17.09.2020 - Merck KGaA

Merck gut aufgestellt für weiteres Wachstum

Gezielte kleinere bis mittelgroße Übernahmen ab 2022 derzeit wahrscheinlicher als größere Zukäufe

Merck erwartet in den kommenden Jahren trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds weiteres profitables Wachstum. Das Unternehmen stellte die Fortschritte bei der Umsetzung der Wachstums- und Expansionsphase seiner Strategie bis zum Jahr 2022 heute Analysten und Investoren im Rahmen seines virtuellen Kapitalmarkttags vor.

„Unser Ziel ist klar: Wir wollen das führende Wissenschafts- und Technologieunternehmen sein. Auf dem Weg dorthin sind wir in den vergangenen Jahren ein großes Stück vorangekommen“, erklärte Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck. „Gerade in der Covid-19-Krise der vergangenen Monate hat sich die Leistungsstärke unseres Geschäftsmodells mit drei innovationsstarken Unternehmensbereichen gezeigt“, so Oschmann. Für dieses Jahr rechnet Merck wie bereits berichtet mit einem leichten bis moderaten organischen Wachstum von Umsatz und EBITDA pre. Den Konzernumsatz erwartet das Unternehmen weiterhin zwischen 16,9 und 17,7 Mrd. € und das EBITDA pre in der Spanne von 4,45 bis 4,85 Mrd. €.

Gute Fortschritte in allen Unternehmensbereichen

In den vergangenen Jahren sind alle Unternehmensbereiche von Merck bei der Umsetzung ihrer strategischen Prioritäten gut vorangekommen. Healthcare verzeichnete wachsende Umsatzbeiträge der Medikamente Bavencio und Mavenclad und hat gute Fortschritte mit seiner Entwicklungspipeline gemacht. Das Geschäft von Life Science ist weiterhin schneller als der Markt gewachsen und der Unternehmensbereich arbeitete profitabler als die meisten Wettbewerber. Performance Materials hat sein Geschäftsportfolio mit der Übernahme von Versum Materials auf das wachstumsstarke Halbleitergeschäft ausgerichtet und erzielte eine hohe Marge. „Die Transformation von Merck in den vergangenen Jahren und unser klarer Fokus auf Wissenschaft und Technologie haben sich ausgezahlt. Alle unsere Unternehmensbereiche sind in hochattraktiven Märkten tätig. Deshalb hat dieses Unternehmen hervorragende Zukunftsaussichten“, so Oschmann. „Vor allem unsere Healthcare-Pipeline, unser Process-Solutions-Geschäft mit Produkten und Dienstleistungen für die Arzneimittelherstellung und unser Halbleitergeschäft Semiconductor Solutions werden das Wachstum von Merck in den kommenden Jahren antreiben.“ Merck, so Oschmann weiter, stehe auch künftig für stetiges Gewinnwachstum, hohe Margen und ein niedriges Risikoprofil.

Nach der Versum-Akquisition im vergangenen Jahr legt Merck bis zum Jahr 2022 Priorität auf organisches Wachstum bei gleichzeitigem zügigen Schuldenabbau und einer nachhaltigen Kultur des Kostenbewusstseins. Zudem kündigte das Unternehmen eine Weiterentwicklung seiner Portfolio-Strategie an. „Wir schließen größere Zukäufe ab 2022 nicht aus, aber angesichts unseres starken Geschäftsportfolios ist es derzeit wahrscheinlicher, dass wir unsere Geschäfte dann eher gezielt durch vermehrte kleinere bis mittelgroße Übernahmen ergänzen“, so Oschmann.

Healthcare bekräftigt Ziel von rund 2 Mrd. € für 2022 – und sieht Potenzial darüber hinaus

Für den Unternehmensbereich Healthcare bekräftigte Merck das Ziel von rund 2 Mrd. € Umsatz durch neue Produkte im Jahr 2022. Angesichts vielversprechender Entwicklungsprojekte sieht Merck zudem weiteres, signifikantes Wachstumspotenzial über das Jahr 2022 hinaus. Für das Geschäft mit seinen etablierten Produkten erwartet das Unternehmen bis 2022 mindestens eine stabile Umsatzentwicklung.

In den vergangenen Jahren konnte Healthcare sein organisches Wachstum beschleunigen. Einen zunehmenden Beitrag haben die Produkte Mavenclad und Bavencio geleistet. Das Medikament Mavenclad zur Behandlung bestimmter Formen der Multiplen Sklerose ist mittlerweile in 80 Ländern zugelassen, darunter auch die Vereinigten Staaten. Im Frühjahr war das Marktumfeld von Mavenclad zeitweise stark durch Covid-19 beeinträchtigt, im Juni zeichnete sich jedoch bereits wieder eine Erholung ab.

Für das immun-onkologische Medikament Bavencio erteilte die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) am 30. Juni die Zulassung als Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (UC), das unter platinhaltiger Erstlinienchemotherapie nicht fortgeschritten war. Wenige Tage zuvor, am 22. Juni, hatte Merck bekannt gegeben, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Antrag auf Typ-II-Variation für Bavencio als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem UC validiert und zur Prüfung angenommen hat.

Der onkologische Wirkstoff Tepotinib wurde im März vom japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) für die Behandlung von Patienten mit inoperablem, fortgeschrittenem oder rezidivierendem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), deren Tumoren METex14-Skipping-Veränderungen aufweisen, zugelassen. Am 25. August hat Merck zudem bekannt gegeben, dass die FDA den Antrag auf Marktzulassung für Tepotinib für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem NSCLC zur Prüfung angenommen und den Status der Prioritätsprüfung (Priority Review) erteilt hat.

