Unternehmen gefordert: Wie Wissensarbeiter wirklich arbeiten wollen

Studienprojekt: Wissensarbeiter und Unternehmen im Spannungsfeld

24.10.2012 - Deutschland

Hoch qualifizierte Fachkräfte sind rar – umso wichtiger werden Management und Bindung der Spezialisten. Dabei klaffen die Arbeitsansprüche der Wissensarbeiter und die Unternehmenswirklichkeit teils auseinander. Denn 74 Prozent der befragten Wissensarbeiter sehen ihren Job nicht mehr an feste Regeln und entlang fest definierter Unternehmensprozesse gebunden. Sie beanspruchen vielmehr hohe Gestaltungsfreiräume (95 Prozent) und flexible Arbeitszeitmodelle (90 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wissensarbeiter und Unternehmen im Spannungsfeld“ des Personaldienstleisters Hays in Zusammenarbeit mit PAC und der Deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement. Befragt wurden 300 festangestellte Wissensarbeiter.

Zu wenig Unterstützung bei Vernetzung und Work-Life-Integration

Zwar sind Wissensarbeiter laut ihrer Einschätzung in hohem Maße als Experte wertgeschätzt (86 Prozent). Trotzdem meint die Hälfte der Befragten (49 Prozent), dass sie in ihrem Unternehmen nicht besonders gefördert werden. Dies betrifft auch den fachlichen Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg (39 Prozent). In puncto Vernetzung steht bei den Wissensarbeitern nach wie vor der persönliche Austausch auf Fachkonferenzen (69 Prozent) und Messen (44 Prozent) im Vordergrund.

Entgegen vieler Verlautbarungen der Firmen, sich um die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu kümmern, zeigt die Realität ein anderes Bild. Über 90 Prozent der Wissensarbeiter wünschen sich dies, aber nur eine Minderheit (29 Prozent) kann dies heute vollständig realisieren.

Geschätzter Marktwert macht wechselbereit

Fast alle Wissensarbeiter stufen ihr Know-how als strategische Ressource für ihr Unternehmen ein (97 Prozent). Ihre Selbstsicherheit zeigt sich auch darin, dass 74 Prozent meinen, nur schwer durch andere ersetzbar zu sein. Wenn sie ihre Ansprüche nicht einlösen können, sind sie hoch mobil: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) ist bereit, ihr Unternehmen zu wechseln, um sich weiterentwickeln zu können. Und 40 Prozent der Wissensarbeiter spielen mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen.

Bessere Ergebnisse gemeinsam mit Externen

Als technische Werkzeuge zur Steigerung ihrer Produktivität setzen die meisten Wissensarbeiter noch bevorzugt auf Datenbanken (74 Prozent). Dagegen stehen soziale Medien nicht so hoch im Kurs (45 Prozent). Zudem sehen zwei Drittel der Befragten die regelmäßige Zusammenarbeit mit freiberuflichen Wissensarbeitern als produktivitätssteigernd an (62 Prozent) - vor allem, um sich neues Wissen anzueignen (70 Prozent).

„Die Bedeutung von Wissensarbeit für einen Hochlohn- und Innovationsstandort wie Deutschland ist mittlerweile unumstritten. Doch noch immer haben viele Unternehmen die sich daraus ergebenden notwendigen Konsequenzen noch nicht gezogen, um wertvolle Wissensarbeiter zu gewinnen, zu halten und zu fördern“, kommentiert Gabriele Vollmar, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement, die Ergebnisse.

Ziel dieser aktuellen Erhebung aus einem insgesamt dreiteiligen Studienprojekt war es, festzustellen, wie Wissensarbeiter ihre eigene Arbeitssituation und Bedeutung einschätzen. Die empirische Erhebung, die nach der Befragung von Experten im ersten Teil des Studienprojekts nun die Perspektive der Wissensarbeiter untersucht, wurde vom Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) durchgeführt. Basis hierfür lieferte die Befragung von 300 hoch qualifizierten, fest angestellten Fachkräften, die ihre Tätigkeit selbst als „Wissensarbeit“ einstufen und über mindestens drei Jahre Berufserfahrung verfügten. Die Erhebung erstreckte sich über den Zeitraum August bis September 2012.

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