17.01.2020 - Peking University

Nanoprägung von Strukturfarben

Azopolymer ermöglicht lichtunterstützten Prägedruck von Nanomustern auf Oberflächen

Strukturfarben entstehen, wenn das Licht an einer Oberflächenstruktur unterschiedlich gebrochen wird. Chinesische Wissenschaftler haben eine neuartige Lithographietechnik entwickelt, mit der solche Nanostrukturen bei Raumtemperatur in flexible Oberflächen geprägt werden können. Grundlage dieser Technik ist ein Azopolymer, das unter Lichteinstrahlung seine mechanochemischen Materialeigenschaften verändert, heißt es in der Zeitschrift Angewandte Chemie. Auch biegsame und weiche Substrate sind für die Nanoprägung geeignet.

Sehr fein strukturierte Oberflächen sind in vielen sensitiven Bereichen gefragt, wie zum Beispiel für fälschungssichere Geldscheine und und bei der Herstellung von Computerchips. In der Elektronikindustrie werden die Schaltkreise durch ein photolithographisches Verfahren auf eine Oberfläche gedruckt. Hierbei wird ein lichtempfindlicher Lack durch eine Maske bestrahlt. In den unbedeckten Bereichen baut das ultraviolette Licht den Lack ab und die zersetzten Bereiche werden abgewaschen. Damit das UV-Licht den Photolack abbauen kann, muss er jedoch zuvor aufgeheizt werden.

Die meisten Lacke schrumpfen jedoch etwas beim Abkühlen. Das ist insbesondere bei der Herstellung von nanogroßen Strukturmustern problematisch. Haifeng Yu von der Peking University haben deshalb eine Lithographietechnik für Nanostrukturen entwickelt, die ganz ohne Aufheizschritt auskommt. Hierfür entwickelten sie einen neuartigen lichtempfindlichen Photolack. Kern dieses Photolacks ist eine Substanz namens Azobenzol. Azobenzolmoleküle wechseln bei der Einstrahlung von Licht einer bestimmten Wellenlänge von einer geraden in eine geknickte Form. Eingebunden in das Polymergerüst des Photolacks verursacht das Azobenzol damit eine Änderung der mechanochemischen Eigenschaften des Azopolymers. Der Knick im Molekül macht den ganzen Lack flüssig, erläutern die Autoren.

Um das Nanomuster zu prägen, verflüssigten die Autoren zunächst den auf eine biegsame Folie aufgebrachten Azopolymerlack durch UV-Licht-Bestrahlung. Dann drückten sie eine transparente, nanostrukturierte Silikonfolie auf die verflüssigten Bereiche und bestrahlten die Schichten mit sichtbarem Licht. Dadurch härtete das Azopolymer aus, und zwar in den angenommenen Nanostrukturen der Silikonfolie. Durch eine Maske bestrahlten die Wissenschaftler dann den gehärteten Lack mit UV-Licht, um die unbedeckten Bereiche erneut zu verflüssigen. Als letzten Prägeschritt drückten sie eine weitere Folie auf das Azopolymer und härteten die neu entstandene Prägung wieder durch sichtbares Licht aus. Diese Technik nannten sie „athermische Nanoimprint-Lithographie“ (AT-NIL), also Lithographie zur heizfreien Prägung von Nanostrukturen.

Die geprägte biegsame Oberfläche schillerte vielfarbig. Winzige Buchstaben oder Ornamente änderten ihre Farbschattierung, je nachdem, in welchem Winkel sie betrachtet wurden. Mit dieser Technik lassen sich aber nicht nur Strukturfarben herstellen, heißt es in der Studie. „Das Verfahren lässt sich auf viele weitere Substrate wie Siliziumwafer und andere lichtaktive Materialien übertragen“, glauben die Autoren. Anwendungen seien in allen Bereichen denkbar, wo Hitze die Prägung von Nanostrukturen beeinträchtigt und die Justierung von Materialeigenschaften durch Licht Vorteile bietet.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Peking University
  • News

    Welche Partikel machen die Luft dunstig?

    An dunstigen Tagen sind nicht nur wesentlich mehr Feinstaubteilchen in der Luft. Die chemische Zusammensetzung unterscheidet sich auch stark von klaren Tagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Universität Peking, die auf de ... mehr

    Superwaschgang in der Atmosphäre

    Ein bislang unbekannter Verstärkungsmechanismus vergrößert die Selbstreinigungskräfte der Atmosphäre um das Drei- bis Fünffache. Ein internationales Forscherteam, darunter Jülicher Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Andreas Wahner, hat herausgefunden, dass Hydroxyl-Radikale - das W ... mehr

    Dem Geheimnis des Glasübergangs auf der Spur

    Aus physikalischer Sicht ist die Gruppe der Gläser vielfältig: Sie umfasst Festkörper mit außergewöhnlichen Eigenschaften, bei denen der flüssige Zustand eingefroren ist. Physikern des Instituts für Materialphysik der TU Graz ist es nun in Zusammenarbeit mit deutschen und chinesischen Wisse ... mehr

Mehr über Angewandte Chemie
  • News

    Anionen sind wichtig

    Metallionen-Kondensatoren vereinigen die Eigenschaften von Kondensatoren und Batterien: Eine Elektrode arbeitet nach dem Kondensatorprinzip, die andere verwendet die Redoxprozesse von Batterien. Wissenschaftler haben nun den Elektrolyten, und insbesondere das Anion unter die Lupe genommen. ... mehr

    Gut orientiert: Katalysatoren für isotaktische polare Polypropylene

    Polypropylen (PP) ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Kunststoffe. Auf der Basis von PP mit kontrollierter räumlicher Anordnung der Propylen-Bausteine und zusätzlichen polaren Bausteinen könnte eine neue Generation attraktiver technischer Spezial-Kunststoffe entstehen, z.B. mit v ... mehr

    Ultraschwere Präzisions-Polymere

    Eine umweltverträgliche und nachhaltige Synthese „schwergewichtiger“ Polymere mit sehr enger Molekulargewichtsverteilung ist ein bedeutendes Konzept der modernen Polymerchemie. Dank eines neuen photoenzymatischen Ansatzes konnten chinesische Wissenschaftler die Bandbreite möglicher Monomere ... mehr