Sustainable Chemistry Changemakers: Without skaliert Recyclinglösung für schwer recycelbare Kunststoffverpackungen
Vom ISC3 Start-up des Monats zum internationalen Vorreiter für kreislauffähige Materialien aus Kunststoff- und Textilabfällen
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Für seinen Beitrag zur Nachhaltigen Chemie wurde Without – damals noch unter dem Namen Without by Ashaya – im Mai 2023 als Start-up of the Month des International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) ausgezeichnet. Seitdem hat das indische Unternehmen sich und sein Angebot deutlich weiterentwickelt: Without hat zahlreiche Patente angemeldet und sein Verfahren für den kommerziellen Einsatz skaliert. Das indische Start-up hat ein innovatives chemisch-mechanisches Verfahren entwickelt, um hochwertige Werkstoffe und Produkte aus mehrschichtigen Kunststoffabfällen und Textilresten zu gewinnen. Ein Beispiel: Chipstüten, die lange Zeit als nicht effizient recycelbar galten und auf dem Müll landeten werden wieder neue Ressourcen. Without verbindet technologische Innovation für mehr Kreislaufwirtschaft mit sozialer Wirkung. Das Unternehmen arbeitet mit Menschen aus dem informellen Abfallsektor zusammen, schafft formelle Beschäftigungsmöglichkeiten und trägt dazu bei, Einkommen, Arbeitsbedingungen und soziale Teilhabe in Indien zu verbessern.
Without Team 2025
Without
Die treibenden Kräfte hinter Without
Gründer Anish Malpani verfolgt mit Without bei allen Produkten und Prozessen einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz. Ziel des Unternehmens ist es, Abfälle ethisch und technologisch hochwertig aufzuwerten und daraus skalierbare, umweltfreundliche Materialien zu entwickeln. Gleichzeitig setzt sich das Start-up für Formalisierung und Stärkung des informellen Abfallsektors in seinem Heimatland ein. Das Einkommen der ehemaligen Müllsammler*innen, mit denen Without zusammenarbeitet, hat sich dank der Kooperation vervielfacht. Drei Jahre nach ihrer Auszeichnung zum Start-up des Monats haben wir mit Anish Malpani über den Erfolgsweg, die Rolle der Nachhaltigen Chemie und die nächsten Schritte von Without gesprochen.
Anish Malpani, was bedeutet Nachhaltige Chemie für Sie?
„Nachhaltige Chemie ist für mich Teil eines größeren Ziels: Wirtschaft so weiterzuentwickeln, dass sie den Menschen und dem Planeten dient. Without hat seinen Ursprung in der Chemie, aber unser Anspruch geht darüber hinaus. Wir möchten zeigen, dass ein ethisches, auf Würde ausgerichtetes Geschäftsmodell erfolgreich und skalierbar sein kann. Eine netto-negativer CO2-Fußabdruck durch den Einsatz erneuerbarer Elektrizität ist ein Aspekt. Ein anderer die physische Rückverfolgbarkeit. Unser Verfahren arbeitet auf Wasserbasis, ohne organische Lösungsmittel und bei deutlich niedrigeren Temperaturen (120 Grad Celsius), als klassische thermochemische Verfahren wie Pyrolyse bei Temperaturen um 500 Grad. Dadurch entstehen hochwertige Materialströme, ohne dass Abfall zurückbleibt.
Die ISC3 Key Characteristics der Nachhaltige Chemie passen dabei exakt zu unserer Arbeitsweise, insbesondere was das Denken in Lebenszyklen, Energieeffizienz und Inklusivität betrifft. Gerade in der sozialen Dimension hinkt die Chemieindustrie allgemein noch hinterher.“
Wo stehen Sie heute im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als Sie zum Start-up des Monats gewählt wurden?
