03.11.2021 - Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Startups in Deutschland – Aufbruchstimmung und mehr Arbeitsplätze

Personalsuche wird zunehmend zur Herausforderung

Das Geschäftsklima in der deutschen Startup-Szene hat sich deutlich aufgehellt und liegt wieder auf dem Niveau von 2019. Gründer finden hierzulande immer bessere Bedingungen vor: Zwei Drittel bewerten das Startup-Ökosystem an ihrem Standort als gut oder sehr gut – das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Die durchschnittliche Beschäftigungszahl steigt von 14 auf 18 und auch bei den geplanten Neueinstellungen zeigt der Trend nach oben. Doch die Talentsuche entwickelt sich neben der Kapitalbeschaffung zu einer der großen Hürden für die Jung-Unternehmer. Eine weitere große Herausforderung ist außerdem der unzureichende Zugang zu Daten und deren Konzentration bei wenigen internationalen Konzernen. Zu diesen Ergebnissen kommt der 9. Deutsche Startup Monitor (DSM), den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt und an dem sich erstmals über 2.000 deutsche Startups beteiligt haben.

Dynamik und Diversität stärken

Startups sind eine treibende Kraft, wenn es um Innovationen und Technologien geht und schaffen so auch immer mehr neue Arbeitsplätze: In den kommenden Monaten wollen die befragten Unternehmen im Schnitt neun Mitarbeitende rekrutieren. Ob sich die geplanten Neueinstellungen realisieren lassen, hängt allerdings ganz wesentlich von der Lage auf dem Bewerbermarkt ab. Fest steht: Die Personalsuche wird schwieriger. 27 Prozent der Startup-Gründer bezeichnen sie bereits als größte Hürde – das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Ein weiterer zentraler Aspekt im Kontext Wachstum und Personal betrifft die Diversität – mehr Frauen als Gründerinnen heißt in Sachen Talente und Innovationskraft aus dem Vollen zu schöpfen. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg des Frauenanteils um 11 Prozent als positives Signal und erster Schritt in die richtige Richtung hervorzuheben – auch wenn das Niveau mit einem Frauenanteil von knapp 18 Prozent insgesamt noch sehr niedrig ist. Zugenommen hat im Vergleich zum Vorjahr (20 Prozent) außerdem der Anteil an Gründer mit Migrationshintergrund, der jetzt bei 22 Prozent liegt.  „Die Pandemie hat Deutschlands Defizite bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt. Startups bieten hier Lösungen an und sind Innovationsmotor für die gesamte Wirtschaft. Die Studie zeigt, dass unser Startup-Ökosystem in Sachen Wachstum und Diversität auf einem guten Weg ist – aber: mit Blick auf den internationalen Wettbewerb muss es in beiden Bereichen noch deutlich schneller gehen,“ kommentiert Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Startups, diese Entwicklung.

Wagniskapital und strategische Investoren gesucht

Neben der Personalsuche stehen die Gründer vor weiteren Hürden, vor allem im Bereich Vertrieb und Kundengewinnung, bei der Produktentwicklung und der Kapitalbeschaffung. Letztere hat sich jedoch positiv entwickelt: In der aktuellen Befragung nennen nur noch 36 Prozent die Geldbeschaffung als Stolperstein, im Vorjahr waren es 43 Prozent. Auch den Zugang zu Kapital und Investitionen bewerten die Befragten deutlich positiver als 2020: 38 Prozent der Befragten sind damit zufrieden, im Vorjahr waren es nur 30 Prozent. Der Grund: Die pandemiebedingten Unsicherheiten bei der Finanzierung haben sich beruhigt und die Startups in den vergangenen Monaten wieder deutlich mehr externes Kapital aufgenommen.

Eine große Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Finanzierung besteht jedoch nach wie vor beim Wagniskapital: Erst 20 Prozent der Startups finanzieren sich auf diesem Weg, aber 42 Prozent würden dies gerne. Bei der Finanzierung durch strategische Investoren geht die Schere noch weiter auseinander: Auf sie würden 43 Prozent der Befragten gerne zugreifen, faktisch gelingt dies aber nur 15 Prozent.

