18.03.2021 - Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Winzlinge im Pflanzenschutz als „Trojanisches Pferd“

Max-Planck-Ausgründung will auf Mikrotechnologie basierenden Pflanzenschutzmitteln weiterentwickeln

Jährlich entsteht durch Pilzbefall allein beim Weinanbau ein Schaden von einer Milliarde Euro. Herkömmliche Pflanzenschutzmittel sind bei der Bekämpfung größtenteils machtlos. Eine geplante Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) soll nun die Forschung an nachhaltigen, auf Mikrotechnologie basierenden Pflanzenschutzmitteln weiterentwickeln und zur Markreife führen. Der Weg zur Ausgründung wird hierbei durch ein EXIST Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Mit ihrer Forschung zu auf Mikrocarriern basierenden Pflanzenschutzmitteln haben ein Team um Projektleiter Frederik Wurm, Leiter einer Gruppe am MPI-P und Professor an der Universität in Twente, und Mentorin Katharina Landfester, Direktorin am MPI-P, ein EXIST Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eingeworben. Mit drei weiteren Teammitgliedern wird in den nächsten 1 ½ Jahren die am Institut entwickelte Technologie der Lignin-Mikrocarrier weiterentwickelt und zur Marktreife geführt werden. Insgesamt wird das Projekt „Escape“ mit ca. 800.000 Euro gefördert.

Die Technologie wurde in mehreren Jahren Forschung am MPI-P entwickelt. Hierfür werden poröse Kugeln mit einem Durchmesser im Bereich eines millionstel Meters eingesetzt. Diese Mikrocarrier, bestehen aus dem Stoff „Lignin“, welcher ein Bestandteil von Holz ist und diesem seine Festigkeit verleiht. Sie werden mit einem Fungizid – einem Pilzbekämpfungsmittel – beladen und beispielsweise in Weinreben injiziert. Dort können sie wirkungsvoll als eine Art „Trojanisches Pferd“ gegen die sogenannte Esca-Krankheit eingesetzt werden. Esca ist eine Pilzkrankheit und befällt Weinreben von innen heraus. Sie zersetzt das Lignin, was dem Stamm seine Festigkeit nimmt – die Rebe stirbt somit ab. Die injizierten und ebenfalls aus Lignin bestehenden Mikrocarrier werden jedoch ebenfalls von den Pilzen zersetzt: Das „Trojanische Pferd“ wird also geöffnet, was das Fungizid freisetzt und die Pilze wirkungsvoll bekämpft.

Mit im Team der Ausgründung sind ein Experte für die Zulassung des Pflanzenschutzmittels, ein Weinbautechniker sowie ein Betriebswirt.

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