Wahrscheinlichkeitsrechnung beschreibt Schutzniveau beim Grenzwert am Arbeitsplatz

Neue Risikobewertung im Praxistest

15.04.2004

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat die dritte Phase eines Forschungsprojektes abgeschlossen, das die Risikobewertung chemischer Stoffe methodisch verbessern wird. Wie bereits Ende letzten Jahres berichtet, entwickelt die BAuA in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe (FoBiG) sowie der Universität Bremen ein neues Bewertungsmodell, das Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung nutzt.

Dazu werden die einzelnen Schritte bei der Übertragung tierexperimenteller Daten auf den Menschen als Verteilungsfunktionen beschrieben. Berücksichtigt werden generell: der Verlauf der Dosis-Wirkungsbeziehung, die Studiendauer, die Unterschiede zwischen Tier und Mensch sowie die Sensitivitätsunterschiede in der menschlichen Population. Stoffspezifische Besonderheiten lassen sich ergänzend in das Verfahren integrieren. Die Verknüpfung der Verteilungen erfolgt als probabilistische Modellierung mit Hilfe der Monte-Carlo-Simulation.

Der nun vorliegende Endbericht fasst die Ergebnisse der ersten beiden Projektteile verständlich zusammen und unterzieht das neue Modell einem Praxistest. Funktionsweise und Praxisnähe des Verfahrens werden am Beispiel von fünf chemischen Stoffe kritisch erprobt, deren Daten im Altstoffverfahren bereits intensiv analysiert wurden.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die neue Methode ist in der Lage, für jeden Stoff das Schutzniveau bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes abzuschätzen und die Zuverlässigkeit dieser Aussage zu analysieren. Mehr noch: es wird möglich, ein gewünschtes Schutzniveau gezielt zu definieren und dann aus dem stoffspezifischen Modellierungsergebnis den zugehörigen Belastungswert direkt abzulesen. Dieses Verfahren liefert somit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Arbeitsschutzmaßnahmen im Gefahrstoffbereich.

Die Projektergebnisse bestärken die BAuA in ihrer Initiative, probabilistische Methoden zur Risikobewertung einzusetzen. An den fünf Beispielstoffen konnte gezeigt werden, dass das Verfahren sowohl gut verständlich als auch einfach anwendbar ist. Es eignet sich zur Unterstützung aller Fachleute, die mit Hilfe toxikologischer Daten Risikobewertungen für den Menschen durchführen müssen.

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