„Damals waren wir ein kleines Laborteam, ein Pilotprojekt mit Sonnenbrillen. Unsere Arbeit fand größtenteils theoretisch statt. Heute umfasst unser Team 50 Mitarbeitende. Unsere FOAK-Demonstrationsanlage „The Cradle“ in Pune ging im Oktober 2025 in Betrieb und produziert nun im kommerziellen Stil. Wir haben hochwertige, vielseitige Materialien entwickelt, die Marken weltweit zur Verfügung steht, damit diese bessere und ethischere Produkte herstellen können.“
Wie haben Sie von der Zusammenarbeit mit dem ISC3 und der Förderung durch den ISC3 Global Start- up Service profitiert?
„Die Unterstützung und vor allem die Auszeichnung als Start-up oft the Month haben uns Glaubwürdigkeit in einer Phase verschafft, in der wir noch deutlich kleiner waren und weniger ernst genommen wurden. Investoren, Partner und die Öffentlichkeit begannen, in uns mehr als nur ein weiteres Recycling-Start-up zu sehen. Die Sichtbarkeit in Europa eröffnete uns neue Gespräche zu einem Zeitpunkt, als unser Netzwerk noch überwiegend aus indischen Kontakten bestand. Der Fokus auf Nachhaltige Chemie hat die Positionierung unseres Unternehmens geprägt.“
Was waren bisher wichtige Meilensteine auf dem bisherigen Weg?
„Da gibt es einige. Mit unserer Trash3D-Serie haben wir die weltweit erste 3D-gedruckte Vase aus Chipstüten auf den Markt gebracht. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist unser VerdiFLO, ein hochwertiges Garn aus recyceltem Polyester. Aus verunreinigten gemischten Textilabfällen gewinnen wir gereinigte Terephthalsäure (Purified Terephthalic Acid, PTA), einen zentralen Grundbaustein von PET und Polyesterfasern. Anschließend polymerisieren wir sie erneut zu neuem Polyester und verspinnen dieses zu einem Garn, das hinsichtlich seiner Reinheit mit Neuware vergleichbar ist.
Außerdem haben wir die weltweit erste zu 100 Prozent recycelte Flasche entwickelt, die vollständig aus Chipstüten und Shampoo-Sachets hergestellt wird. Dafür wurden wir sowohl mit dem Unilever TRANSFORM Grant als auch mit dem L’Oréal Big Bang SAPMENA 2025 Award ausgezeichnet. Bis heute haben wir acht Patente angemeldet, von denen drei bereits erteilt wurden. Inzwischen sind wir zudem ein zertifiziertes B- Corp-Unternehmen, und ich wurde als Yale Climate Fellow 2026 ausgewählt.
Doch über unseren Beitrag zur Neugestaltung der Wirtschaft hinaus ist für uns vor allem eines entscheidend: Wir haben bereits vielen ehemaligen Abfallsammlerinnen und Abfallsammlern den Übergang in reguläre Beschäftigungsverhältnisse ermöglicht und unterstützen damit ganze Familien auf ihrem Weg aus der Armut.“
Was bedeutet diese Entwicklung für Ihr Unternehmen?
„Wir stellen unsere Produkte zu 100 Prozent aus Abfällen her, von denen ansonsten weltweit weniger als ein Prozent recycelt wird. Erste Tests deuten darauf hin, dass dieses Material mit herkömmlichen Verfahren mindestens zehnmal recycelt werden kann, ohne Qualität einzubüßen oder die Eigenschaft, dass es aufgrund seiner Reinheit und der enthaltenen Kompatibilisatoren in Polyethylen- oder Polypropylenströmen recycelt werden kann. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Wir arbeiten derzeit daran, diese Werte zu validieren und zu reproduzieren. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Gleichzeitig ermöglichen wir ehemaligen Abfallsammlerinnen und Abfallsammlern durch menschenwürdige Beschäftigung einen dauerhaften Weg aus multidimensionaler Armut und steigern ihr Einkommen auf das Zwei- bis Dreifache.“
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