10.01.2022 - Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Im Kampf gegen den Klimawandel und die Pandemie

ETH-​Spin-offs liefern innovative Ansätze für globale Herausforderungen

25 Neugründungen und rund 390 Millionen Franken eingeworbenes Kapital: So lautet die Spin-​off-Bilanz im Jahr 2021. Schnellere Corona-​Tests, künstliche Korallenriffe und eine automatisierte Insektenzucht haben ihren Weg in die Wirtschaft gefunden. Der Anteil an Firmengründerinnen ist deutlich gestiegen.

Die 25 ETH-​Spin-offs aus dem letzten Jahr zeigen aufs Neue, wie ETH-​Wissen innovative Ansätze für globale Herausforderungen liefert und dabei die Schweizer Wirtschaft ankurbelt. Die meisten Jungfirmen wollen – unter anderem mit digitalen Methoden – die Medizin voranbringen oder den Klimawandel bekämpfen.

Schnelle Bluttests und Knochenplatten aus dem 3D-​Drucker

Stark vertreten sind die neuen Spin-​offs in der medizinischen Diagnostik. Hemetron beispielsweise hat sich den Bluttests verschrieben, die heute bei der Mehrheit der medizinischen Diagnosen eingesetzt werden. Die Firma hat ein handliches Gerät entwickelt, das schnell und zuverlässig zum Beispiel Herzinfarkte voraussagen oder eine Covid-​19-Erkrankung erkennen kann. Unter anderem auf das Pandemievirus zielt auch das Spin-​off Diaxxo ab: Es bietet einen zuverlässigen PCR-​Test, der das Ergebnis bereits innerhalb von zehn Minuten anzeigt. In einem ganz anderen Bereich der Medizin innoviert CustomSurg. Das ETH-​Spin-off setzt auf 3D-​gedruckte, massgeschneiderte Knochenplatten, die Knochenbruchpatienten und Chirurginnen gleichermassen das Leben erleichtern.

Andere Spin-​offs treten dem Klimawandel mit modernen Methoden entgegen. So hat sich etwa das Spin-​off rrreefs dem Bau von künstlichen Korallenriffen verschrieben – das erste «Pilot-​Riff» aus dem 3D-​Drucker bietet seit einigen Monaten vor einer Karibikinsel ein neues Zuhause für Meeresbewohner. Restor Eco nutzt dagegen die Macht der Daten, um Aufforstungsprojekte voranzutreiben und global zu vernetzen. Die Gründer von SmartBreed haben ihrerseits die Zucht von Futterinsekten automatisiert, um die Tierhaltung ökologisch wie ökonomisch zu verbessern. Vanessa Wood, Vizepräsidentin Wissenstransfer und Wirtschaftsbeziehungen der ETH Zürich, zeigt sich erfreut: «Um die grossen Herausforderungen der Gegenwart anzupacken, müssen wir Forschungserkenntnisse so schnell wie möglich praktisch anwenden können. Für diesen Wissenstransfer sind ETH-​Spin-offs ein wichtiges Instrument.»

Ein Viertel der Firmen von Frauen gegründet

Mit sechs Spin-​offs, die von Frauen gegründet wurden, war der Anteil an Gründerinnen im Vergleich zu den Vorjahren auffallend hoch. «Es geht in die richtige Richtung», sagt Vanessa Wood: «Ich freue mich sehr, dass immer mehr Frauen den Schritt ins Unternehmertum wagen. Davon profitiert die gesamte Schweizer Wirtschaft.» Von zwei ETH-​Abgängerinnen wurde zum Beispiel DigitSoil gegründet. Ihre Idee eines Bodenqualitäts-​Schnelltests entstand im Student Project House, einem offenen Ideenlabor für ETH-​Studierende, und wurde dank einem Pioneer Fellowship von der ETH gezielt bei der Umsetzung unterstützt.

