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Chemie- und Pharmaforschung setzt Höhenflug fort

Rahmenbedingungen für Start-ups verbessern

16.08.2019

Yuri_B, pixabay.com, CC0

Symbolbild

Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie hat noch nie so viel geforscht wie im Jahr 2018: Rund 11,8 Milliarden Euro haben die Unternehmen für ihre Forschung und Entwicklung (FuE) aufgewandt. Damit hat Deutschlands drittgrößter Industriezweig erneut mehr als 5 Prozent seines Umsatzes in FuE investiert. Das geht aus den aktuellen Forschungskennzahlen hervor, die der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt vorgestellt hat. Für das laufende Jahr prognostiziert der VCI, dass die FuE-Budgets der Branche die Marke von 12 Milliarden Euro erreichen werden. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland der viertgrößte Chemie- und Pharmaforschungsstandort nach den USA, China und Japan.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Zu den neuen Zahlen sagt Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung: „Mittelfristig wird es für unseren heimischen Forschungs- und Produktionsstandort immer schwieriger, seine gute Position zu verteidigen. Viele Industrie- und Schwellenländer unterstützen gezielt die Innovationskraft ihrer Firmen als Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Gerade China gibt hohe Summen für FuE aus. Die Volksrepublik hat es so geschafft, innerhalb von nur 17 Jahren nach den USA die Nummer 2 der internationalen FuE-Standorte in der Chemie zu werden.“

Wessel sieht daher die „deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen unter doppeltem Handlungsdruck“: Sie müssen sich sowohl im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten, wie auch ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden. Gleichzeitig müssen sie ihre Forschungsergebnisse schneller zur Marktreife bringen.

Chemie-Start-ups brauchen bessere Starthilfe

Mit Blick auf diese Entwicklung setzt sich Wessel dafür ein, „talentierte Gründer und Erfinder zu fördern, um so den deutschen Hightech-Standort zu stärken.“ Gerade Chemie-Start-ups könnten als agile, schnelle Akteure im Innovationsgeschehen neue Ideen schneller voranbringen und den Wettbewerb um die besten Lösungen für Kunden und Nutzer von Chemieprodukten beleben. „Schwachstellen wie eine aufwendige Bürokratie, zu wenig Wachstumskapital, und eine unzureichende Infrastruktur erschweren jedoch die Gründung junger innovativer Unternehmen“, erklärt Wessel. Er schlägt daher einen spürbaren Abbau von Bürokratie sowie eine Vereinfachung der Förderprogramme vor. Möglichkeiten sieht er beispielsweise durch eine beschleunigte Antragsprüfung und eine auf Start-ups zugeschnittene Bonitätsprüfung.

Für den deutschen Wagniskapitalmarkt spielen Investitionen in junge Chemie­unternehmen nur eine untergeordnete Rolle. Von 2015 bis 2018 gingen lediglich durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr der gesamten Risikokapitalinvestitionen in Deutschland in Chemie-Start-ups. Wagniskapitalfonds sollten sich nach Auffas­sung von Wessel deshalb nicht nur an digitalen Themen ausrichten, sondern auch den Bedürfnissen von jungen innovativen Unternehmen gerecht werden, die Werkstoffe und Wirkstoffe entwickeln und bei langen Entwicklungszeiten einen hohen Kapitalbedarf haben. „Vielversprechende Ideen dürfen nicht an mangeln­dem Geld für die Wachstumsphase scheitern“, unterstreicht der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses.

Für alle Chemie- und Pharmaunternehmen unabhängig vom Alter gilt, dass passende Rahmenbedingungen Innovationen insgesamt weiter vorantreiben müssen. Die geplante Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für alle Unternehmen zu Beginn nächsten Jahres bezeichnet Wessel daher als eine richtige Weichenstellung für notwendige zusätzliche Innovationsimpulse. „Sie werden langfristig zu mehr Arbeitsplätzen und mehr Wertschöpfung führen, wenn die Förderung praktikabel und sachgerecht ausgestaltet ist“, betont er weiter. Dazu gehöre, dass der Auftraggeber die steuerlichen Anreize erhält, da er das unternehmerische Risiko der Forschung trägt. Das sei besonders wichtig für kleine und mittlere Unternehmen, denn für sie habe die Auftragsforschung eine große Bedeutung. Gleichzeitig sei es notwendig, die steuerliche Forschungsförde­rung im Laufe der Zeit zu erhöhen. Denn die zurzeit vorgeschlagene Förderung von 500.000 Euro jährlich pro Unternehmen würde die Firmen nur begrenzt animieren, mehr Geld in FuE zu investieren.

Ergänzend empfiehlt Wessel eine ressortübergreifende Innovationspolitik, die mit der Hightech-Strategie 2025 gekoppelt ist. Notwendig seien ebenfalls ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme, um das Niveau deutscher Forschung zu halten. Auch einen Innovations-Check bei der Gesetzge­bung in Deutschland und Europa hält Wessel für notwendig. Mit diesem könne überprüft werden, wie sich bestehende und künftige Vorschriften auf neue Produkte und Verfahren auswirken.

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