Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Neue Methode zur Entschlüsselung chemischer Reaktionen

19.02.2019

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben eine neue Methode zur Entschlüsselung chemischer Reaktionen entwickelt. Damit können die äußerst kurzlebigen, während der Reaktion entstehende Moleküle - sogenannte Intermediate - besser beobachtet werden. Anhand der zeitlichen Abfolge der Intermediate lässt sich genau verstehen, warum eine Reaktion gerade so und nicht anders abläuft. Das ermöglicht es, Reaktionsmechanismen gezielt zu beeinflussen, um beispielsweise die Ausbeute von ganz bestimmten, maßgeschneiderten Reaktionsprodukten zu optimieren und so effizienter für die industrielle Nutzung zu machen.

In einer Kooperation zwischen dem Institut für Analytische Chemie und dem Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Leipzig wurde diese neue Methode erfolgreich angewendet, um solche kurzlebigen Intermediate aus einer laufenden chemischen Reaktion zu isolieren und zu identifizieren. Im Arbeitskreis um Prof. Dr. Detlev Belder vom Institut für Analytische Chemie dreht sich alles um mikrofluidische Reaktionssysteme. Diese haben die Art und Weise, wie Chemiker Reaktionen durchführen und diese analysieren, revolutioniert.

Die Reaktionen werden auf kleinen, mit Reaktionskanälen durchzogenen Mikrochips durchgeführt. Die Kanäle darauf sind oftmals nicht größer als der Durchmesser eines Haares. „Durch diese Miniaturisierung schafft man es, nahezu ein ganzes chemisches Syntheselabor auf die Größe einer Visitenkarte zu schrumpfen. Die Länge der Reaktionskanäle auf dem Chip bestimmt hierbei die Reaktionszeit“, erklärt Belder. Wählt man die Länge der Kanäle so, dass die Reaktion nicht vollständig ablaufen kann, bekommt man auch Zugriff auf die Reaktionsintermediate.

Um nun die genaue Funktion der Intermediate in der Reaktion herauszufinden, ist es unerlässlich, die dreidimensionale Struktur der Moleküle zu bestimmen. Genau hier kommt die Expertise auf dem Gebiet der Laserspektroskopie in der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Knut Asmis vom Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie ins Spiel. Die Ausgangsstoffe einer chemischen Reaktion, die Intermediate und die Produkte werden mit einem intensiven Infrarotlaser bestrahlt und dadurch zum Schwingen angeregt. Mit Hilfe quantenchemischer Rechnungen kann dann aus der Art und Weise, wie die Moleküle schwingen, eindeutig auf die dreidimensionale Molekülstruktur geschlossen werden. In diesem konkreten Fall konnten die Forscher Maik Pahl und Martin Mayer den Reaktionsmechanismus einer Hantzsch-Synthese bestimmen. Die nach dem Leipziger Professor Arthur Rudolf Hantzsch (1857 bis 1935) benannte Synthese wird noch heute unter anderem zur industriellen Herstellung von Medikamenten oder in der Agrarindustrie verwendet. Mayer meint dazu: „Jedes bei einer Reaktion auftretende Teilchen hat einen charakteristischen Infrarot Fingerabdruck, über den seine Struktur eindeutig bestimmt werden kann. Die erfolgreiche Bestimmung der Hantzsch-Synthese zeigt, dass unsere Methode zuverlässig funktioniert und wir sie jetzt auf neue, völlig unbekannte Reaktionen anwenden können.“

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Uni Leipzig
  • News

    Die verborgene Struktur des Periodensystems

    Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente, die auf Dmitri Mendelejew und Lothar Meyer zurückgeht, und den Ansätzen anderer Chemiker, die Elemente zu organisieren, handelt es s ... mehr

    Leipziger Wissenschaftspreis 2019 zweifach vergeben

    Mit einem Festakt im Alten Rathaus zu Leipzig ist der diesjährige, mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Leipziger Wissenschaftspreis verliehen worden. Die doppelte Auszeichnung ging an zwei Preisträger: Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins, Professorin für Anorganische Chemie an der Universität Lei ... mehr

    Neuer Ansatz zum Sortieren von Tröpfchen in Mikrochips

    Chemiker der Universität Leipzig haben einen neuen Ansatz zum Sortieren einzelner Tröpfchen gefunden, die durch haarfeine Kanäle eines Mikrochips sausen. Dies gelingt, indem die Tröpfchen mit extrem kurzen Laserschüssen bestrahlt werden. Dann wird gemessen, wie lange die einzelnen Antwortbl ... mehr

  • Videos

    "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt

    Der Grotthuß-Mechanismus, benannt nach dem Leipziger Naturwissenschaftler Freiherr Theodor von Grotthuß (1785-1822), erklärt qualitativ den Transport von elektrischen Ladungen in wässrigen Lösungen. Dieser spielt in alltäglichen biochemischen Prozessen, zum Beispiel der Signalübertragung in ... mehr

  • q&more Artikel

    Zellkultur in der dritten Dimension

    Aussagen zur toxikologischen Wirkung von Chemikalien und pharmazeutischen Erzeugnissen müssen vor Markteinführung erfasst werden. Dabei spielten bis heute Tierversuche eine wichtige Rolle, diese gilt es jedoch zu vermeiden und die Tests stattdessen in organoiden Zellkultursystemen mit hoher ... mehr

  • Autoren

    Dr. Peggy Stock

    Peggy Stock, Jahrgang 1976, studierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Biologie und promovierte im Jahr 2005. Seit ihrer Rückkehr von einem Forschungsaufenthalt an der University of Pittsburgh (USA) arbeitet sie in der Arbeitsgruppe Angewandte Molekulare Hepatologie um Prof ... mehr

    Dr. Katja Schellenberg

    Jg. 1984, absolvierte ihren Bachelor of Science in Molekularer Biotechnologie an der Technischen Univer­sität Dresden, bevor sie 2009 im internationalen Studiengang „Molecular Medicine“ der Charité Berlin mit dem Master of Science graduierte. Gefördert durch ein Charité-Stipendium erfolgte ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.