Corporate Venture Capital bringt Kapital und Know-how

„Bei Investor:innen und etablierten Unternehmen setzt sich die Erkenntnis leider nur sehr langsam durch, dass sie von strategischen Investitionen in und Kooperationen mit innovativen Startups stark profitieren können. Gerade etablierte Firmen sind auf neue Technologien und innovative Geschäftsideen angewiesen – und genau das können Startups häufig viel schneller und unkomplizierter entwickeln“, kommentiert Florian Nöll, Head of Corporate Development & Innovation bei PwC Deutschland. Startups stehen der Zusammenarbeit mit Corporates jedenfalls offen gegenüber: Fast die Hälfte der Gründer, die eine Finanzierung über Wagniskapital anstreben, wünscht sich, dass dieses von einem Unternehmen kommt. Von diesem sogenannten Corporate Venture Capital (CVC) erhoffen sie sich nicht nur Kapital, sondern verfolgen auch strategische Ziele wie den Zugang zu Vertriebskanälen und Branchenexpertise.

Mehr Open Data Initiativen gewünscht

Eine Forderung an die Wirtschaft und Politik gleichermaßen hat die Szene, wenn es um die Datenbeschaffung geht: Nur 38 Prozent der befragten Unternehmen geben an, ausreichend Zugang zu relevanten Daten zu haben. 53 Prozent wünschen sich hier mehr Offenheit von Seiten der etablierten Wirtschaft und 74 Prozent fordern mehr Open Data Initiativen des Staates. Mit 67 Prozent sieht außerdem eine deutliche Mehrheit der Gründer einen Wettbewerbsnachteil durch die Konzentration von Daten in der Hand weniger internationaler Konzerne.

Hochschulen stärken das Startup-Ökosystem

Nicht zuletzt sind es zu Beginn einer Gründung aber vor allem die Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die das junge Business-Ökosystem stärken. Die Nähe zu Universitäten schätzen die Entrepreneur:innen bei den Standortfaktoren ganz besonders: 76 Prozent bewerten diesen Aspekt als gut. Dass die Startup-Szene eng mit der akademischen Forschung verbandelt ist, belegen drei weitere Ergebnisse der Studie: 55 Prozent der Startups kooperieren mit wissenschaftlichen Einrichtungen; jede vierte Gründung stammt aus dem Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und 36 Prozent der Gründer haben ihre Mitgründer an der Hochschule kennengelernt. „Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind wichtige Orte, an denen innovative Unternehmen entstehen. Dafür müssten sie aber die Ausbildung und die Unterstützung von studentischen Gründer:innen viel stärker in ihre DNA übernehmen und dies neben der reinen Forschung ebenso zu einer primären Aufgabe machen“, ist Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen überzeugt. „Dazu gehört es auch, dass sie das Fach Entrepreneurship früher und spezifischer in ihre Studienangebote aufnehmen und das Schreiben eines Businessplans als Abschlussarbeit zulassen, um einen nahtlosen Übergang für eine Ausgründung zu ermöglichen.“

Sechs weitere spannende Fakten über deutsche Startups:

  • Paar-Gründungen: Immerhin 8 Prozent gründen mit ihrem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin.
  • Aus aller Welt: Startups in Deutschland beschäftigen im Schnitt 28 Prozent internationale Mitarbeitende, in Berlin sind es sogar 45 Prozent.
  • Gemeinsam stärker: 69 Prozent bewerten ihre Netzwerke zu anderen Gründern als gut oder sehr gut – mehr als im Vorjahr.
  • Trotz Remote-Trend: Nach wie vor bewertet über ein Drittel der Gründer die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien als schlecht oder sehr schlecht.
  • Geld ist nicht genug: Bei der Auswahl von Investoren sind Netzwerke (76 Prozent) und Expertise (70 Prozent) wichtiger als Finanzstärke (42 Prozent)
  • Widersprüche überwinden: 61 Prozent der Gründer wollen beides – sich nachhaltig ausrichten und schnell wachsen.
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