10.10.2019 - Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

Chemische Industrie: Klimaneutralität bis 2050 technisch möglich

(dpa) Die deutsche Chemieindustrie hält die Klimaneutralität der eigenen Branche bis 2050 für technisch möglich, setzt aber einen riesigen Strombedarf und hohe Investitionen voraus. «Je ambitionierter das Ziel Treibhausgasneutralität verfolgt wird, umso stärker steigen die damit verbundenen Kosten», schreibt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in einer Studie, in der er verschiedene Szenarien für eine klimaneutrale Chemiebranche untersucht hat. Der VCI präsentierte die Untersuchung am Mittwoch in Berlin.

Als Ausgangslage rechnet der Verband für 2020 mit Treibhausgas-Emissionen in der chemischen Industrie in Höhe von 112,8 Millionen Tonnen. Darin enthalten seien aber auch Emissionen, die für gewöhnlich anderen Industriezweigen zugeordnet würden, sagte Studienautor Jörg Rothermel. So würden in den Produkten enthaltene Treibhausgase ebenso mitberechnet, wie Emissionen durch die Stromproduktion. Schätzungen des Umweltbundesamts zufolge wurden insgesamt in Deutschland im Jahr 2018 rund 866 Millionen Tonnen an Treibhausgas ausgestoßen.

Der VCI geht davon aus, die eigenen Emissionen bei gleichbleibendem Stromverbrauch allein über die Optimierung des bestehenden Anlagenparks und einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien bis 2050 um rund ein Drittel senken zu können. Darüber hinaus seien jedoch deutlich höhere Anstrengungen notwendig: Um bis 2050 nahezu vollständig klimaneutral zu produzieren, seien Investitionen von 45 Milliarden Euro notwendig. Die dafür notwendige Strommenge werde sich von aktuell 54 Terawattstunden (TWh) auf 628 TWh vervielfachen.

«Unternehmen können die Transformation hin zu null Emissionen daher nur vorantreiben, wenn sie in jeder Phase wettbewerbsfähig bleiben und optimale Rahmenbedingungen vorfinden», schreiben die Autoren. Eine weitere Hürde: Die Kilowattstunde Strom dürfe angesichts des hohen Bedarfs nicht mehr als vier Cent kosten. «Ist der Strom teurer, wird sich die Implementierung neuer Verfahren auf deutlich nach 2050 verzögern.» Zudem müsse die Politik neue Verfahren in jeder Phase fördern.

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