ein Stoff eine allergische Reaktion beim Menschen hervorruft.

Zusätzlich zu der Teststrategie wurde auch eine weitere neue Alternativmethode von der OECD zugelassen. Mit dem sogenannten “kinetic DPRA“ (direct peptide reactivity assay) können Forscher vorhersagen, wie stark die allergische Reaktion ist. Diese alternative Testmethode ist ein weiteres Ergebnis der Zusammenarbeit von Givaudan und BASF. Sie kann die jetzt zugelassene Teststrategie ergänzen. Zusätzlich zur Aussage, ob eine hautsensibilisierende Wirkung vorliegt oder nicht, kann mit der neuen Methode auch deren Wirkstärke ermittelt werden. Nur mit diesem zusätzlichen Test kann jetzt auf Tierversuche zur Hautsensibilisierung komplett verzichtet werden.

„Natürlich haben wir das nicht allein geschafft. In den vergangenen zehn Jahren haben verschiedene Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen wie zum Beispiel das Institute for In Vitro Sciences (IIVS) mit uns zusammengearbeitet, um die einzelnen Methoden der Strategie zu validieren“, betont Dr. Susanne Kolle, zuständige Laborleiterin bei BASF. „Wir haben Untersuchungslabore weltweit geschult, wie sie die Methode anwenden müssen, um genaue Ergebnisse zu erzielen. Je mehr Labore mitmachen, desto mehr Tierversuche können wir in Zukunft reduzieren“, erklärt Kolle. „Nur wenn wir zeigen, dass die Ergebnisse reproduzierbar und prädiktiv sind, wächst das Vertrauen in die Alternativen zu Tierversuchen“, fügt Dr. Roger Emter hinzu. Er entwickelte eine der Teststrategie-Methoden bei Givaudan. Auf dem Weg dahin ist die Zulassung der Teststrategie ein Durchbruch: Damit sei grundsätzlich eine Möglichkeit geschaffen worden, ganze Teststrategien auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel Augenreizwirkungen oder Wirkungen auf das Hormonsystem zuzulassen, sind sich die Experten der Unternehmen einig.

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