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Hessische Chemie erwartet leichten Dämpfer beim Wachstum

21.09.2010

Die chemische Industrie in Hessen hat das Tal der Tränen durchschritten. Die Chemieanlagen laufen wieder auf vollen Touren. Die Branche konnte ihren Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2010 um 8,8 Prozent auf 11,0 Milliarden Euro steigern. Damit hat sie das Vorkrisen-Niveau fast wieder erreicht, teilte der Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie (VCI Hessen) in Frankfurt mit.

Besonders dynamisch hat sich das Auslandsgeschäft entwickelt. Es legte um 10,4 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu, während das Inlandsgeschäft lediglich um 5,8 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro stieg.

Die Wachstumsdynamik werde sich allerdings im zweiten Halbjahr leicht abschwächen, erwartet Dr. Helmut Prestel. Das Vorstandsmitglied des VCI Hessen rechnet wegen der sich abzeichnenden konjunkturellen Eintrübung insbesondere in den USA und China sowie auslaufenden Konjunkturprogrammen für das Gesamtjahr 2010 in Hessen mit einem Umsatzplus von 8,0 Prozent.

Angesichts der unerwartet günstigen Entwicklung hat sich auch die Beschäftigungssituation entspannt. Zwar sank die Zahl der Mitarbeiter der hessischen Chemie- und Pharma-Unternehmen gegenüber dem ersten Halbjahr 2009 um zwei Prozent auf 55.478. Doch blieben die Beschäftigtenzahlen der Chemiesparten in den ersten sechs Monaten diesen Jahres nahezu stabil. Lediglich in der Pharmasparte waren sie erstmals rückläufig. Neben dem Auslaufen wichtiger Patente machen die Arzneimittelhersteller dafür die gesetzgeberischen Eingriffe in den Arzneimittelmarkt verantwortlich.

Daher sieht Dr. Prestel trotz der aktuellen positiven Entwicklung erste Wolken am Konjunkturhimmel: Zum einen beklagt er, dass ausgerechnet die pharmazeutische Industrie, die sich in der Krise als Stabilitätsanker erwiesen habe, durch die drastisch erhöhten Hersteller-Zwangsrabatte sowie das geplante Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz geschwächt werde. Die seit August geltenden Herstellerrabatte für Arzneimittel würden insbesondere standorttreue, mittelständische Arzneimittelhersteller ohne wesentliches Auslandsgeschäft treffen.

Zum anderen bereiten dem Vorstand die Energiekosten Sorgen. Die Energieproblematik habe sich für die besonders energieintensive Chemie durch das am 1. September beschlossene Sparpaket der Bundesregierung deutlich verschärft, betonte er. Es sieht massive Erhöhungen der Energiesteuern für die Wirtschaft vor: „In der hessischen Chemie werden sich die Stromkosten nach Berechnungen unserer Firmen bis 2012 verdreifachen.“ Die in Deutschland ohnedies hohen Energiekosten könnten sich zu einem Hemmschuh für die nachhaltige Erholung entwickeln.

Prestel setzt nun auf die Landesregierung, die sich stets gegen weitere Steuern und Abgaben ausgesprochen habe. „Wir hoffen, dass sich diese Haltung auch in der Position des Landes wiederfindet, wenn das Sparpaket demnächst im Bundesrat diskutiert wird.“

Die gerade überwundene Krise habe gezeigt, wie wichtig industriefreundliche Rahmenbedingungen für den Standort Hessen sind. Der hohe Anteil produzierender Unternehmen an der hessischen Wirtschaft habe sich als Vorteil erwiesen und das Bundesland stabilisiert. „Die im internationalen Wettbewerb stehende Wirtschaft sollte Lokomotive sein und nicht gebremst werden“, betonte Prestel. Er fordert ein eindeutiges politisches Bekenntnis zu Forschung und Innovation sowie zur Förderung der naturwissenschaftlichen Bildung.

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