Atempause statt Aufschwung

Nahostkonflikt treibt Chemie- und Pharmabranche zu erstem Umsatzplus seit über drei Jahren

03.09.2026
AI-generated image

Symbolbild

Die chemisch-pharmazeutische Industrie hat im zweiten Quartal wegen externer Sondereffekte erwartungsgemäß zugelegt: Die Produktion lag 2,4 Prozent höher als im Vorquartal. Der Branchenumsatz legte erstmals seit über drei Jahren wieder spürbar zu: Er stieg um 7,3 Prozent auf 54,5 Milliarden Euro. Dazu trug eine leichte Belebung der Industriekonjunktur bei. Entscheidend waren aber die Sondereffekte: In den vergangenen Monaten stockten viele Unternehmen angesichts des Nahostkonflikts ihre Lager auf. Zudem verursachte der Konflikt zeitweise schwere Lieferkettenprobleme bei der Konkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten – zum Vorteil einiger deutscher und europäischer Hersteller.

Aufträge und Umsätze gehen bereits wieder zurück

Trotz der besseren Zahlen bleibt die Lage schwierig. Bereits im Juni 2026 gingen die Aufträge und Umsätze wieder zurück. Zudem lag die Kapazitätsauslastung mit 73,2 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (83 Prozent) und damit auf einem wirtschaftlich unbefriedigenden Niveau. Gleichzeitig erhöhen die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten den Druck auf die Unternehmen. All das zeigt: Die aktuelle Belebung ist vor allem das Ergebnis temporärer Sondereffekte und noch kein Zeichen für eine nachhaltige Erholung.

VCI-Präsident Markus Steilemann kommentiert: „Das Plus bei Produktion und Umsatz ist erfreulich, aber trügerisch. Vorratskäufe und geopolitische Verwerfungen sind keine Trendwende. Die alten Probleme haben sich nicht in Luft aufgelöst. Die deutsche Industrie braucht endlich einen konsequenten Kurs für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Passiert nichts, wird aus der zarten Belebung schnell wieder Ernüchterung.“

Die Zahlen im Überblick:

  • Für das Gesamtjahr bleibt der VCI vorsichtig. Die Belebung im Frühjahr ändert nichts an den Herausforderungen der Branche. Der Verband erwartet in seiner Prognose weiterhin einen Rückgang der Produktion von Chemie und Pharma um 1,5 Prozent. Höhere Erzeugerpreise dürften den Umsatz stützen. Insgesamt rechnet der VCI mit einem Branchenumsatzplus von 2,5 Prozent. Das Plus ist jedoch überwiegend preisbedingt. Die weiterhin schwache Auslastung, der hohe Kostendruck und eine verhaltene Industriekonjunktur dürften die Geschäfte im zweiten Halbjahr weiter belasten.
  • Die chemisch-pharmazeutische Produktion stieg im zweiten Quartal saisonbereinigt um 2,4 Prozent und lag 0,9 Prozent über Vorjahr. Treiber waren eine leichte Konjunkturbelebung sowie Vorratskäufe infolge des Nahostkonflikts – das ist keine nachhaltige Trendwende. Die Kapazitätsauslastung blieb mit 73,2 Prozent weiterhin niedrig.
  • Der Nahostkonflikt führte zu einem deutlichen Preisschub. Die Erzeugerpreise stiegen gegenüber dem Vorquartal um 5,7 Prozent und lagen 5,3 Prozent über dem Vorjahr. Höhere Rohöl-, Naphtha- und Gaspreise erhöhten den Kostendruck auf die Unternehmen spürbar.
  • Leicht steigende Mengen und deutlich höhere Preise ließen den Umsatz im zweiten Quartal um 7,3 Prozent auf 54,5 Milliarden Euro steigen. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Plus von 7,6 Prozent. Dies war der erste Umsatzanstieg seit über drei Jahren. Allerdings gingen Auftragseingang und Umsatz im Verlauf des zweiten Quartals bereits wieder zurück.

Weitere News aus dem Ressort Wirtschaft & Finanzen

Meistgelesene News

Weitere News von unseren anderen Portalen

Revolutioniert künstliche Intelligenz die Chemie?