Trilaterale Chemieregion: Warum Vernetzung Stärke und Risiko zugleich bedeutet

Studie zeigt, welche Schritte Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität trotz Energiekrise und Kostendruck sichern können

15.05.2026
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Symbolbild

DECHEMA e.V. und VITO/EnergyVille aus Flandern (Belgien) haben den Abschlussbericht des Projekts 3C‑VaCS (Trilateral Chemical Region – Value Chain Structures) veröffentlicht. Er analysiert den aktuellen Zustand der chemischen Industrie in der trilateralen Chemie-Region, die Flandern, die Niederlande und Nordrhein-Westfalen umfasst, und zeigt auf, welche Schritte Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität trotz Energiekrise und Kostendruck sichern können.

Dechema e.V.

Entwicklungspfade bis 2050 für den hochintegrierten und strategisch wichtigen Chemiecluster in Flandern, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen

Am 13. Mai 2026 stellten die Projektpartner den Bericht Vertretern der Europäischen Kommission und der Critical Chemical Alliance bei einer virtuellen Veranstaltung vor. Er soll als wissenschaftlich fundierte Grundlage für industrie- und klimapolitische Entscheidungen auf EU-Ebene dienen.

Steamcracker produzieren Basischemikalien wie Ethylen und Propylen, die den Ausgangspunkt der meisten chemischen Wertschöpfungsketten bilden und eine breite Palette nachgelagerter Produkte ermöglichen – von Werkstoffen, Pharmazeutika und Konsumgütern bis hin zu Komponenten, die für eine klimaneutrale Wirtschaft unverzichtbar sind.

„Die chemische Industrie der Trilateralen Region ist ein Rückgrat der europäischen Wirtschaft – aber sie steht unter enormem Druck. Unser Bericht zeigt, dass internationale Wettbewerbsfähigkeit und Transformation Hand in Hand gehen müssen, wenn Europa seine industrielle Basis erhalten und gleichzeitig Klimaziele erreichen will“, sagt Dr. Florian Ausfelder, der Fachbereichsleiter Energie und Klima beim DECHEMA e.V. und einer der Autoren des Berichts.

Der Abschlussbericht liefert eine aktuelle und detaillierte Analyse der petrochemischen Wertschöpfungskette in der trilateralen Chemie-Region, die ausgehend vom Steamcracker eine zentrale Grundlage der chemischen Produktion bildet. Zudem zeigt er mögliche Entwicklungspfade bis 2050 auf. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehören:

  • Die Kosten- und Energiekrisen der letzten Jahre haben die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemieproduktion erheblich geschwächt.
  • Investitionen in klimafreundliche Technologien wie CO2-Abscheidung, Elektrifizierung und nachhaltige Rohstoffe sind technisch machbar, erfordern jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen.
  • Die enge Vernetzung der Standorte in Flandern, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen schafft Synergien und stärkt sowohl Lieferketten als auch Innovationskraft.
  • Dieses starke Netzwerk führt jedoch auch zu gegenseitigen Abhängigkeiten: Störungen in einer Region können Auswirkungen auf die anderen haben, wodurch Diversifizierung unerlässlich wird. Die Schließung einzelner Anlagen darf daher nicht isoliert betrachtet werden.
  • Ein koordinierter, realistischer gesamteuropäischer Infrastrukturplan für Elektrizität, Wasserstoff und CO2-Netze ist eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Transformation.
  • Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen reichen nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie während der Energiewende zu sichern oder wiederherzustellen. Der Bericht hebt mehrere ergänzende Handlungsoptionen hervor, die gemeinsam mit relevanten Industrieakteuren diskutiert wurden.

„Unsere Studie zeigt, dass eine koordinierte Planung für ein grenzüberschreitendes, sektorübergreifendes CO2- und Wasserstoffnetz unerlässlich ist, um Kosten zu minimieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Ein solcher integrierter Ansatz kann Europas Chemiecluster strukturell unterstützen, Carbon Leakage entgegenwirken und gleichzeitig die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärken“, sagt Pieter Lodewijks, Program Manager Sustainable Energy Systems Assessment & Modelling bei VITO/EnergyVille.

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