29.11.2016 - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Wie gut ist die Messmethode?

Drei weitere Ringversuche für die Chemikaliensicherheit

Ob Explosion in einem Chemiewerk oder Brand auf einem Gefahrgutfrachter – die Ursachen für Unfälle können vielfältig sein. Prävention beginnt bereits im Prüflabor, wenn Chemikalien auf ihre gefährlichen Eigenschaften getestet werden. Denn auf die richtige Durchführung der Prüfung und Bewertung müssen sich Sicherheitsfachleute, Transporteure oder Händler verlassen können. Ringversuche sind ein Mittel, um Messergebisse auf ihre Zuverlässigkeit hin zu überprüfen.

Daher startet die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) nun gemeinsam mit den Partnern Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Braunschweig, und QuoData GmbH Quality & Statistics, Dresden, drei weitere Ringversuche.

Die gefährlichen Eigenschaften von Gefahrstoffen und Gefahrgütern müssen bekannt sein, um die Risiken bei deren Handhabung richtig abschätzen zu können. Dazu sind Prüfmethoden entwickelt worden, die weltweit angewendet werden. Doch so manch eine Methodenbeschreibung lässt einen zu großen Interpretationsspielraum zu. „Wir müssen genau wissen, wie gut die Methode ist, mit der ein Gefahrgut oder Gefahrstoff klassifiziert wird. Man kann durchaus auch einfache Methoden mit großen Fehlergrenzen wählen, aber das muss man angeben, damit die Sicherheitsfachleute korrekt bewerten und entscheiden können“, sagt Dr. Peter Lüth, Wissenschaftler in Abteilung 2 Chemische Sicherheitstechnik der BAM, der das Ringversuchsprogramm federführend leitet.

Das erste Ringversuchsprogramm zur Einstufung von physikalischen Gefahren von Chemikalien startete Lüth bereits vor 10 Jahren. Eine Erfolgsgeschichte, denn heute beteiligen sich rund 90 Laboratorien weltweit an den Ringversuchen. BAM, PTB und QuoData GmbH haben deshalb ein gemeinsames Kompetenzzentrum zur Qualitätssicherung für Prüfungen von Gefahrgütern und Gefahrstoffen, CEQAT-DGHS, eingerichtet.

Drei neue Ringversuche zur Methodenvalidierung werden derzeit vorbereitet und in den Jahren 2017 bis 2018 durchgeführt. Dabei handelt es sich um Prüfmethoden zur Korrosivität gegenüber Metallen (UN Prüfung C.1), von Stoffen, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln (UN Prüfung N.5) und zur Bestimmung der unteren Explosionsgrenze von Gasen.

„Mit den Ringversuchen zeigen wir, wie gut die Methode geeignet ist und ob alle Laboratorien zu dem gleichen Ergebnis kommen. Nur auf die Erfahrung eines Prüfers oder einer Prüferin zu setzen, heißt noch lange nicht, dass die Messergebnisse richtig sind. Kontrollmöglichkeiten durch Training, Fortbildung, Referenzmaterialien oder Ringversuche, Qualitätssicherung von Arbeitsabläufen helfen Fehler zu erkennen und zu vermeiden. So schaffen wir hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie“, so Lüth weiter. 

Laboratorien, die sich auf diese Prüfungen spezialisiert haben, sind aufgefordert, an den Ringversuchen teilzunehmen. Sie können sich auf der Webseite des CEQAT-DGHS informieren und zur Teilnahme am Ringversuch anmelden.

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    Michael Maiwald, Jahrgang 1967, ist Leiter der Fachgruppe Prozessanalytik an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. Er ist Physikochemiker und schloss 1994 sein Studium an der Ruhr-Universität Bochum ab, wo er ebenfalls promovierte. Im Anschluss leitete er ein ... mehr

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    Björn Meermann, Jahrgang 1982, studierte Chemie an der Universität Münster, wo er 2009 in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Uwe Karst promovierte. Im Anschluss forschte er während eines knapp zweijährigen Postdoc-Aufenthalts an der Universität Gent, Belgien in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. ... mehr

    Dr. Martina Hedrich

    Martina Hedrich, Jg. 1951, studierte Chemie an der Freien Universität Berlin (FUB) und promovierte in anorganischer Chemie auf dem Gebiet der Röntgenstrukturanalyse. Während ihrer Postdoc-Zeit am Hahn-Meitner-Institut Berlin widmete sie sich der Spurenanalytik in menschlichen Gewebe­proben ... mehr