18.10.2022 - Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf e. V.

Innovatives Graphit-Recycling als europäische Spitzeninnovation ausgezeichnet

Anna Vanderbruggen erhält EIT CHANGE Award für ihre revolutionäre Graphitgewinnungsmethode, die den ökologischen Fußabdruck der Batterieproduktion verringern könnte

Jedes Jahr würdigt das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) die unternehmerischen und gesellschaftlichen Leistungen seiner Innovatoren. Sie werden mit den EIT Awards in vier Kategorien geehrt: CHANGE, Innovators, Venture und Women Leadership. Anna Vanderbruggen erhielt den CHANGE Award für ihre innovative Methode zum Recycling von Graphit aus gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien. Das ist auch das Thema ihrer Doktorarbeit, die sie am HIF, einem Institut des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, verfasst.

Vanderbruggen entwickelte eine Methode zur Gewinnung von wertvollem Graphit aus gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien. Mit ihrer Methode gelingt es erstmalig, das feine Pulver aus zerkleinerten Lithium-Ionen-Batterien in zwei wertvolle Produkte zu trennen, statt in eines. Dieses Verfahren ermöglicht ein effizientes und hochselektives Recycling sowohl von Graphit als auch von Metallen aus gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien. „Mein Ansatz nutzt die in der Rohstoffindustrie bewährte Methode der Schaumflotation, um Graphit zu recyceln. Die Schaumflotation ist ein etablierter und effizienter Prozess für die Trennung wertvoller Mineralien von taubem Gestein für Partikelgrößen von etwa 10 bis 200 Mikrometer. Graphit macht in der Regel 15 - 25% des Batteriegewichts aus. Durch die Rückgewinnung des Graphits zusätzlich zu den 50% der Metalle, die bereits jetzt zurückgewonnen werden, können die Recycler die ab 2030 gültige EU-Anforderung von 70% Materialrecycling erfüllen“, erklärt Vanderbruggen ihren Ansatz.

Das Ziel ist eine zirkuläre Batterielieferkette, die dazu beiträgt, den ökologischen Fußabdruck der Batterieproduktion und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus Ländern außerhalb der EU zu verringern. Neben ihrer Arbeit für das HIF ist Vanderbruggen an dem von EIT RawMaterials unterstützten Start-up Erzlabor beteiligt, das Materialien charakterisiert und komplexe Rohstoffe analysiert. "Der EIT-Wettbewerb war eine tolle Erfahrung! Es war eine einmalige Gelegenheit, meine Forschung einem breiteren Umfeld zu präsentieren und tolle Leute zu treffen", freut sich Vanderbruggen. Für das HZDR hat die Auszeichnung ebenfalls eine große Bedeutung, denn „der Erfolg von Anna Vanderbruggen zeigt zum einen die Aktualität der Forschung, die am HZDR betrieben wird. Zum anderen steht er für das enorme Potential junger Nachwuchsforscher*innen. Ihre Auszeichnung macht uns stolz und wir gratulieren Anna von Herzen“, sagt Prof. Sebastian M. Schmidt, Wissenschaftlicher Direktor des HZDR.

Mit dem CHANGE Award werden die besten Alumni der EIT-Programme für unternehmerische Ausbildung ausgezeichnet. Vanderbruggen ist Absolventin des EIT-Masterstudiengangs Emerald und wurde von EIT RawMaterials, dem größten europäischen Rohstoffnetzwerk, für den Preis nominiert. "Es ist genau dieses Maß an Innovation, das Europa in die Lage versetzen wird, die Ziele der Energiewende zu erreichen, und wir sind sehr stolz darauf, ihren Weg unterstützt zu haben", sagt Bernd Schäfer, CEO und Managing Director des EIT RawMaterials. Die jährlichen EIT-Preise heben bahnbrechende Innovationen hervor und zeigen, wie junge Talente einige der größten Herausforderungen Europas angehen.

 

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