Endress+Hauser überschreitet erstmals die Vier-Milliarden-Marke
Schweizer Firmengruppe investiert 370,8 Millionen Euro – so viel wie nie zuvor
Anzeigen
Endress+Hauser hat 2025 erstmals mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Die erfolgreiche Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik des Sensorherstellers SICK ermöglichte gutes Wachstum. Der Schweizer Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik schuf weltweit neue Stellen und investierte in Rekordhöhe. Den Gewinn hielt das Unternehmen auf solidem Niveau, obwohl starke Währungseinflüsse Umsatz und Ergebnis belasteten.
Das Executive Board der Endress+Hauser Gruppe ab 1. Mai 2026.
Endress+Hauser
Schneller Wandel und hohe Unsicherheit prägten das geschäftliche Umfeld im vergangenen Jahr. „Wir haben 2025 alles getan, um kurzfristige Herausforderungen zu meistern und langfristigen Erfolg zu ermöglichen“, sagte Chief Executive Officer (CEO) Dr. Peter Selders auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel. Am Ende behauptete sich das Familienunternehmen. „Wir sind hinter unseren Zielen geblieben, haben aber unter den gegebenen Umständen das Beste für Endress+Hauser erreicht“, so der CEO.
Der Nettoumsatz der Gruppe stieg um 7,2 Prozent auf 4,01 Milliarden Euro – ein neuer Meilenstein in der Firmengeschichte. Hierzu trug die Erweiterung des Produktangebots durch die Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik von SICK entscheidend bei. Die strategische Partnerschaft mit dem deutschen Sensorhersteller wurde Anfang 2025 wirksam. In 46 Ländern gingen Vertrieb und Service auf Endress+Hauser über; ein Joint Venture produziert und entwickelt die Geräte.
Starke Wechselkurseffekte
Das organische Wachstum – ohne Wechselkurseinflüsse und Akquisitionen – bezifferte Chief Financial Officer (CFO) Dr. Luc Schultheiss mit 2,6 Prozent. Die negativen Einflüsse der Währungsumrechnung kosteten Endress+Hauser rund 3,3 Prozentpunkte Umsatzwachstum. Das Unternehmen spürte außerdem die Investitionszurückhaltung der chemischen Industrie. Für Impulse sorgte dagegen der Boom der Künstlichen Intelligenz: Kühlsysteme und Energieversorgung der neuen Rechenzentren benötigen viel Messtechnik.
Umsatzstärkster Markt sind weiterhin die USA. Trotz der US-Zölle entwickelte sich das Geschäft dort dynamisch. Insgesamt wuchs der Umsatz in Nord- und Südamerika um 10,1 Prozent. In Europa stiegen die Verkäufe um 11,6 Prozent. In Deutschland – dem drittgrößten Markt – gingen die Erlöse zurück, ebenso in der Schweiz. Afrika und der Nahe Osten wuchsen um 7,4 Prozent. In der Region Asien/Pazifik verzeichnete Endress+Hauser ein Minus von 1,4 Prozent, vor allem aufgrund der Schwäche Chinas, des zweitgrößten Marktes.
Neue Arbeits- und Ausbildungsplätze
18.306 Mitarbeitende zählte die Firmengruppe Ende 2025. Das Plus von 7,4 Prozent war ebenfalls getrieben von der strategischen Partnerschaft mit SICK. Mehr als 800 Vertriebs- und Servicekräfte wechselten zu Endress+Hauser. Das Ausbildungsangebot weitete das Unternehmen weiter aus. Ende 2025 waren weltweit 676 junge Menschen bei Endress+Hauser in einer betrieblichen Ausbildung, wurden im Studium unterstützt oder absolvierten im Rahmen ihres Studiums ein längeres Praktikum.
Die Firmengruppe hielt den Gewinn auf gutem Niveau. Endress+Hauser erzielte ein Ergebnis nach Steuern von 321,3 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 10,7 Prozent. „Die Stärke von Euro und Schweizer Franken hat unser Ergebnis belastet“, sagte Luc Schultheiss. Daneben schlagen sich dort die Kosten der Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik nieder.
