26.03.2012 - Max-Planck-Innovation GmbH

Leuchtende Farben für kleinste Details

Max-Planck-Innovation und Abberior unterzeichnen Lizenzvertrag zur Entwicklung von Fluoreszenzfarbstoffen für die hochauflösende Mikroskopie

Für gestochen scharfe Bilder aus dem Nanokosmos sind nicht nur High-Tech-Mikroskope erforderlich. Erst mit speziellen Fluoreszenzfarbstoffen können Wissenschaftler die winzigen Details überhaupt sichtbar machen. Über die Entwicklung solcher Farbstoffe hat nun die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, Max-Planck-Innovation, mit der Firma Abberior GmbH einen Lizenzvertrag geschlossen.

Mithilfe neuer, ausgeklügelter Mikroskopie-Techniken dringen Wissenschaftler in immer kleinere Welten vor. Damit Wissenschaftler Vorgänge in Zellen sichtbar machen können, müssen sie die daran beteiligten Strukturen und Moleküle mit Farbstoffen markieren. Solche Fluoreszenzfarbstoffe werden durch Licht zum Leuchten angeregt und geben Licht einer charakteristischen Wellenlänge ab. Der Lizenzvertrag zwischen Abberior und Max-Planck-Innovation soll die Neuentwicklung solcher Fluoreszenzfarbstoffe vorantreiben. „Der Vertrag mit Max-Planck-Innovation deckt einen Großteil unserer Farbstoff-Neuentwicklungen mit den Schutzrechten der Max-Planck-Gesellschaft ab und sichert uns die Exklusivität dieser Farbstoffe zu“, erklärt Gerald Donnert, Geschäftsführer der Abberior GmbH.

Abberior ist eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen und der führende Hersteller von kommerziell erhältlichen Fluoreszenzfarbstoffen für neue Mikroskopie-Techniken. Bei der Entwicklung neuer Fluoreszenzfarben setzt das Unternehmen auf das Know-How der vier Firmengründer Stefan W. Hell, Vladimir Belov, Lars Kastrup und Gerald Donnert. Als Pioniere auf dem Gebiet der hochauflösenden Mikroskopie haben sie bereits zahlreiche Erfindungen zum Patent angemeldet. So hat Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, die sogenannte STED-Mikroskopie entwickelt (Stimulated Emission Depletion). Damit konnten er und sein Team das Auflösungsvermögen in der Lichtmikroskopie bis auf 15 Nanometer steigern – bis vor wenigen Jahren galten noch 200 Nanometer als das theoretische Auflösungslimit. Durch die enge Verbindung zur Grundlagenforschung können Neuentwicklungen schnell in der Praxis getestet werden.

Mittlerweile gibt es neben der STED-Methode auch andere Mikroskopie-Konzepte, mit denen Forscher sehr hohe Auflösungen erreichen. Die verwendeten Farbstoffe müssen dabei die speziellen Anforderungen der einzelnen Techniken genau erfüllen. Bei allen hochauflösenden Methoden verwirklichen die Markermoleküle einen Schalter zwischen ‚an‘ und ‚aus‘, der für die jeweilige Methode charakteristisch ist. Dabei müssen zwei oder mehr Farbstoffe aufeinander abgestimmt sein, so dass mehrfarbige, hochauflösende Aufnahmen möglich werden, mit denen verschiedene Strukturen markiert und sichtbar werden.

In den nächsten Jahren dürfte die Nachfrage nach solch speziellen Fluoreszenzfarbstoffen weiter steigen: „Langfristig kann die hochauflösende Mikroskopie die herkömmliche Fluoreszenzmikroskopie in vielen Bereichen ersetzen“, so Donnert. Die neuen Mikroskopie-Techniken haben in den letzten Jahren Lebenswissenschaften revolutioniert. In Zukunft könnten die hochauflösenden Techniken  auch in der medizinischen Diagnostik Einzug halten. Da sie den Forschern ganz neue Einblicke in zelluläre Vorgänge gewähren, werden sie dazu beitragen, Krankheiten wesentlich besser zu erkennen und zu behandeln.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Max-Planck-Gesellschaft
  • Abberior
  • STED-Mikroskopie
Mehr über Max-Planck-Innovation
Mehr über Abberior
Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Quantenlogik-Spektroskopie erschließt Potenzial hochgeladener Ionen

    Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und des Max-Planck-Instituts für Kernphysik (MPIK) haben erstmals optische Messungen mit bislang unerreichter Präzision an hochgeladenen Ionen durchgeführt. Dazu isolierten sie ein einzelnes Ar¹³⁺-Ion aus einem extrem heißen P ... mehr

    Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

    Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen. Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Instit ... mehr

    Miniatur-Doppelverglasung

    Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünn ... mehr

  • Videos

    Katalysatoren - Multitalent Katalysator

    Kaum ein Prozess in der chemischen Industrie läuft ohne Katalysatoren. Sie beschleunigen chemische Reaktionen und helfen so, Energie zu sparen und unerwünschte Nebenprodukte zu vermeiden. Viele Reaktionen werden durch Katalysatoren aber auch praktisch erst möglich. mehr

    STED - Lichtblicke in die Nanowelt

    Details die enger als 200 Nanometer beieinander liegen, können mit optischen Mikroskopen nicht mehr unterschieden werden – das entspricht in etwa dem Zweihunderdstel einer Haaresbreite. Grund dafür ist die Wellennatur des Lichts, dessen halbe Wellenlänge in etwa diesen 200 Nanometern entspr ... mehr

    Tuning für Brennstoffzelle

    Die Brennstoffzelle kann klimaschonenden Strom erzeugen, vor allem wenn sie mit Wasserstoff aus regenerativen Quellen wie etwa aus Biomasse betrieben wird. Damit sie aber auch mit Brennstoff aus Holzabfällen oder Stroh optimal arbeitet, benötigt sie eine ausgeklügelte Steuerung. mehr

  • White Paper

    Die Keimzelle der Biobatterie

    Um überschüssigen Strom von Windkraft- und Solaranlagen aufzuheben sind leistungsfähige Batterien und Kondensatoren aus nachhaltigen Materialien gefragt. mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Max-Planck-Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit. Die Max-Planck-Gesellschaft greift insbesondere neue, besonders innovative Forschungsrichtungen auf, die an den Universitäten in Deutschland noch keinen od ... mehr