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Deutsche Chemie zwischen globalem Klimawandel und Trump'scher Sprunghaftigkeit

Klimaschutzmaßnahmen noch zu wenig priorisiert und innovativ

16.05.2019

ColiN00B, pixabay.com, CC0

63% der befragten Unternehmen wollen den CO2-Fußabdruck der eigenen Produkte reduzieren und 73% ihre Emissionen verringern.

Laut der aktuellen CHEMonitor-Trendumfrage von CAMELOT Management Consultants und der Fachzeitung CHEManager spüren über 50% der befragten Chemieunternehmen bereits heute deutlich die Folgen des Klimawandels. Die Mehrheit der großen Chemieunternehmen hat den Ernst der Lage erkannt und eine Strategie zur Absicherung gegen die Folgen des Klimawandels entwickelt oder eigene Klimaschutzziele formuliert. In Sachen Klimaschutz setzt die deutsche Chemie primär auf Effizienzsteigerungen. Über zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte reduzieren.

"Beim Thema Klimaschutz werden innovative Wege wie der Einsatz neuer Produktionsverfahren oder Geschäftsmodelle zur Kreislaufwirtschaft noch zu wenig beschritten. Die Sprunghaftigkeit von Donald Trump im Handelsstreit mit China und die drohenden Strafzölle für die Autoindustrie verunsichern die Unternehmen und führen zu Neupriorisierungen in der Investitionsplanung, die auch Umweltschutzmaßnahmen betreffen", kommentiert Dr. Josef Packowski, Managing Partner bei CAMELOT, die CHEMonitor-Ergebnisse. Was konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz betrifft, gaben 80% der befragten Chemieunternehmen an, die Energieeffizienz steigern oder die bestehenden Prozesse optimieren zu wollen. Je 50% setzen auf Kreislaufwirtschaft oder neue Produktionstechnologien, während nur jedes fünfte Unternehmen Kohlendioxid als Rohstoff nutzen möchte.

CO2-neutrales Wachstum

Befragt nach den Klimaschutzzielen ihres Unternehmens, gaben 51% der Chemiemanager an, CO2-neutral wachsen zu wollen. 63% der Unternehmen wollen den CO2-Fußabdruck der eigenen Produkte reduzieren und 73% ihre Emissionen verringern. Was das Erreichen der nationalen Klimaschutzziele betrifft - Reduktion der CO2-Emissionen um 50% bis zum Jahr 2030 - zeigt sich die deutsche chemische Industrie optimistisch: Über die Hälfte der Befragten hält die Ziele für erreichbar. 46% von ihnen sind sogar der Meinung, der nationale Klimaschutzplan erhöhe die Innovationsfähigkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemie. Auch im beschlossenen Kohleausstieg sehen die Chemiemanager durchaus eine Chance: 73% der Befragten glauben, der Kohleausstieg beschleunige die Entwicklung von neuen Konzepten und Lösungen zur Energieversorgung und verschaffe der deutschen Industrie damit Wettbewerbsvorteile.

Voraussetzungen für die Klimawende

Dafür müssen allerdings die Rahmenbedingungen am Chemiestandort Deutschland stimmen. Während sich die deutschen Chemiemanager grundsätzlich zufrieden mit dem Standort Deutschland zeigen (86% Bewertung mit "gut"), liegen die für die Klimawende wichtigen Faktoren Digitalisierung und Energiekosten auf den letzten Plätzen. Insbesondere die Zufriedenheit mit der Digitalisierung ist auf einen neuen Tiefstwert gesunken (19% Bewertung mit "gut" oder "sehr gut"). "Die deutsche Chemie sieht die Digitalisierung und künstliche Intelligenz als Wegbereiter für verbesserte Klimaschutzmaßnahmen. Am Standort Deutschland scheint es aktuell allerdings noch an den nötigen Voraussetzungen zu fehlen. Das ist ein klarer Appell an die Politik", kommentiert Dr. Jörg Schmid, Studienleiter des CHEMonitors bei CAMELOT.

Für die aktuelle 32. CHEMonitor-Umfrage wurde das seit 2007 bestehende CHEMonitor-Panel aus 200 Top-Entscheidern der deutschen Chemiebranche im Zeitraum Februar bis April 2019 befragt.

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