13.12.2022 - High-Tech Gründerfonds Management GmbH

Variolytics erhält siebenstellige Seed-Finanzierung für klimaneutrale Kläranlagen

Patentierte Messtechnik und KI-basierte Prozesssteuerung zur Vermeidung von Treibhausgasen in der Abwasseraufbereitung an Kläranlagen

Die knapp 10.000 kommunalen Kläranlagen in Deutschland verbrauchen jährlich etwa 4.400 Gigawattstunden (GWh) Strom und gehören damit zu den elektrischen Großverbrauchern. Das entspricht etwa dem Strombedarf von 900.000 Vier-Personen-Haushalten. Hinzu kommen die Treibhausgase Lachgas und Methan, die im Prozess der Abwasserbehandlung entstehen und maßgeblich zu den Emissionen einer Kläranlage beitragen. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass Kläranlagen weltweit etwa so viele Treibhausgase emittieren wie die globale Luftfahrtindustrie. Es gibt jedoch gute Nachrichten für diesen Sektor. Das Stuttgarter Technologie-Unternehmen Variolytics kann mit ihrem neuen „Emission Control“-System bis zu 50% der gesamten Emissionen von Kläranlagen einsparen. Mehr noch: Durch eine KI-basierte Steuerung wird der Abwasserprozess dynamisch gesteuert und reduziert nicht nur Treibhausgase, sondern auch den Energie- und Chemikalienverbrauch.

"Kläranlagen verursachen 2% vom globalen CO2 Ausstoß. Und das kann Variolytics durch Prozessoptimierung halbieren! Deswegen war es für mich als Chemieingenieurin ein no-brainer in die Variolytics zu investieren", Dr. Katharina Peters, Investment Managerin beim High-Tech Gründerfonds.

Für die biologische Abwasserreinigung im Belebtschlammverfahren werden Becken mit Sauerstoff begast. Erhalten die Bakterien im Becken zu wenig Sauerstoff, können sie die gelösten organischen Verunreinigungen nicht optimal abbauen. Ein Zuviel an Begasung führt jedoch nicht zu einem besseren Abbau, sondern nur zu höheren Energiekosten für die Kläranlagenbetreiber. Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl bei einem „Zuwenig“ als auch bei „Zuviel“ Begasung Lachgas entsteht. Lachgas ist besonders Treibhausaktiv, nämlich 273-mal mehr im Vergleich zu CO2. Eine wesentliche Aufgabe besteht also darin die „Goldene Mitte“ für die Begasung zu finden und die Bildung des, auch als Distickstoffmonoxid bezeichneten, Gases zu vermeiden. Die patentierte Messtechnik von Variolytics überwacht in der Kläranlage die Entstehung der klimaschädlichen Gase in den Belebungsbecken und hilft, diese zu reduzieren. Dazu wird auf Basis der Messwerte die Begasung, aber auch andere „Stellschrauben“, der Belebungsbecken über eine intelligente Steuerung umgehend für einen optimalen mikrobiellen Abbau der Organik angepasst.

"Seit unserem Pre-Seed Investment hat das Team von Variolytics nicht nur hervorragende technische Fortschritte erzielt, sondern auch erste Aufträge zur Optimierung der Wasseraufbereitung bei Kläranlagen erhalten und bereits umgesetzt. Vielversprechend ist auch der Einsatz der Sensor-Systemlösung zur Produktionssteigerung bei Einmal-Bio-Reaktoren in der Pharma-Branche kombiniert mit eigenen AI-Algorithmen", Tobias Schwind, Managing Partner beim FTTF.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. In Deutschland trat das Bundes-Klimaschutzgesetz vom 12. Dezember 2019 in Kraft (BGBl.IS.2513), das bis 2030 eine Verringerung der Treibhausgasemissionen, um insgesamt 55% im Vergleich zu 1990 vorsieht. Die Abwasserbehandlung ist dem Sektor Abfallwirtschaft und Sonstiges zugeordnet und muss seine Emissionen bis 2030 auf 5 Millionen t CO2-Äquivalente senken. Variolytics bietet mit seiner Technologie einen effektiven Weg zur Erreichung dieser Ziele.

"Das Potenzial unserer Systemlösung für Kläranlagen (EmiCo – Emission Control) wird derzeit im Rahmen von Pilotprojekten in England und in Stuttgart demonstriert. Für 2023 planen wir eine Produktion, um Kunden in ganz Europa unsere Technologie anbieten zu können. Das frische Kapital aus der Seed-Finanzierung ist hierfür essenziell wichtig und wird uns helfen, unsere Wachstumsziele zu erreichen", Johann Barlach, CFO von Variolytics.

Das Seed-Investment durch den HTGF, FTTF und Business Angels bedeutet für Variolytics einen großen Schritt in Richtung Skalierung. Im nächsten Jahr plant Variolytics einen Ausbau seiner Produktion und starkes Wachstum im europäischen Markt. Von aktuell 9 Mitarbeitenden möchte das Team in den kommenden Monaten auf 12 wachsen. Einen besonderen Fokus will das Start-Up dabei auf Produktion, Service/Wartung und den Vertrieb legen.

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