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Spontanes Auftreten magnetischer Wirbel entdeckt

Skyrmionen in atomar dünnen Kobaltfilmen beobachtet

27.08.2019

© S. Meyer, Kiel University

Abb. 1: Illustration eines magnetischen Skyrmions mit einem Durchmesser von nur wenigen Nanometern in einem atomar dünnen Kobaltfilm. Die kleinen farbigen Kegel stehen für die „atomaren Stabmagneten“ eines jeden Kobaltatoms. Der ferromagnetische Hintergrund ist an den parallel nach oben ausgerichteten blauen Kegeln zu erkennen. Innerhalb des Skyrmions drehen sich die „atomaren Stabmagnete“ der Kobaltatome (grüne, gelbe und orangene Kegel) schrittweise bis sie im Zentrum entgegen dem ferromagnetischen Hintergrund ausgerichtet sind (rote Kegel).

© A. Kubetzka, Universität Hamburg

Abb. 2: Rastertunnelmikroskopie-Messung der Probenoberfläche: Ein magnetisches Skyrmion ist hier als goldener Ring zu erkennen. Die ferromagnetische Ausrichtung im Kobaltfilm außerhalb des Skyrmions ist blau eingefärbt, das Zentrum des Skyrmions ist hier ebenfalls blau. Diese dreidimensionale Ansicht zeigt in weiß eine atomare Stufenkante (links unten) und eine atomar hohe Insel (rechts oben). Der Balken unten links im Bild hat eine Länge von 5 Nanometern (nm).

Seit ihrer experimentellen Entdeckung vor zehn Jahren sind magnetische Skyrmionen – stabile Wirbel in magnetischen Materialien – in den Fokus der Forschung geraten. Aufgrund ihrer hohen Stabilität, der Möglichkeit sie wenige Dutzend Atome klein zu machen und ihrer Manipulierbarkeit mit elektrischen Strömen sind diese magnetischen Wirbel sehr vielversprechend für zukünftige Datenspeicher oder Logik-Bauelemente. Allerdings konnten einzelne Skyrmionen, wie sie für Anwendungen benötigt werden, bisher nur mit Hilfe magnetischer Felder erzeugt werden, was für eine mögliche Nutzung ein Hindernis darstellt. Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Hamburg zeigen nun, dass sich einzelne magnetische Skyrmionen mit einem Durchmesser von nur wenigen Nanometern (millionenstel Millimeter) in ferromagnetischen Metallfilmen auch ohne ein Magnetfeld stabilisieren lassen.

Magnetische Skyrmionen sind bereits vor 30 Jahren von theoretischen Physikern vorhergesagt worden, konnten aber erst 2009 experimentell nachgewiesen werden. Da es viele potentielle Anwendungen für solche magnetischen Wirbel gibt, hat sich die Forschung auf diesem Gebiet seitdem rasant entwickelt. Skyrmionen mit einem Durchmesser von Mikrometern (10-6 m) bis zu wenigen Nanometern (10-9 m) wurden in unterschiedlichen magnetischen Materialsystemen entdeckt. Um für technologische Anwendungen konkurrenzfähig zu sein, müssen Skyrmionen allerdings nicht nur sehr klein, sondern auch ohne ein angelegtes Magnetfeld stabil sein.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung haben nun Kieler und Hamburger Forscher gemacht. Ausgehend von quantenmechanischen numerischen Rechnungen, die auf den Supercomputern des Norddeutschen Verbundes für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) durchgeführt worden sind, konnten die Kieler Physiker um Professor Stefan Heinze vom Institut für Theoretische Physik und Astrophysik der CAU vorhersagen, dass in einem atomar dünnen, ferromagnetischen Kobaltfilm einzelne Skyrmionen mit einem Durchmesser von nur wenigen Nanometern auftauchen sollten (s. Abb. 1). „Die Stabilität der magnetischen Wirbel in diesen Filmen beruht auf einer ungewöhnlichen Konkurrenz magnetischer Wechselwirkungen“, so Sebastian Meyer, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Professor Stefan Heinze.

Diese Vorhersage wurde von Hamburger Forschern um Dr. Kirsten von Bergmann mittels hochauflösender Rastertunnelmikroskopie eindrucksvoll bestätigt. Die Tieftemperatur-Messungen von Marco Perini, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Professor Roland Wiesendanger, zeigen in den präparierten Kobaltfilmen magnetische Skyrmionen, ohne dass ein externes Magnetfeld angelegt werden musste (s. Abb. 2). „Bislang wurden einzelne Skyrmionen immer durch Magnetfelder erzeugt. In unseren Metallfilmen treten die Skyrmionen dagegen spontan auf“, erläutert Kirsten von Bergmann.

Für zukünftige Anwendungen in der Spinelektronik müssen die Skyrmionen aber nicht nur bei extrem tiefen Temperaturen stabil sein, wie in den untersuchten Metallfilmen, sondern auch bei Umgebungstemperatur. Um diesen nächsten Schritt in Richtung Anwendung zu realisieren, kann die hier gefundene Konkurrenz der magnetischen Wechselwirkung einen großen Beitrag leisten.

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  • Autoren

    Prof. Dr. Markus Fischer

    Jg. 1965, studierte Lebensmittelchemie an der Technischen Universität München und promovierte 1997 im Bereich Molekularbiologie/Proteinchemie. 2003 habilitierte er sich für die Fächer Lebensmittelchemie und Biochemie. Seit 2006 ist er Direktor des Instituts für Lebensmittelchemie der Univer ... mehr

    Luise Herrmann

    Jg. 1983, studierte bis 2010 Lebensmittelchemie an der Universität ­Hamburg. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit der Differenzierung von Weizen und Dinkel über deren Proteinmuster. Nach dem Studium absolvierte sie ihr praktisches Jahr teils in Nantes, Frankreich und in Hamburg. ... mehr

    Dr. Anke Heisig

    Anke Heisig, geb. 1961, studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie an der FU Berlin und promovierte am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin-Dahlem. Seit 1998 leitet sie einen DNA-Sequenzierservice zunächst an der Universität Bonn. Nach ihrer Tätigkeit bei der F ... mehr

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