WDH/'FTD': Bayer erwägt Teilverkauf seiner Kunststoffsparte

28.10.2003

HAMBURG (dpa-AFX) - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer denkt laut einem Pressebericht darüber nach, sich von größeren Teilen seiner Kunststoffsparte zu trennen. Das Unternehmen erwägt nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD, Dienstagausgabe), die defizitären Geschäfte mit Reifenkautschuk sowie dem Kunststoff ABS (Acrylnitrilbutadienstyrol) zu verkaufen oder in Gemeinschaftsunternehmen auszugliedern. Zusammen steuern die Geschäftseinheiten nach Angaben von Firmenkennern mit etwa 2 Milliarden Euro rund ein Fünftel zum Umsatz der Kunststoffsparte bei.

Die Kunststoffsparte Bayer Polymers macht den Angaben zufolge mit 10,8 Milliarden Euro mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes aus und ist damit die größte der vier Bayer-Sparten. In einem internen Strategiepapier des Bayer-Polymers-Vorstands seien Reifenkautschuk und ABS als Kandidaten für eine Veräußerung oder Ausgliederung genannt, verlautete aus firmennahen Kreisen. Bayer lehnte eine Stellungnahme gegenüber dem Blatt ab. Ein Sprecher sagte nur: "In klar definierten Produktsegmenten werden Optionen geprüft - auch Kooperationen mit externen Partnern."

VERKAUFSKANDIDAT

Bayer erzielt den Angaben zufolge mit künstlich erzeugtem Kautschuk (Synthesekautschuk) 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz - den etwas größeren Teil mit den Kautschuken BR und SBR für die Reifenproduktion; den Rest mit Spezialkautschuken für andere Anwendungen. BR und SBR mit schätzungsweise 800 Mio. Euro Umsatz stehen nach dem bericht der "FTD" zur Disposition. Bayer selbst nennt keine Zahlen für die einzelnen Bereiche.

Der zweite Verkaufskandidat, das Geschäft mit ABS-Kunstoff, kommt unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz - etwa für Handschuhfächer, Kühlergrills und Rückspiegelgehäuse. Den Umsatz beziffern Bayer-Kenner laut "FTD" auf über 1 Milliarde Euro.

'INTERNE RESTRUKTURIERUNG NICHT AUSSICHTSREICH'

Bei beiden Produkten sieht der Vorstand nach Angaben aus firmennahen Kreisen eine interne Restrukturierung als nicht aussichtsreich an. "Ein formeller Beschluss ist noch nicht gefallen. Der Vorstand sucht aber eine Lösung außerhalb des Konzerns", sagten Kreise dem Blatt. "Das kann ein Verkauf, die Ausgliederung in ein Gemeinschaftsunternehmen oder auch ein Buyout sein." Im Zuge eines Buyouts könnte Bayer - gegebenenfalls zusammen mit einem anderen Unternehmen - eine neue Gesellschaft für Synthesekautschuk gründen und einen Anteil an das Management verkaufen./mw/kro

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