Wie sieht die Zukunft der Chemie- und Pharmaindustrie in Hessen und Deutschland aus?

VCI Hessen diskutiert Zukunft der Branche und wählt neuen Vorstand

24.06.2026
© VCI Hessen / Bonitomedia

VCI Hessen Geschäftsführerin Sula Lockl, der stellvertretende hessische Ministerpräsident Kaweh Mansoori und VCI Hessen Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Kreysing (v.l.n.r.).

Diese Frage stand im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des VCI Hessen. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Politik und Verbänden diskutierten über die aktuelle Lage der Branche, die Herausforderungen am Standort Deutschland und die Voraussetzungen für künftiges Wachstum und Innovation.

Der stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori unterstrich in seinem Grußwort die hohe Bedeutung der Industrie: „Die aktuellen Herausforderungen für die hessische Chemie- und Pharmaindustrie nehmen wir sehr ernst. Entscheidend ist jetzt, die richtigen Weichen für eine starke Zukunft der Branche zu stellen. Dafür haben wir das Industriepaket geschnürt. Wir sorgen in Hessen für schnellere Verfahren, mehr Raum für Innovation und verlässliche Investitionsbedingungen, damit Forschung, Entwicklung und industrielle Wertschöpfung hier stattfinden – und die Beschäftigten auch morgen von einer starken Wirtschaft gut leben können,“ so Mansoori.

Dr. Joachim Kreysing, Vorstandsvorsitzender des VCI Hessen, machte deutlich, dass die Chemie- und Pharmabranche aktuell strukturelle Veränderungen erlebt, die weit über eine vorübergehende Konjunkturschwäche hinausgehen. „Die Chemie- und Pharmaindustrie steht in Deutschland unter erheblichem Druck. Hohe Energie- und Standortkosten, zunehmende Regulierung und ein intensiver internationaler Wettbewerb belasten die Unternehmen. Wenn wir industrielle Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätze sichern wollen, muss die Politik vom Reden ins Handeln kommen. Wir brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise, deutlich weniger Bürokratie und die Durchsetzungsfähigkeit von strukturellen Veränderungen“, sagte Kreysing. Zugleich verwies er auf die überdurchschnittliche Bedeutung der Branche für Hessen. Die Chemie- und Pharmaindustrie erwirtschaftet über ein Viertel des hessischen Industrieumsatzes und gehört damit zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes.

Sula Lockl, Geschäftsführerin des VCI Hessen, machte deutlich, dass die Zukunft des Standorts nur im Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik gestaltet werden kann. „Wirtschaft und Politik sitzen im selben Boot und kommen nur voran, wenn beide Seiten gut abgestimmt und mit dem Ziel im Blick an die Arbeit gehen. Ein zukunftsfähiger Standort entsteht im Zusammenspiel. Unsere Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu investieren, dafür müssen die Voraussetzungen jedoch stimmen. Wir stehen für den partnerschaftlichen Dialog weiterhin bereit“, so Lockl.

Im öffentlichen Teil der Veranstaltung diskutierten anschließend Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Politik über die Zukunft des Standorts. Grundlage dazu gibt die VCI-Studie „Deutschland 2045 – Szenarien für das Innovationsumfeld der Chemie, Pharma und Biotechnologie“. Die Studie beschreibt fünf mögliche Szenarien für Deutschlands Zukunft und welche Rolle die Branche darin spielen kann. An der Diskussion beteiligten sich Heiko Kasseckert, Mitglied des Hessischen Landtags, Martin Kersten, geschäftsführender Gesellschafter von G.E. Habich’s Söhne, Kerstin Oberhaus, Standortleiterin von Evonik in Hanau-Wolfgang sowie Mathias Wagner, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag.

Neben der inhaltlichen Debatte stand auch die turnusmäßige Vorstandswahl auf der Tagesordnung. Der VCI Hessen bestätigte neun Vorstandsmitglieder im Amt und wählte mit Dr. Heidi Grön, Evonik Industries AG, und Matthias Bürk, Merck KGaA, zwei neue Mitglieder in den Vorstand. Die Geschäftsführerin des VCI Hessen, Sula Lockl, dankte den ausgeschiedenen Mitgliedern Dr. Claudine Mollenkopf, Evonik Industries AG und Dr. Robert Nass, ehemals Merck KGaA, für ihr Engagement und ihren Einsatz für die Branche.

Die Mitgliederversammlung machte deutlich, dass die Chemie- und Pharmabranche in Hessen bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und die Transformation aktiv zu gestalten. Gleichzeitig erwartet sie von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und Innovationen nicht ausbremsen.

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