Leuna Polyamid: Insolvenzverfahren eröffnet
Insolvenzmasse reicht nicht für Stilllegung und Rückbau
Anzeigen
Das Amtsgericht Halle/Saale hat das Insolvenzverfahren über die „Leuna – Polyamid GmbH“ eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bestellt. Wie bereits vom Unternehmen angekündigt, werden die Anlagen nun geordnet heruntergefahren und stillgelegt. Die Überwachung des Stilllegungsbetriebs übernimmt das Land Sachsen-Anhalt.
„In der Insolvenzmasse ist nicht genügend Geld vorhanden, um die erforderliche Stilllegung und den Rückbau des riesigen Chemie-Industrieareals vollständig zu finanzieren“, erläutert der Insolvenzverwalter. „Ein Insolvenzverwalter ist alleine den Gläubigern verpflichtet und kann und darf die Insolvenzmasse nicht zu deren Schaden belasten“, so Flöther. „Deshalb sieht das Insolvenzrecht für solche Fälle die so genannte Freigabe vor.“
Freigabe bedeutet, dass bestimmte Vermögensgegenstände nicht länger zur Insolvenzmasse gehören und damit nicht mehr auf Kosten der Insolvenzmasse verwaltet werden. Vor diesem Hintergrund hat der Insolvenzverwalter für einen Großteil der Immobilien und Anlagen die Freigabe erklärt. Diese fallen nun an die Schuldnerin zurück, d.h. an die Leuna – Polyamid GmbH. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sicherheits- oder Umweltpflichten entfallen. „Weil die Schuldnerin wirtschaftlich dazu nicht in der Lage ist, übernimmt die Sicherung das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen der Gefahrenabwehr“, so Flöther.
Die Geschäftsführung hat bereits Anfang September mitgeteilt, dass die Suche nach einem Investor gescheitert ist und damit begonnen, die Stilllegung vorzubereiten. Die letzten Produktmengen werden in den ersten Oktobertagen die Anlage verlassen. Anschließend beginnen die Arbeiten zur Sicherung, Entleerung und Reinigung der Anlagen.
Die rund 440 Beschäftigten erhalten nun im Oktober ihre Kündigungen, die in der Regel Ende Januar wirksam werden. In diesem Zeitraum werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen der Stilllegungsarbeiten weiter eingesetzt und aus der Insolvenzmasse bezahlt.
Die Leuna – Polyamid GmbH hatte im April den Geschäftsbetrieb der insolventen DOMO Caproleuna GmbH übernommen. Nachdem die Kosten für Energie und Grundstoffe infolge des Iran-Krieges seit Februar erneut drastisch gestiegen waren, hatte sich die Situation für das Unternehmen deutlich zugespitzt. Im April stellte die Geschäftsführung Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
Das Unternehmen stellt organische Basisprodukte (z. B. Caprolactam, Phenol, Aceton) und Polyamid 6 als Hauptprodukt her, auch bekannt als Nylon 6. Polyamid 6 ist ein vielseitiger technischer Kunststoff, der sich durch hohe Festigkeit, gute Zähigkeit und eine sehr gute Verarbeitbarkeit auszeichnet. Er wird u.a. in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern für leichte, langlebige und leistungsfähige Bauteile eingesetzt.