Investitionen mit langfristiger Perspektive
Um zukunftsfähig zu bleiben, investierte Endress+Hauser rekordhohe 370,8 Millionen Euro in neue Gebäude, Anlagen, IT und Software. Die Gruppe eröffnete Neubauten an den deutschen Fertigungs- und Entwicklungsstandorten in Waldheim und Nesselwang. Insgesamt addieren sich die Investitionen der vergangenen fünf Jahre auf 1,4 Milliarden Euro. „Unsere gesunde finanzielle Lage ermöglicht uns, diese Summen aus selbst erarbeiteten Mitteln aufzubringen“, sagte Luc Schultheiss.
Das Unternehmen brachte im vergangenen Jahr 41 Produkte neu auf den Markt. „Innovation ist ein Motor unseres Wachstums“, sagte Peter Selders. 294 Erstanmeldungen bei Patentämtern in aller Welt untermauerten diesen Anspruch. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung summierten sich auf 281,4 Millionen Euro, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies entspricht 7,0 Prozent des Umsatzes. Die Quote ist aufgrund buchhalterischer Effekte durch die Übernahme des Gas-Geschäfts leicht gesunken.
Veränderungen im Executive Board
Im Executive Board der Firmengruppe kommt es zu Veränderungen. Mit Erreichen der Altersgrenze werden Chief Operating Officer Dr. Andreas Mayr, Chief Information Officer Pieter de Koning und Chief Financial Officer Dr. Luc Schultheiss in den nächsten Monaten ihre Rollen abgeben; Chief Human Resources Officer Jörg Stegert hat Endress+Hauser verlassen.
Bereits seit Juli 2025 ist Dr. Mirko Lehmann Chief Technology Officer. In dieser Funktion wird er künftig auch IT und Digitalisierung verantworten. Ebenfalls ihre Positionen angetreten haben inzwischen Chief Operating Officer Prof. Dr. Katja Windt und Chief Human Resources Officer Helena Svensson. Der künftige Chief Financial Officer Christian Mäder wird im Juli zu Endress+Hauser stoßen.
Generationswechsel in der Familie
Die Familie rückt wieder näher an das Unternehmen heran. Neuer Präsident des Verwaltungsrats ist Steven Endress, ein Enkel des Firmengründers. Er folgt auf Matthias Altendorf, der sich nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellte. Steven Endress vertritt die Familie seit 2024 im Verwaltungsrat. Zuvor war er Geschäftsführer von Endress+Hauser Großbritannien. „Die Familie ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Unternehmens“, sagte Steven Endress.
Auch im Familienrat, einem wichtigen Bindeglied zwischen Familie und Unternehmen, übernimmt die dritte Generation zusätzliche Verantwortung. Sandra Genge, eine weitere Enkelin des Gründers und seit 2022 Verwaltungsrätin, ist die neue stellvertretende Vorsitzende des Familienrats. Sie ist damit designierte Nachfolgerin von Dr. h. c. Klaus Endress, der den Familienrat seit seiner Gründung vor 25 Jahren führt und für 2027 seinen Rückzug angekündigt hat.
Fokus auf die Stärken
In der nachhaltigen Transformation der verfahrenstechnischen Industrie erkennt CEO Peter Selders große Chancen für das Geschäft. Endress+Hauser strebt über die gesamte Wertschöpfungskette bis 2050 netto-null Emissionen an. Zugleich sieht das Unternehmen viele Möglichkeiten, Kunden auf dem Weg in die Nachhaltigkeit zu unterstützen. Für diese doppelte Hebelwirkung erhielt Endress+Hauser 2025 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Mess- und Regeltechnik.
Endress+Hauser will 2026 im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen und 250 neue Stellen schaffen. Der Krieg in Nahost erhöhe jedoch die wirtschaftliche Unsicherheit, sagte CEO Peter Selders: „Wir werden uns auf das fokussieren, was uns auch in der Vergangenheit stark gemacht hat: nahe an Markt und Kunden bleiben, zuverlässig und in hoher Qualität liefern, unser Netzwerk und Portfolio ausbauen, neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Unser Ziel bleibt Wachstum.“