Bewährte Spin-​offs bewegen Grosses

Während neue Spin-​offs Akzente setzen, haben auch die schon länger bestehenden im vergangenen Jahr viel bewegt. Die an der ETH entwickelte Technologie SCION wurde zum Kern eines neuen, sicheren Datennetzwerks für den Schweizer Finanzsektor, welches das ETH-​Spin-off Anapaya bereitstellte. Zwei Spin-​offs im Bereich der Klimatechnologie konnten weiter expandieren: Synhelion hat in Deutschland eine Testanlage zur industriellen Herstellung von Solartreibstoffen gebaut und Climeworks in Island die bisher grösste Anlage zur Abscheidung von CO2 aus der Luft. Die erfolgreichste Finanzierungsrunde konnte Bright Peak Therapeutics verzeichnen: Die Firma erhielt im Juni für die Weiterentwicklung ihrer neuartigen Immuntherapie über 96 Millionen Franken. Insgesamt konnten ETH-​Spin-offs über 390 Millionen Franken Kapital einwerben.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Neugründungen
  • Coronavirus-Schnelltests
  • Bluttests
  • Coronavirus
  • Insekten
  • Schnelltests
  • Treibstoffe
  • Immuntherapien
  • CO2-Abscheidung
Mehr über ETH Zürich
  • News

    Attosekunden-Messung an Elektronen in Wasser-Clustern

    Forschende an der ETH Zürich haben eine Methode entwickelt, mit der nur wenige Attosekunden dauernde Elektronenbewegungen in Wasser-​Clustern zeitlich aufgelöst werden können. Die Technik kann sowohl zur genaueren Erforschung von Wasser als auch für schnellere Elektronik benutzt werden. Nah ... mehr

    Lichtverstärkung beschleunigt chemische Reaktionen in Aerosolen

    Aerosole in der Atmosphäre reagieren unter Sonnenlichteinstrahlung. Im Innern der Aerosol-​Tröpfchen und -​Partikel wird das Licht verstärkt, was die Reaktionen beschleunigt, wie ETH-​Forschende nun zeigen und beziffern konnten. Die Wissenschaftler:innen raten, den Effekt in künftigen Klima ... mehr

    Spiegelkabinett als Sensorplattform

    Sensoren sind ein Grundpfeiler des Internets der Dinge, sie liefern die Daten für die Steuerung aller möglichen Objekte. Präzision ist dabei unerlässlich, und hier könnten Quantentechnologien einen wichtigen Beitrag leisten. Forscher in Innsbruck und Zürich zeigen nun, wie Nanoteilchen in w ... mehr

  • Forschungsinstitute

    ETH Zürich Inst.f. Lebensm.wiss.,Ern.,Ges.

    Die Kernkompetenzen des Labors für Lebensmittelmikrobiologie sind die Detektion und Kontrolle von pathogenen Organismen im Lebensmittel, die Analyse komplexer Mikrofloren und molekulare Mechanismen der bakteriellen Pathogenität. mehr

  • q&more Artikel

    Analytik in Picoliter-Volumina

    Zeit, Kosten und personellen Aufwand senken – viele grundlegende sowie angewandte analytische und diagnostische Herausforderungen können mit Lab-on-a-Chip-Systemen realisiert werden. Sie erlauben die Verringerung von Probenmengen, die Automatisierung und Parallelisierung von Arbeitsschritte ... mehr

    Investition für die Zukunft

    Dies ist das ganz besondere Anliegen und gleichzeitig der Anspruch von Frau Dr. Irmgard Werner, die als Dozentin an der ETH Zürich jährlich rund 65 Pharmaziestudenten im 5. Semester im Praktikum „pharmazeutische Analytik“ betreut. Mit Freude und Begeisterung für ihr Fach stellt sie sich imm ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Petra S. Dittrich

    Jg. 1974, ist Außerordentliche Professorin am Department Biosysteme der ETH Zürich. Sie studierte Chemie an der Universität Bielefeld und Universidad de Salamanca (Spanien). Nach der Promotion am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen war sie Postdoktorandin am ISAS In ... mehr

