22.03.2012 - Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e.V.

Chemie steht vor schwieriger Tarifverhandlung

Zahl der Ausbildungsplätze deutlich gesteigert

Die chemische Industrie sieht sich vor einer besonders schwierigen Tarifrunde. Nach Angaben von Markus Scheib, Vorsitzender der baden-württembergischen Chemie-Arbeitgeber, liegt dies an der von vielen Unsicherheiten gekennzeichneten konjunkturellen Entwicklung. Außerdem gingen die jüngsten Prognosen der wirtschaftlichen Forschungsinstitute für 2012 von einem nur schwachen Wirtschaftswachstum aus.

Die Forderungsempfehlung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) mit einem 6-prozentigen Lohnplus habe deshalb wenig mit der Realität zu tun.

Hinzu kommt, dass Baden-Württemberg durch klein- und mittelständische Unternehmen mit überdurchschnittlich hohen Lohnquoten gekennzeichnet ist. Der Anteil der Arbeitskosten am Gesamtumsatz liegt bei einer Vielzahl von Firmen im Durchschnitt bei 25 bis 30 Prozent. Häufig müssen gerade diese lohnintensiven Betriebe gleichzeitig auch noch besonders energie- und rohstoffintensiv produzieren. 30 Prozent dieser kleineren Chemie-Unternehmen hatten im letzten Jahr eine Nettoumsatzrendite von weniger als drei Prozent.

Außerdem ist nach Angaben von Scheib die konjunkturelle Entwicklung der einzelnen Chemie-Teilbranchen unterschiedlich. An der Situation dieser Betriebe und dem Risiko-Umfeld 2012 müsse sich laut Scheib der neue Entgelt-Tarifvertrag orientieren.

Im Rahmen der Tarifrunde 2012 steht für die Chemie-Arbeitgeber außerdem die demografische Entwicklung an der Spitze der Agenda.

Der sich abzeichnende Fachkräftemangel werde sich durch Ausbildung und Rationalisierung häufig nicht kompensieren lassen. Der entscheidende Hebel zur Lösung dieses Problems sei deshalb die Arbeitszeit. Die Branche fordert mehr Flexibilität für die Beschäftigten in unterschiedlichen Lebensphasen. Für die Unternehmen müssten deutlich mehr Differenzierungsmöglichkeiten bei der tariflichen Arbeitszeitdauer möglich sein.

Die Tarifverhandlung für die chemische Industrie in Baden-Württemberg beginnt am 20. April in Karlsruhe.

Ausbildung

In den baden-württembergischen Chemie-Unternehmen hat sich die Zahl der ausbildenden Unternehmen seit 2003 von 141 auf 160 erhöht. Gleichzeitig konnte die Ausbildungsquote um 3,8 Prozent auf 4,4 Prozent gesteigert werden.

2011 ist das Ausbildungsplatzangebot im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 1.025 gestiegen. Bezogen auf alle Ausbildungsjahre werden derzeit 2.940 Jugendliche ausgebildet. Dabei bilden sämtliche größere Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten aus.

Sorge bereitet der Branche, dass viele Ausbildungsplätze – vor allem im gewerblich-technischen Bereich – unbesetzt bleiben. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde es immer schwieriger, eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Bewerbungen zu erhalten. Vor diesem Hintergrund werden die Verbände der chemischen Industrie ihre Mitgliedsunternehmen künftig deutlich intensiver bei der Nachwuchssicherung unterstützen.

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