Rohstoffwende in der Chemie: Ex-Covestro Vorstand steigt operativ bei Cyclize ein

Erprobter Erdgas-Ersatz vor dem Schritt in die Chemieparks

14.10.2026

Das Stuttgarter DeepTech-Start-up Cyclize stellt die Weichen für die großtechnische Ablösung von fossilem Erdgas in der Chemieproduktion. Dr. Klaus Schäfer, von 2015 bis 2023 Technologievorstand der Covestro AG, ist seit dem 1. Oktober 2026 Chief Industrialization Officer von Cyclize.

Jens Volle / Cyclize

Gründerteam von Cyclize an der Pilotanlage in Stuttgart (vlnr): Domnik Novakovic (CFO), Maike Lambart (CEO), Jan Stein (COO), Dr. Stephan Renninger (CTO)

Schäfer, der das Unternehmen seit der Seed-Finanzierung 2024 als Investor und Beiratsvorsitzender begleitet, übernimmt damit die direkte Verantwortung für die Integration der Technologie in europäische Chemieparks. Seine Funktion als Beiratsvorsitzender behält er bei.

Führungsausbau für Skalierung: Der frühere Covestro-Technologievorstand Dr. Klaus Schäfer übernimmt als Chief Industrialization Officer die Verantwortung für die Großanlagen-Skalierung beim Stuttgarter DeepTech- Unternehmen Cyclize.

Erdgas-Ersatz als Industrie-Hebel: Die Plasmatechnologie von Cyclize ersetzt fossiles Erdgas – den zentralen Rohstoff für fast alle chemischen Alltagsprodukte – durch nicht-recyclingfähige Abfälle.

Kommerzielle Traktion: Nach erfolgreicher Inbetriebnahme in Schwedt, einer Technologie-Partnerschaft mit Siemens und 20 Industrie-Aufträgen bereitet Cyclize den Bau der ersten kommerziellen Großanlage (FOAK) vor.

Unabhängigkeit von Erdgas

Ob Kunststoffe, Pharmavorprodukte, Textilien oder Automobilkomponenten: Der Großteil der europäischen Industrie basiert auf der chemischen Weiterverarbeitung von Erdgas als zentralem Kohlenstoff-Rohstoff. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie die geopolitische Unsicherheit bei Importen setzen die Standorte in Europa zunehmend unter Druck.

Cyclize adressiert dieses Kernproblem mit einer industriellen Lösung: Mithilfe einer patentierten Plasmatechnologie wandelt das Unternehmen schwer verwertbare Industrie- und Plastikabfälle in genau die chemischen Grundbausteine um, die bislang teuer aus Erdgas gewonnen werden. Das Verfahren ersetzt fossile Importe direkt am Anfang der Wertschöpfungskette und sichert Chemiekonzernen die notwendige Rohstoff-Resilienz.

Die Umsetzbarkeit im Industrieumfeld ist bereits belegt: Auf dem Gelände der PCK Raffinerie in Schwedt läuft eine containerisierte Plasmaanlage im Dauertestbetrieb. Gemeinsam mit Siemens hat Cyclize zudem ein modulares Energiesystem entwickelt, das Strom aus dem Mittelspannungsnetz in die Plasmareaktoren bringt. Die von Cyclize entwickelten Plasmatreiber erreichen dabei einen Wirkungsgrad von bis zu 98 Prozent.

Erprobter Erdgas-Ersatz vor dem Schritt in die Chemieparks

Dass die Industrie nach solchen Lösungen sucht, zeigt die kommerzielle Nachfrage im Labor- und Pilotmaßstab: Cyclize hat im Kundenauftrag bereits für 20 unterschiedliche industrielle Abfallströme die Eignung als Rohstoffersatz nachgewiesen. Derzeit laufen die Planungen für den Bau der ersten kommerziellen Großanlage (First-of-a-Kind / FOAK) an einem deutschen Chemiestandort – der zentrale Meilenstein zur Skalierung.

„Die europäische Chemieindustrie steht vor einer historischen Restrukturierung. Wir müssen uns von der Abhängigkeit von importiertem Erdgas emanzipieren, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen“, erklärt Dr. Klaus Schäfer, Chief Industrialization Officer von Cyclize. „Cyclize bietet der Industrie eine marktreife Alternative: Wir nutzen lokale Abfallströme als Rohstoffquelle und sichern so die Zukunftsfähigkeit unserer Chemiestandorte. Ich bringe meine Erfahrung aus 30 Jahren in der Chemischen Industrie ein, um diese Technologie schnell und verlässlich in großtechnische Anlagen zu übersetzen.“

„Der Sprung aus dem Pilotbetrieb in den Chemiepark entscheidet über den kommerziellen Durchbruch eines DeepTech-Start-ups“, betont Maike Lambarth, Mitgründerin und CEO von Cyclize. „Klaus Schäfer begleitet unser Unternehmen seit der ersten Finanzierungsrunde, er hat Chemieproduktion verantwortet, einen der größten Chemieparks Deutschlands geführt und weiß, was eine neue Technologie braucht, um dort anzukommen.“

Erfolgreiche Finanzierung

Die Förderung durch das Programm „exist Forschungstransfer“ legte den Grundstein für die Gründung des Unternehmens in 2023. Dem schloss sich 2024 eine überzeichnete Seed-Runde an, die mit knapp fünf Millionen Euro den Gründenden die Möglichkeit gab, sowohl den Piloten im Technikum Stuttgart zu bauen, als auch ein inzwischen 20-köpfiges Team mit großer technischer Expertise aufzubauen.

Die Seed-Runde wurde angeführt von UVC Partners, begleitet von AURUM IMPACT, High-Tech Gründerfonds (HTGF) und UnternehmerTUM Funding for Innovators. Zusätzlich sind Angel Investoren im Unternehmen investiert.

„Dr. Schäfer hat für einen Weltkonzern international Produktionsstandorte verantwortet und weiß genau, wie eine Chemieanlage aufgesetzt sein muss, damit sie den hohen Anforderungen der Industrie gerecht wird. Dass er sich bei Cyclize operativ engagiert, zeigt das Potential von Cyclize für die Industrie. Die außerordentlich gute Zusammenarbeit im Board weiß ich sehr zu schätzen und freue mich nun über sein operatives Engagement bei Cyclize“, sagt Amanda Birkenholz, Partnerin bei UVC Partners .

UVC Partners ist ein etablierter DeepTech Investor mit über €800M AUM und hat die Seed Runde in Cyclize angeführt.

Stand Oktober 2026 hat Cyclize 19 Millionen Euro an Finanzierungen und Fördermittel eingeworben.

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