Sperrung der Straße von Hormus verschärft Kostendruck in der Chemieindustrie

"Die Chemie kämpft, Pharma rüstet sich für noch größere Herausforderungen"

29.05.2026
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Symbolbild

Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist schwach ins Jahr 2026 gestartet. Die Produktion sank im ersten Quartal saisonbereinigt um 2,8 Prozent. Damit lag sie im Vorjahresvergleich knapp 6 Prozent niedriger. Hauptgrund war der deutliche Rückgang der Pharmaproduktion, nachdem Unternehmen 2025 wegen drohender US-Zölle Vorzieheffekte genutzt hatten. Die Chemieproduktion konnte dagegen leicht zulegen. Sie blieb aber unter Vorjahresniveau. Mit 75,1 Prozent blieb die Kapazitätsauslastung weiter unrentabel. Der Stellenabbau setzte sich fort.

Eine nachhaltige Erholung ist nicht abzusehen

Hohe Energie-, Rohstoff- und Transportkosten belasten infolge des Nahostkonflikts die Branche. Die Sperrung der Straße von Hormus verschärft Lieferkettenprobleme und treibt Öl-, Gas- und Naphtha-Preise nach oben. In Teilen des Chemiegeschäfts kommt es vorübergehend aufgrund von Vorsichtsbestellungen zu einer Belebung der Nachfrage. Eine nachhaltige Erholung erwartet der VCI in diesem Jahr aber nicht.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup kommentiert: „Die Chemie kämpft, Pharma rüstet sich für noch größere Herausforderungen. Wenige stabile Zahlen sind keine Trendwende. Wir sehen keine Aufbruchstimmung, sondern geopolitisches Hamstern. Das ist ein panischer Zwischenpeak, von dem kurzfristig auch Teile der chemischen Industrie profitieren. Die nackte Wahrheit ist: Die Chemie steht weiter unter Dauerstress – belastet durch eine ungezähmte Bürokratie, hohe Kosten und globale Turbulenzen. Deutschland verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit, wenn Berlin und Brüssel nicht gegensteuern. Auf geopolitische Krisen haben wir wenig Einfluss – auf unsere Standortbedingungen schon. Die Politik der kleinen Schritte reicht nicht mehr. Entscheidend sind jetzt eine starke Führung, Verlässlichkeit und ein klarer industriepolitischer Kurs. Das gilt auch mit Blick auf China. Der massive Kapazitätsaufbau und staatlich subventionierte Produktion setzen Europas Industrie zunehmend unter Druck und treffen viele Branchen ins Mark. Klar ist aber auch: Flächendeckende Abschottung und neue Handelsbarrieren sind keine gute Lösung. Wichtig ist: Als Erstes müssen die bestehenden Handelsschutz-Instrumente effektiv eingesetzt werden – nur das hilft schnell. Europa braucht einen selbstbewussten und fairen Umgang mit China – mit Instrumenten, die Wettbewerbsverzerrungen wirksam begrenzen, ohne internationale Wertschöpfungsketten zu gefährden.“

Die Zahlen im Überblick:

  • Eine belastbare Prognose ist angesichts der geopolitischen Risiken derzeit nur eingeschränkt möglich. Der VCI erwartet für 2026 weiterhin ein schwieriges Jahr: Die Produktion dürfte im Gesamtjahr erneut sinken. Steigende Preise könnten den Umsatz zwar stützen, die Margen bleiben jedoch unter Druck.
  • Die chemisch-pharmazeutische Produktion sank im ersten Quartal 2026 saisonbereinigt um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und lag knapp 6 Prozent unter Vorjahr. Pharma dämpfte das Ergebnis deutlich, während die Chemie leicht zulegte. Die Kapazitätsauslastung stieg leicht auf 75,1 Prozent – verharrt damit aber weiter unter einem rentablen Niveau.
  • Der Abwärtstrend bei den Erzeugerpreisen wurde gestoppt: Gegenüber dem Vorquartal ergab sich ein leichtes Plus von 0,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich lagen die Preise aber noch rund 1 Prozent niedriger. Gleichzeitig verschärfte sich der Kostendruck deutlich: Insbesondere die Preise für Rohöl und rohölnahe Produkte stiegen kräftig.
  • Der Umsatz stieg saisonbereinigt um 2,1 Prozent auf 50,9 Milliarden Euro. Er lag aber 5,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zusätzliche Bestellungen zu Jahresbeginn deuten teils auf Vorsichtsbestellungen und Lageraufbau angesichts der Eskalation am Golf hin.

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