Die chemische Zukunft entsteht im Labor: exære gewinnt die From Lab to Market Challenge 2026
ReduCO₂ aus München erhält Sonderpreis für die Umwandlung von CO₂ und Wasserstoff in Batterie-Graphit
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In deutschen Laboren und Forschungseinrichtungen entstehen Technologien, die das Potenzial haben, die Chemieindustrie nachhaltiger, resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen. Dahinter stehen Forschende, die den Schritt aus der Wissenschaft ins Unternehmertum wagen. Beim Grand Award Event der fünften From Lab to Market Challenge (FLTMC) hat chemstars, der Reaktionsraum der Chemieindustrie in Deutschland, exære aus Hamburg als Sieger des diesjährigen Wettbewerbs ausgezeichnet. Die Gründer:innen überzeugten die Jury mit ihrer Technologie zur Rückgewinnung seltener Erden und kritischer Rohstoffe aus Abfall- und Recyclingsträmen. Zudem erhielt ReduCO₂ aus München den CHEManager-Sonderpreis. für ihren Ansatz zur Wandlung von industriellem CO₂ und Wasserstoff in hochreinen Graphit für Batterien.
Zwölf ausgewählte Forschungsteams von insgesamt 49 Bewerbern aus dem gesamten Bundesgebiet präsentierten im Baykomm in Leverkusen ihre Technologien für zentrale Herausforderungen der Industrie – von KI-gestützter Beschleunigung von Forschungs- und Entwicklungsprozessen, neuen Technologien für nachhaltige Energie- und Rohstoffsysteme sowie innovativen Materialien und Verfahren zur Defossilierung industrieller Wertschöpfungsketten. Die zwölf Finalisten hatten sich in regionalen Vorentscheiden der Award-Partner chemstars, greenCHEM, koala, QuinCat, chemSPACE und Forum Rathenau durchgesetzt und zählen zu den vielversprechendsten wissenschaftsbasierten Gründungsprojekten des aktuellen Jahrgangs in Deutschland.
Die Gewinner wurden von einer Fachjury und den Teilnehmenden vor Ort in einer anonymen Abstimmung gewählt. Hinzu kamen die Stimmen von mehr als 1.000 Leser:innen des Medienpartner CHEManager, die vorab an einem öffentlichen Online-Voting teilgenommen hatten. Auch in diesem Jahr wurde zudem der CHEManager-Sonderpreis vergeben. Das Gewinnerteam wird im Herbst im CHEManager Innovation Pitch vorgestellt.
Deutschland braucht mehr mutige Chemie-Gründer
„Die Ideen und Technologien, die wir heute gesehen haben, zeigen, welches Potenzial in Deutschlands Laboren und Forschungseinrichtungen steckt. Mit der From Lab to Market Challenge wollen wir genau diese Menschen sichtbar machen und sie auf dem Weg in die Anwendung begleiten. Jede erfolgreiche Ausgründung ist ein Gewinn – für die Forschung, für unsere Industrie und für den Innovationsstandort Deutschland. Wir brauchen mehr mutige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die den Schritt aus dem Labor in die unternehmerische Umsetzung wagen. Denn die Lösungen für viele unserer größten Herausforderungen existieren bereits – wir müssen ihnen die Chance geben, zu Unternehmen zu werden“, sagt Martin Bellof, Lead Strategy & Ventures bei chemstars.
Die Bedeutung solcher Ausgründungen reicht weit über einzelne Technologien hinaus. Die Chemieindustrie steht unter enormem Veränderungsdruck: Geopolitische Konflikte, volatile Energie- und Rohstoffmärkte, die Defossilierung der Industrie und der zunehmende internationale Wettbewerb erhöhen den Innovationsdruck auf Unternehmen. Gleichzeitig werden Entwicklungszyklen kürzer und technologische Fragestellungen komplexer. Antworten auf diese Herausforderungen entstehen an der Schnittstelle von Forschung, Startups und etablierter Industrie.
Open Innovation wird zum strategischen Wettbewerbsvorteil
Ein sichtbares Zeichen dafür setzte auch die diesjährige Veranstaltung im Baykomm in Leverkusen. In seiner Keynote sprach Marcus Paul Gruen, Head Crop Protection Innovation und Vice President bei Bayer AG, darüber, wie sich die Zusammenarbeit zwischen etablierten Industrieunternehmen und Startups verändert. Statt Innovation ausschließlich im eigenen Unternehmen zu entwickeln, gehe es zunehmend darum, Technologien gemeinsam mit Partnern voranzubringen und neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. „Wir müssen nicht jede Technologie selbst entwickeln. Entscheidend ist, Zugang zu Technologien zu haben, mit denen wir uns vom Wettbewerb abheben können. Wir müssen sie nicht besitzen, und genau darin liegt großes Potenzial für Startups.“, sagte Gruen.
„Die Chemieindustrie kann die Herausforderungen unserer Zeit nicht mehr in geschlossenen Innovationssystemen lösen. Ob geopolitische Unsicherheiten, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen oder die Entwicklung neuer Materialien und Produktionsprozesse – all das erfordert neue Partnerschaften und mehr Offenheit für externe Innovation. Initiativen wie die From Lab to Market Challenge sind deshalb weit mehr als ein Gründungswettbewerb. Sie sind ein strategischer Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und technologische Souveränität unseres Industriestandorts“, sagt Stefan Weber, Lead Ecosystems & Communication bei chemstars.
Mit Rückenwind in die nächste Skalierungsstufe
Für das Siegerteam exære um die Gründer Yelda Nur Demirdöğen und Jan Dethloff markiert die Auszeichnung einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg von der Forschung in die industrielle Anwendung.
„Für uns ist die Auszeichnung eine große Bestätigung. Jetzt heißt es vor allem: im Labor Gas geben und den Weg Richtung Pilot beschleunigen. Wir entwickeln Biomaterialien, mit denen sich kritische Metalle zurückgewinnen lassen, und wollen diese Technologie jetzt weiter voranbringen. Der Austausch mit chemstars begleitet uns schon sehr lange – sogar schon vor dem Programm. Vor allem das Feedback aus der Industrie und der Zugang zu dem Netzwerk, waren für uns unglaublich wertvoll“, sagt Co-Gründerin Yelda Nur Demirdöğen.
Die zwölf Finalisten der From Lab to Market Challenge 2026 haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Technologien für eine nachhaltigere, resilientere und wettbewerbsfähigere Chemie bereits heute in deutschen Laboren entstehen. Damit diese Innovationen ihre Wirkung entfalten können, braucht es jedoch mehr als exzellente Forschung: Es braucht mutige Gründer:innen, starke Netzwerke und Partnerschaften zwischen Wissenschaft, Startups und Industrie. Genau hier setzt chemstars an.
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