Einzigartiger Masterstudiengang Naturstoffchemie an der FH Lausitz

29.10.2008 - Deutschland

Ohne Erdöl ginge es nicht. Jedenfalls nicht gut. Doch die Ressourcen schwinden zusehends, und eine Lösung des Dilemmas scheint nicht in Sicht. "Doch!", sagt Prof. Dr. Alexander Kaiser von der FH Lausitz, die Stoffe aus der Natur bieten eine bislang wenig erforschte Anwendungsbreite. Das hat auch die Industrie erkannt und Forschungsprogramme aufgelegt, die die Wirkungs- und Anwendungsgebiete der Stoffe, die aus der Natur gewonnen werden können, untersuchen um letztlich die Schätze der Natur nutzen zu können. Dazu benötigen die Unternehmen und Forschungseinrichtungen qualifizierte und praxiserfahrene Mitarbeiter.

Deshalb hat die Fachhochschule Lausitz am Standort Senftenberg einen neuen Masterstudiengang entwickelt, der in Deutschland in seiner fachlichen Breite einzigartig ist: Naturstoffchemie. Nach einem guten Bachelor oder Diplom in Chemie, Biologie oder einem vergleichbaren Studienabschluss können sich Absolventen für den Master Naturstoffchemie an der FH Lausitz bewerben. Das Studium, das mit einer Master-Thesis abgeschlossen wird, widmet sich sowohl den niedermolekularen Naturstoffen als auch den langkettigen Biomolekülen. Die Studierenden erlernen in dieser speziellen organischen Chemie die Isolierung, Identifizierung, die chemische und die biochemische Synthese der wichtigsten Naturstoffklassen. Eigens für diesen neuen Studiengang wurde Professorin Dr. Katrin Salchert berufen. Sie beschäftigt sich mit Biopolymeren wie Proteinen und Polysacchariden sowie deren Anwendung in der Zellkultur.

"Ganz besonders interessant dürfte das Thema der Funktionalisierung von Oberflächen sein, das in der aktuellen Forschungslandschaft eine große Rolle spielt", sagt Professorin Dr. Katrin Salchert. Um zu erforschen, wie Oberflächen verschiedener Materialien nach speziellen Anforderungen gestaltet werden können, beispielsweise so, dass Zellen auf ihnen wachsen, bedient man sich oft der Vorbilder aus der Natur. "Die Studenten werden unter anderem den Umgang mit hochmolekularen Biomolekülen und ihre Eigenschaften kennen lernen, natürlich werde ich auch meine Forschungsthemen mit in das Studium einbeziehen", ergänzt die Professorin für Naturstoffchemie.

Christoph Mihan ist 23 Jahre und studiert Chemieingenieurwesen an der FH Lausitz. Im Anschluss wird er seinen Master im dreisemestrigen Masterstudiengang Naturstoffchemie machen. "Ich habe eine Leidenschaft für die Chemie und schätze die persönliche Betreuung an der Hochschule sehr. Das Potential neuer Substanzen fasziniert mich", erläutert der Student. Auch der 26-jährige Christian Langner möchte nach seinem Bachelor Naturstoffchemiker werden. Warum? "Weil mein Hauptinteresse der Polymerchemie, der Chemie der großen, langkettigen Moleküle gilt und auch in der Natur sehr interessante Polymere, Proteine oder Nukleinsäuren vorkommen, die vielleicht ungeahnte Möglichkeiten der Anwendung in sich bergen", sagt der junge Mann.

So nennt er als Beispiel, dass in der Naturheilkunde schon sehr lange Pflanzen angewandt werden, ohne genau zu wissen, welche Wirkstoffe nun genau für Linderung der Beschwerden sorgen. "Das sind statistisch belegte Wirkungen, deren Grundlage ich gerne wissenschaftlich nachweisen würde." Der Nachweis einer solchen Wirkungsweise ist sehr, sehr lang und aufwendig, erzählen die Studenten weiter. Bis ein Wirkstoff aus den zahlreichen Inhaltsstoffen einer Pflanze extrahiert, herausgelöst sei, vergehe oft eine lange Zeit der Laborarbeit. Erst danach können sich die Wissenschaftler daran machen, die Wirkungsweise der extrahierten Stoffe zu analysieren und nachzuweisen. Das macht den jungen Männern keineswegs bange, eher im Gegenteil, es fordert ihren Forscherdrang. Das Handwerks- und wissenschaftliche Rüstzeug dazu werden sie im neuen Masterstudiengang Naturstoffchemie erwerben.

Einzigartig ist die Bandbreite, mit der sich die Studierenden in den zwei Fachsemestern beschäftigen. So liegt ein Schwerpunkt darauf, die ganz winzigen, die niedermolekularen Naturstoffe kennen zu lernen, ein anderer Schwerpunkt widmet sich den großen Biomolekülen. Die niedermolekularen Naturstoffe finden oft Anwendung in der Pharmazie, die großen Biomoleküle wie Zucker, Fette und Eiweiße bergen möglicherweise auch Ersatzcharakter für die so notwendigen, aber endlichen Rohstoffe wie Erdöl und Kohle. Beispielsweise sei das Meer mit Algen und Schwämmen eine ungeahnt reiche und weitgehend unerforschte Naturstoffquelle.

Der Anteil an Praktika im Labor wird dem Anteil Vorlesungen, die teilweise in Englisch gehalten werden, nahezu gleichen. Damit sind die angehenden Master, die im letzten der drei Master-Semester ihre wissenschaftliche Arbeit, die Master-Thesis schreiben, für ein breites Feld an Einsatzgebieten auch ganz praktisch gerüstet. "Die Unternehmen legen Wert auf Mitarbeiter, die mit den gängigen Labormethoden vertraut sind und mit den neuesten Nachweismethoden arbeiten", sagt Professor Dr. Alexander Kaiser, Prodekan des Fachbereichs.

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