10.12.2021 - Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC)

Ausbildungsmarkt in der Chemie- und Pharmaindustrie bleibt herausfordernd

7,5 Prozent der angebotenen Stellen blieben unbesetzt

Trotz eines schwierigeren Ausbildungsmarktes und wirtschaftlicher Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie konnten die Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie den Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes 2021 auf 8.575 neue Plätze begrenzen. 7,5 Prozent der angebotenen Stellen blieben unbesetzt. Die Übernahmequote liegt mit rund 93 Prozent auf Spitzenniveau. Es ist der zweite Rückgang angebotener Plätze im Verlauf der Pandemie, die allerdings nur einer von mehreren Gründen für diese Entwicklung ist (2020: 9.070 neue Ausbildungsstellen).

Dämpfend wirkt zudem der tiefgreifende Strukturwandel der Branche durch die Umstellung auf klimaneutrale Produktion und Digitalisierung, aber auch der verschärfte internationale Wettbewerb. Gleichzeitig hat sich der Ausbildungsmarkt gedreht: Deutschlandweit übersteigt das Stellenangebot mittlerweile die Nachfrage. Dies führt in der Chemie zu einem Rückgang der Ausbildung über Bedarf, häufig verbunden mit einer besonders guten Übernahmesituation für die Auszubildenden. Hinzu kommt: Pandemiebedingt stehen den Chemie-Unternehmen weiterhin weniger Kapazitäten für die Ausbildung in Technika, Laboren und Werkstätten zur Verfügung. Der Aufwand für Recruiting, Betreuung und Schutzmaßnahmen steigt, während bewährte Kontaktmöglichkeiten zwischen Betrieben und Bewerbern ausfallen und durch digitale Angebote nicht vollständig kompensiert werden können.

Stiller: „Hervorragende Perspektiven mit einer Ausbildung in der Chemie“  

BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller: „Die Zukunftsperspektiven für junge Menschen in unserer Branche sind klasse, die Übernahmezahlen mit über 90 Prozent ausgesprochen hoch. Das eigentliche Problem liegt zunehmend darin, alle angebotenen Ausbildungsplätze auch zu besetzen. 2021 liegt die Quote der nicht besetzten Plätze bei 7,5 Prozent. Das ist spürbar mehr als vor der Corona-Pandemie. Viele Betriebe bekommen die Nachwirkungen von Lockdown und Schulschließungen besonders zu spüren. Die Bewerberlage ist vielerorts noch schwieriger geworden.“ 

So verzeichnet der Ausbildungsmarkt 2021 nach der vorläufigen Bilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) nochmals einen Rückgang der gemeldeten Bewerber um gut 8 Prozent, nach ähnlich hohen Einbußen im Jahr 2020. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 25.000 Auszubildende in über 50 Berufen.

Investition in digitales Azubi-Marketing 

Um Jugendliche trotz fehlender persönlicher Kontaktmöglichkeiten für eine Ausbildung in Chemie und Pharma zu begeistern, investiert die Branche in das digitale Azubi-Marketing: Über die Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt (ElVi)“ steht den Unternehmen eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verfügung, um geeignete Kandidaten anzusprechen, zum Beispiel durch eine digitale Ausbildungsplatzbörse, interaktive Social-Media-Formate bei Instagram und TikTok, Influencer-Marketing oder digitale Tools zur Berufsorientierung wie dem ElVi-Ausbildungsfinder oder dem 360°-Ausbildungsquiz. Die Aktivitäten der ElVi-Kampagne wurden 2021 mit dem deutschen Preis für Online-Kommunikation (DPOK) ausgezeichnet.

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