26.08.2021 - ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH

Gründer lassen sich nicht entmutigen

Die Pandemie hat das Gründungsgeschehen in Deutschland 2020 nur geringfügig gebremst

Nach einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem ZEW Mannheim sind im vergangenen Jahr knapp 165.000 Unternehmen neu an den Start gegangen. Je nach Branche verlief die Entwicklung jedoch sehr unterschiedlich.

Ungeachtet der Corona-Krise ist die Zahl der Unternehmen im vergangenen Jahr leicht auf knapp 3,3 Millionen gestiegen. Erneut wurden mehr Unternehmen gegründet als geschlossen. Das vom ZEW aufbereitete Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) verzeichnete rund 156.000 Schließungen etwa aufgrund von Geschäftsaufgaben oder Insolvenz. Den Grund dafür, dass viele Gründungswillige trotz der Pandemie an ihrem Vorhaben festgehalten haben, sehen die Studienautoren im schnellen Eingreifen der Politik. „Die ausgezahlten Wirtschaftshilfen, die erweiterte Kurzarbeiter-Regelung sowie die zeitweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Zahl der Gründungen 2020 nicht eingebrochen ist“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Die Entwicklung der Gründungen zeigt im Jahresverlauf deutliche Schwankungen. Im Frühjahr 2020, inmitten des ersten staatlich verordneten Lockdowns, starteten deutlich weniger Unternehmen neu als in früheren Jahren. Dagegen war die Zahl der Gründungen im Sommer, Herbst sowie im Dezember überproportional hoch. „In der Zeit der stärksten Einschränkungen wurden offenbar viele Gründungsprojekte unterbrochen, aber nicht aufgegeben und im weiteren Jahresverlauf wieder aufgenommen“, sagt Dr.  Sandra Gottschalk, Wissenschaftlerin am ZEW und Autorin der Untersuchung.

Auch wenn die Auswirkungen der Pandemie auf das Gründungsgeschehen in Summe gering sind, zeigen sich innerhalb einzelner Branchen zum Teil erhebliche Ausschläge. Einen deutlichen Einbruch (um 5,3 Prozent auf 50.000 Gründungen) verzeichneten konsumorientierte Dienstleistungen – dazu zählen unter anderem das Gastgewerbe, Frisöre, Kinos, freiberufliche wissenschaftliche, kreative und künstlerische Tätigkeiten. Diese Aktivitäten waren in der Pandemie besonders starken Einschränkungen unterworfen. Das galt weniger für das Baugewerbe – trotzdem gingen dort im vergangenen Jahr lediglich 16.000 Betriebe neu an den Start (minus 13,3 Prozent). „Aufgrund der hohen Nachfrage nach Handwerkerleistungen waren die Beschäftigungsmöglichkeiten in dieser Branche so gut, dass es nur zu wenigen Notgründungen kam“, erklärt Dr. Sandra Gottschalk. Vergangene Krisen haben gezeigt, dass in Zeiten schwacher Konjunktur viele Gründungen nur erfolgen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Das war diesmal anders: Die Baubranche hatte infolge der Pandemie sogar besonders viel zu tun, weil der Stellenwert des eigenen Zuhauses deutlich gestiegen ist. Rege verlief das Gründungsgeschehen dagegen insbesondere im Versand- und Internet-Handel (plus 24 Prozent auf 3.100 Gründungen), bei Herstellern und Dienstleistern von Informations- und Kommunikationsgeräten (plus 5,2 Prozent auf 7.500 Gründungen) sowie in der Chemie- und Pharma-Branche (plus 15,7 Prozent auf 430 Gründungen).

„Spannung verspricht der Verlauf des Gründungsgeschehens in der Nach-Corona-Zeit. Sollte die neue Bundesregierung ein Infrastruktur- und Konjunkturpaket auf den Weg bringen, dürfte das vor allem zu zahlreichen Gründungen im Hightech- und Technologiebereich führen“, erwartet Patrik-Ludwig Hantzsch.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Pandemie
  • Coronavirus
  • Neugründungen
Mehr über Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
  • News

    Chemieindustrie zeigt Potenzial bei Digitalisierung

    Die chemisch-pharmazeutische Industrie zählt zu den Branchen in Deutschland, die digitale Anwendungen bereits vielfach in der Produktion einsetzen. Allerdings bleiben noch erhebliche Möglichkeiten für weitere digitale Innovationen in den Unternehmen der Branche offen. Zudem steht die Chemie ... mehr

    Wohlhabende Haushalte verbrauchen die meisten Ressourcen

    Mit zunehmendem Haushaltseinkommen werden der Materialfußabdruck und damit der Ressourcenverbrauch in Deutschland größer. Als Indikator für Ressourcenverbrauch bezeichnet der Materialfußabdruck die Menge an Rohstoffen, die es braucht, um alle von einem Haushalt konsumierten Güter zu produzi ... mehr

    Energiebranche setzt künftig verstärkt auf Batteriespeicher

    Für die breite Nutzung erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung sind Speicherlösungen notwendig. Insbesondere Batterien und Wärmespeicher werden hierbei in den nächsten zehn Jahren eine große Rolle spielen. Neben den Investitionskosten gelten auch die Umweltverträglichkeit und die gesel ... mehr