13.07.2021 - Covestro AG

Konjunkturerholung stimmt Chemiekonzern Covestro noch optimistischer

(dpa-AFX) Der Chemiekonzern Covestro traut sich 2021 dank der Wirtschafterholung mehr Gewinn zu als bislang in Aussicht gestellt. Covestro begründete die erneute Erhöhung der Prognose am Montag vor allem mit "einem weiter verbesserten Margenausblick für das zweite Halbjahr". Von jedem Euro Umsatz dürfte also mehr als Gewinn hängen bleiben als bislang geplant. So sorgt eine kräftige Nachfrage nach Materialien etwa für Autositze, Möbelpolster, Kühlschrankdämmungen sowie Handy- und Laptophüllen schon länger für Preissteigerungen in der Branche. Mit dem Schritt folgt Covestro dem Chemiekonzern BASF, der vor dem Wochenende wegen des boomenden Kunststoffgeschäfts ebenfalls seinen Jahresausblick angehoben hatte.

Konzernchef Markus Steilemann peilt laut einer Mitteilung im laufenden Jahr nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,7 bis 3,1 Milliarden Euro an. Damit liegt das untere Ende der Bandbreite nun auf dem Niveau des im April maximal in Aussicht gestellten Betrages sowie über der vom Unternehmen zur Verfügung gestellten durchschnittlichen Analystenschätzung. Im besten Fall wäre das operative Ergebnis im laufenden Jahr mehr als doppelt so hoch wie im Corona-Jahr 2020 und fast doppelt so hoch wie 2019. 2019 hatte eine schwächelnde Autonachfrage und Konkurrenzdruck dem Konzern das Leben schwer gemacht.

Auf Basis vorläufiger Daten vervielfachte sich das operative Ergebnis im zweiten Quartal im Vergleich zum coronagebeutelten Vorjahreszeitraum auf rund 815 Millionen Euro, was allerdings etwas weniger ist als von Analysten im Durchschnitt geschätzt. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein operatives Ergebnis von 1,56 Milliarden Euro. Das ist die Hälfte des oberen Endes des neuen Jahresziels.

Bereits zum Start ins aktuelle Jahr hatte vor allem eine starke Nachfrage im Zuge der globalen Konjunkturerholung - sowie zu einem gewissen Teil auch Produktionsengpässe der Konkurrenz - dem Dax-Konzern kräftig Rückenwind verliehen. Die Geschäfte rund um harte Kunststoffe (Polycarbonate) sowie Weich- und Hartschäume (Polyurethane) für die Auto- und Bauindustrie sowie mit Herstellern von Elektronik- und Haushaltsgeräten brummten. Ein Trend, der sich offenbar fortsetzt.

Erst Anfang Juli hatte Analystin Georgina Iwamoto von der Investmentbank Goldman Sachs in einer Branchenstudie auf ein weiterhin positives Umfeld für Polycarbonate sowie die Schaumstoffvorprodukte MDI und TDI verwiesen. Sie sieht Luft für weiter steigende Preise bei den beiden Rohstoffen. Das begründet sie unter anderem mit einer anhaltenden starken Autonachfrage.

In diesem Umfeld wird Manager Steilemann ebenfalls optimistischer für den auch für die Dividende wichtigen freien operativen Mittelzufluss und stellt für 2021 nun zwischen 1,6 und 2,0 Milliarden Euro in Aussicht nach bisher maximal 1,8 Milliarden. Diese neue Prognosen liegen damit über den vom Unternehmen zur Verfügung gestellten durchschnittlichen Analystenschätzungen.

Der sogenannte Return on Capital Employed (ROCE) soll 2021 nun 16 bis 20 Prozent betragen (alt: bis zu 17 Prozent). Die Kennziffer gibt die Rendite auf das eingesetzte Kapital an, zeigt also, wie effizient ein Unternehmen mit seinem Kapital umgeht.

Für das Mengenwachstum im Kerngeschäft werden weiterhin 10 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt. Darin enthalten ist auch das Geschäft mit nachhaltigen Beschichtungsharzen, dessen Übernahme vom Konkurrenten DSM Anfang April abgeschlossen worden war. Die Akquisition soll die kleinste Covestro-Sparte CAS rund um Vorprodukte für Lacke, Klebstoffrohstoffe und Spezialanwendungen stärken. Ohne den Kauf wären es sechs Prozentpunkte weniger Wachstum. Selbst damit würde Covestro aber zu Wachstum zurückkehren nach einem Minus von 5,6 Prozent im Jahr 2020.

Mehr Details zur aktuellen Geschäftsentwicklung wird es am 6. August bei der Veröffentlichung der vollständigen Zahlen für das zweite Quartal geben. Dann wird Covestro auch letztmalig in der alten Konzernstruktur berichten.

Mit Wirkung zum ersten Juli hatten die Leverkusener ihre Konzernorganisation neu aufgestellt. Die nun sieben operativen Geschäftseinheiten werden in zwei Geschäftsbereichen zusammengefasst: Performance-Materialien sowie das Spezialitätengeschäft.

Die Sparte Performance-Materialien wird dann das Massengeschäft mit Standard-Polycarbonaten, Standard-Urethankomponenten sowie Basischemikalien umfassen. Im Spezialitätengeschäft sollen sechs Geschäftseinheiten angesiedelt werden: Maßgeschneiderte Urethankomponenten, Beschichtungen und Klebstoffe, Technische Kunststoffe, Spezialfolien, Elastomere sowie Thermoplastische Polyurethane.

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