    Dr. Felix Kurth

    Jg. 1982, studierte Bioingenieurwesen an der Technischen Universität Dortmund und an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Für seine Promotion, die er 2015 von der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Zürich erlangte, entwickelte er Lab-on-a-Chip Systeme und Methoden zur Qua ... mehr

    Lucas Armbrecht

    Jg. 1989, studierte Mikrosystemtechnik an der Albert-Ludwigs Universität in Freiburg im Breisgau. Während seines Masterstudiums konzentrierte er sich auf die Bereiche Sensorik und Lab-on-a-Chip. Seit dem Juni 2015 forscht er in der Arbeitsgruppe für Bioanalytik im Bereich Einzelzellanalytik ... mehr

Mehr über Synhelion
  • News

    Klimapioniere kooperieren bei der Herstellung von Solartreibstoffen

    Die Klimatechnologie-Unternehmen Synhelion und INERATEC arbeiten gemeinsam an der Dekarbonisierung des Verkehrssektors, damit dieser seine ehrgeizigen Klimaziele erreichen kann. Durch die Kooperation können die Klimapioniere ihre komplementären Technologien skalieren und den Weg für solare ... mehr

    Ein nächster Schritt zu klimafreundlichen Treibstoffen

    Synhelion und die Empa führen ein gemeinsames Forschungsprojekt für die Weiterentwicklung eines Hochtemperatur-Energiespeichers durch, der ein zentraler Bestandteil bei der Herstellung von klimafreundlichen solaren Treibstoffen ist. Das Projekt wird zum weltweit ersten Mal das günstige und ... mehr

    Klimapositive Geschäftsideen in die Realität umsetzen

    An der ETH Zürich wagen sich zusehends mehr Forschende mit ihren Erkenntnissen aus dem Labor in die Praxis. Mit ihren Firmen wollen die Gründer direkt dazu beizutragen, den Anstieg des Kohlendioxid-​Gehalts in der Atmosphäre zu drosseln. Die «eindeutige Erwärmung des Klimasystems» ist im fü ... mehr

  • Firmen

    Synhelion SA

    Synhelion hat sich zum Ziel gesetzt, fossile Brennstoffe durch wirtschaftlich tragfähige, CO2-neutrale Drop-in-Kraftstoffe zu ersetzen, die zu 100% mit der derzeitigen globalen Kraftstoffinfrastruktur kompatibel sind. Die Lösungen von Synhelion kombinieren modernste Solarturmsysteme mit ei ... mehr

Mehr über Climeworks
  • News

    Erneuerbare Kraftstoffe aus CO2, Wasser und 100% Ökostrom

    Norsk e-Fuel AS, ein europäisches Industriekonsortium mit Sitz in Oslo, hat angekündigt, Power-to-Liquid-Technologie (PtL) für den europäischen Markt zu industrialisieren. Das weltweit erste kommerzielle Projekt dieser Art wird die Umwandlung von Norwegens umfangreichen erneuerbaren Stromre ... mehr

    Climeworks erhält 73 Mio. CHF Eigenkapital

    Climeworks hat eine weitere Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und 73 Mio. CHF (75 Mio. USD) Eigenkapital von privaten Investoren erhalten. Dies stellt die bisher grösste private Investition in Direct Air Capture dar. Damit kommt Climeworks seinem Ziel, klimarelevante Mengen CO2 a ... mehr

    Beste CO2-Nutzung 2020

    Auf der ersten Online-Konferenz des nova-Instituts über „PtX“ und „Carbon Capture and Utilisation“ (CCU) präsentierten 50 Sprecher die Zukunft von Flugkraftstoffen und Kohlendioxid als alternativen Rohstoff! Aufgrund der aktuellen Krise hat sich das nova-Institut entschlossen, den Umständen ... mehr

  • Firmen

    Climeworks AG

    Climeworks erfasst CO2 aus der Umgebungsluft mit Hilfe der ersten kommerziellen CO2-Filterungstechnologie. Unsere Direct Air Capture (DAC) Anlagen entfernen das CO2 direkt aus der Atmosphäre, sodass unsere Kunden ihre Emissionen kompensieren und ihre Klimaziele erreichen können. mehr