26.05.2020 - PricewaterhouseCoopers AG

Münchner Startups zeigen sich ambitioniert und selbstbewusst

Kapital ist an der Isar kein Problem, bezahlbare Immobilien dafür umso mehr

München ist einer der Hotspots, in denen deutschlandweit am häufigsten gegründet wird. Sieben Prozent aller Startups haben ihren Sitz in der bayerischen Hauptstadt. Die Münchner Startups zeigen sich entsprechend selbstbewusst, haben ambitionierte Wachstumspläne und sehen ihre Geschäftslage positiv. „Die Wirtschaftskraft Bayerns und insbesondere der Region rund um München bietet jungen Gründerinnen und Gründern bisher optimale Bedingungen“, kommentiert Eckhard Späth, Leiter des PwC-Standorts München. „Aber natürlich bleibt jetzt abzuwarten, wie sich die aktuelle COVID-19-Krise auf die Gründerszene auswirkt. Um es medizinisch auszudrücken: Ihr Immunsystem ist schwächer als das vieler etablierter Unternehmen. Ich bin aber dennoch zuversichtlich. Denn gerade in einer solchen Krise sind technologische Lösungen und Innovationskraft gefragt und über beides verfügen Startups, weshalb PwC übrigens auch die Initiative ‚startupsagainstcorona‘ unterstützt.“

Nach den Ergebnissen des 7. Deutschen Startup-Monitors, für den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen knapp 2.000 Startups in Deutschland befragt haben, befinden sich die 134 Unternehmen aus dem Münchner Raum überdurchschnittlich häufig bereits in der Wachstumsphase. Sie beschäftigen mehr als doppelt so viele Mitarbeitende wie im bundesweiten Durchschnitt (34 vs. 16) und wollen kräftig weiter einstellen. Knapp drei Viertel planen zudem den Ausbau ihrer internationalen Aktivitäten. Ein Viertel der Umsätze stammt bereits aus dem Ausland. Und auch mit der Finanzierung klappt es in München meist besser als anderswo.

„Es gibt gute Finanzierungsmöglichkeiten, erstklassige Universitäten, starke etablierte Technologieanbieter und eine hohe Lebensqualität, die qualifizierte Fachkräfte anlockt. Dazu bietet die bayerische Landeshauptstadt zahlreiche Förderinitiativen der Stadt wie zum Beispiel MUST, kurz für ‚the Munich Innovation Ecosystem‘, UnternehmerTUM – das Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München – und das Werk 1, wo sich verschiedene Branchen-Hubs niedergelassen haben," sagt Judith Lechermann, Leiterin PwC-Startup-Initiative NextLevel am Standort München.

Investitionen in Mitarbeiter haben hohen Stellenwert

Nach dem DSM wollen 83 Prozent der Startups in der bayerischen Metropole in den kommenden 12 Monaten in neue Mitarbeiter investieren – im Schnitt sollen 15 neue Kolleginnen und Kollegen hinzukommen. So haben mit 34 Prozent auch deutlich mehr Münchner Gründer „Personalplanung- und Gewinnung“ als Herausforderung genannt als im Deutschlandvergleich (23 Prozent). Den Münchner Jungunternehmern scheint dabei bewusst zu sein, dass es nicht reicht, qualifizierte Bewerber einzustellen, sondern dass es genauso wichtig ist, sie dauerhaft zu halten: Für knapp zwei Drittel sind Motivation und Förderung ihrer Mitarbeiter ein strategisches Thema – bundesweit ist das nur für 55 Prozent der Befragten der Fall. 68 Prozent der Münchner Startups setzen dabei auf eine finanzielle Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenserfolg – das sind 15 Prozentpunkte mehr als bundesweit.

Finanzierung fällt Münchner Startups vergleichsweise leicht

Generell sieht es in München beim Thema Geld gut aus: 55 Prozent der Münchner Startups halten den Zugang zu Kapital und Investitionen für gut (bundesweit: 30 Prozent). Ihnen fiel es deutlich leichter als Gründerinnen und Gründern in anderen Teilen der Republik, sich Zugang zu Geldgebern zu verschaffen. 55 Prozent berichten, dass sie problemlos an Investoren und deren Netzwerk herankamen. In anderen Regionen sagten das nur 32 Prozent. Jeder Zweite hatte keinerlei Schwierigkeiten, die Investoren von seinem Kapitalbedarf zu überzeugen. Bundesweit lief dies nur bei 37 Prozent so glatt.

München punktet mit guter digitaler Infrastruktur

Kein Wunder also, dass sich die Startups in der bayerischen Metropole wohlfühlen: Knapp zwei Drittel der Entscheider (63 Prozent) bewerten das Ökosystem am Standort München als gut. Besonders bemerkenswert: 71 Prozent loben die digitale Infrastruktur.

„Ohne eine gute digitale Infrastruktur kann sich kein Unternehmen erfolgreich entwickeln, Startups mit ihren digitalen Geschäftsmodellen schon gar nicht. Bayern hat mit der Gründung des Bayerischen Breitbandzentrums schon früh dafür gesorgt, das Land und die Region mit schnellem Internet zu versorgen. Mit dieser Initiative wurde der Ausbau leistungsfähiger Kommunikationsnetze in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben – offensichtlich mit Erfolg," sagt Eckhard Späth, Leiter des PwC-Standorts in München.

Zwei Drittel der Startups kooperieren mit etablierten Firmen

Positiv bewerten 55 Prozent der Entscheider in München auch die Möglichkeiten, sich mit etablierten Unternehmen zu vernetzen (bundesweit: 37 Prozent). Als Motivation für den Schulterschluss mit renommierten Firmen nennen die Münchner Startups vor allem die Erschließung neuer Vertriebskanäle (56 Prozent). Jeder Zweite verweist auf die Chance, über Kooperationen die eigene Reputation zu verbessern. „Ein gutes Produkt allein reicht nicht aus. Man braucht auch einen bekannten Namen, um erfolgreich zu sein. Dass die Vernetzung mit etablierten Firmen auch aus diesem Grund Gold wert ist, haben die Münchner Startups verstanden“, kommentiert Judith Lechermann.

Bezahlbare Immobilien sind Mangelware

Wirklich kritisch sehen die Münchner Entrepreneure einzig die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt. 74 Prozent der Gründer empfinden die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroräume in München als schlecht.

„Die Mieten sind überdurchschnittlich hoch, das Angebot ist knapp. Das ist hinlänglich bekannt. Für die Startups ist dieser Umstand jedoch doppelt problematisch: Zum einen finden die Gründer kaum Räumlichkeiten für ihr wachsendes Business, zum anderen hemmen hohe Mietpreise auch die Bereitschaft hochqualifizierter Bewerber, für einen Job nach München zu ziehen," sagt Eckhard Späth, Leiter des PwC-Standorts in München.

Politisches Stimmungsbild: Grüne und FDP hängen CSU ab

Interessant ist nicht zuletzt ein Blick auf die politische Stimmung unter den Entrepreneuren in Bayerns Hauptstadt: Der Anteil der Grün-Wähler ist an der Isar mit 40 Prozent hoch – liegt damit aber im bundesweiten Trend. Überraschend häufig sympathisieren die Startup-Entscheider in München mit der FDP. 36 Prozent würden der klassischen Unternehmer- und Gründerpartei ihre Stimme geben (bundesweit: 28 Prozent). Die CDU/CSU liegt in München abgeschlagen auf Platz 3: Nur 12 Prozent der Jungunternehmer würden die Christdemokraten wählen.

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