Mit seiner Entwicklungspipeline macht Merck sehr gute Fortschritte. Für den Wirkstoffkandidaten Evobrutinib wurden im Mai positive Ergebnisse der offenen Erweiterungsstudie der Phase II zur Langzeitwirksamkeit und -sicherheit bei erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) vorgestellt. Für die immun-onkologische Prüftherapie Bintrafusp alfa erteilte das japanische MHLW im Juni den Sakigake-Status für die beschleunigte Zulassungsprüfung zur Behandlung von Patienten mit malignen biliären Tumoren. Derzeit untersucht Merck Bintrafusp alfa im Rahmen mehrerer klinischer Studien.

Life Science soll weiter schneller wachsen als der Markt

Für den Unternehmensbereich Life Science erwartet Merck mittelfristig ein durchschnittliches jährliches organisches Umsatzwachstum von 6 bis 9 %, deutlich über dem erwarteten Wachstum der Life-Science-Industrie von 5 bis 6 %. Auch für die drei Geschäftseinheiten von Life Science, Process Solutions, Applied Solutions und Research Solutions, rechnet das Unternehmen mit einem im Vergleich zum jeweiligen Markt stärkeren organischen Wachstum. Die Marge von Life Science dürfte in den kommenden Jahren ebenfalls deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Das im Vergleich zum Markt stärkere Wachstum beruht auf einer vorteilhaften Portfoliostruktur sowie einer anhaltend sehr guten geschäftlichen Leistung.

Wesentlicher Treiber des Umsatzwachstums von Life Science dürfte weiterhin die Geschäftseinheit Process Solutions sein, die Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Arzneimittelherstellung anbietet. Für Process Solutions rechnet Merck in den kommenden Jahren mit einem jährlichen organischen Wachstum im niedrigen prozentualen Zehnerbereich. Das Geschäft profitiert vom starken Wachstum des Markts für biopharmazeutische Arzneimittel, der zunehmenden Zahl pharmazeutischer Wirkstoffe sowie von rapide wachsenden neuen Therapieansätzen wie Gen- und Zelltherapien. Im April hatte Merck angekündigt, seinen Standort in Carlsbad, Kalifornien, USA, um eine zweite Anlage für die Herstellung von virus- und genbasierten Therapeutika zu erweitern. Im September gab das Unternehmen einen Ausbau seines Werks in der Nähe von Madison, Wisconsin, USA, bekannt, wo es Antikörper-Wirkstoff-Konjugate herstellt.

Für die Geschäftseinheit Research Solutions, die Produkte und Dienstleistungen zur Unterstützung von Forschungsaktivitäten in pharmazeutischen, biotechnologischen und akademischen Forschungseinrichtungen anbietet, erwartet Merck in den nächsten Jahren ein jährliches organisches Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das Geschäft sollte in den kommenden Jahren unter anderem von den zunehmenden Forschungsaktivitäten im Biotech-Sektor profitieren. Für die Geschäftseinheit Applied Solutions, die ein breites Angebot an Produkten für Forscher sowie wissenschaftliche und gewerbliche Labore bietet, rechnet Merck in den kommenden Jahren mit einem organischen Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr – unter anderem aufgrund einer höheren Nachfrage nach wissenschaftlichen Tests in vielen Feldern, zum Beispiel auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit.

Performance Materials realisiert Synergien schneller als erwartet

Mit der Akquisition von Versum hat der Unternehmensbereich Performance Materials im vergangenen Jahr einen wichtigen Meilenstein seines „Bright Future“-Transformationsprogramms erreicht. Bei der Integration von Versum macht Merck gute Fortschritte. Das Unternehmen bestätigt das Kostensynergieziel von 75 Mio. € ab 2022, erwartet eine schnellere Realisierung in diesem Jahr und darüber hinaus zusätzliche Umsatzsynergien ab dem kommenden Jahr.

Das Geschäftsportfolio ist nun klar auf den Bereich der Elektronikmaterialien ausgerichtet. Im ersten Halbjahr 2020 belief sich der Anteil des Halbleitergeschäfts Semiconductor Solutions am Gesamtumsatz von Performance Materials bereits auf 56 %. Vor diesem Hintergrund erwartet Merck für Performance Materials mittelfristig ein durchschnittliches jährliches organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 % und eine EBITDA-pre-Marge von rund 30 %.

Für Semiconductor Solutions rechnet Merck in den kommenden Jahren mit einem jährlichen organischen Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Semiconductor Solutions dürfte damit die am schnellsten wachsende Geschäftseinheit von Performance Materials sein. Zusätzlich zum erwarteten Marktwachstum sollte die Geschäftseinheit von ihrem vorteilhaften Produkt- und Leistungsportfolio sowie von den im Rahmen der Versum-Integration entstehenden Synergien profitieren.

Angesichts des anhaltenden Preisdrucks im Flüssigkristallgeschäft erwartet Merck für die Geschäftseinheit Display Solutions, die das Geschäft mit Flüssigkristall- und OLED-Materialien, Photoresists und Liquid Crystal Windows umfasst, in den kommenden Jahren einen jährlichen organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Dem gegenüber rechnet das Unternehmen für den Umsatz von Surface Solutions in den kommenden Jahren mit einem jährlichen organischen Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Surface Solutions bietet funktionelle und dekorative Lösungen für Autolacke, Kosmetika und industrielle Anwendungen.

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