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Fast die Hälfte der Verbraucher würde für nachhaltig gestaltete Produkte tiefer in die Tasche greifen

Chemieunternehmen müssen sich dem Paradigmenwechsel anpassen, um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben

25.06.2019

ElisaRiva, pixabay.com, CC0

Knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher (48 Prozent) ist dazu bereit, mehr Geld für nachhaltige Produkte auszugeben – solche, die für Wiederverwendung und Recycling bestimmt sind (Symbolbild).

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Schlagwort, sie beeinflusst Gesellschaft und Wirtschaft über sämtliche Branchen hinweg – so auch die Chemiebranche, der eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung neuer umweltfreundlicher Materialien zukommt. Knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher (48 Prozent) ist dazu bereit, mehr Geld für nachhaltige Produkte auszugeben – solche, die für Wiederverwendung und Recycling bestimmt sind. Der Chemiebranche stehen die Verbraucher kritisch gegenüber: 83 Prozent sind der Meinung, dass sie nicht zuverlässig genug über Umweltauswirkungen von Chemieprodukten kommuniziert. Das sind Ergebnisse der aktuellen Umfrage „Consumer Chemicals Survey“ des Beratungsunternehmens Accenture. Befragt wurden weltweit 6.000 Verbraucher zu ihren Kauf- und Konsumgewohnheiten, darunter 500 Verbraucher aus Deutschland.

Qualität (93 Prozent) und Preis (86 Prozent) sind nach wie vor zentrale Faktoren, die die Kaufentscheidung deutscher Verbraucher beeinflussen. Daneben haben sich in den letzten Jahren Nachhaltigkeit und ein bewusster Konsum fest in den Kaufgewohnheiten der Befragten verankert. 70 Prozent der Befragten aus Deutschland gaben an, dass sie heute mehr umweltfreundliche Produkte kaufen als noch vor fünf Jahren. 79 Prozent planen sogar in den nächsten fünf Jahren noch mehr dieser Produkte zu kaufen. Die Befragten sehen vor allem Unternehmen in der Pflicht, nachhaltiger zu agieren. 85 Prozent glauben, dass es für Unternehmen wichtig oder äußerst wichtig ist, Produkte so zu konzipieren, dass sie wiederverwertet oder recycelt werden können: Design-for-Recycling. 

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Verbraucher durchaus dazu bereit sind, mehr für umweltfreundliche Produkte zu zahlen. Durch ihr Konsumverhalten fordern sie ein stärkeres Umweltbewusstsein der Wirtschaft ein. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit für Unternehmen, sich nachhaltig aufzustellen und entsprechende Produkte sowie Kreislaufstoffströme zu entwickeln“, sagt Götz Erhardt, Geschäftsführer für den Bereich Grundstoffindustrien und Energie bei Accenture. „Viele Unternehmen sehen die Kreislaufwirtschaft inzwischen als große Chance, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern."

​Auffällig an den Ergebnissen der Umfrage ist, dass deutsche Verbraucher die Chemieindustrie im puncto Umweltbewusstsein als schwarzes Schaf ansehen. Die Mehrheit der Befragten (83 Prozent) hält die Kommunikation von Chemieunternehmen zu Umweltbelastungen für nicht zuverlässig genug. Damit liegt die Branche im Vergleich auf dem letzten Platz. Auf globaler Ebene sieht es ähnlich schlecht aus: Hier fühlen sich 72 Prozent der Befragten nicht umfassend informiert. Jeder fünfte Deutsche geht sogar so weit zu sagen, dass die Chemieindustrie sich am wenigsten Sorgen über ihre Auswirkungen auf die Umwelt macht – verglichen mit NGOs, Medien, Regierungsbehörden, Einzelhandel und Konsumgüterfirmen. Und das, obwohl der Branche eine so entscheidende Rolle bei der Förderung von recycelbaren und wiederverwendbaren Technologien und Materialien sowie der Mengenreduktion durch Verdichtung und Präzisionsanwendungen zukommt.

„Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten in den Bereichen Verpackung, Textilien, Aromen und Duftstoffe, Lebensmittelzutaten, Automobil, Spielzeug und anderen Anwendungen ist größer als von Chemieunternehmen erwartet. Es gilt, nachhaltige Materialien zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren und den Verbrauchern diese Innovationen zu kommunizieren“, erläutert Erhardt. „Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht es der Chemiebranche, sich als deutsche Leitindustrie neu zu positionieren. Denn die deutsche Wirtschaft steht bei der Umsetzung aktuell noch in den Startblöcken, während das Rennen der Chemieproduzenten bereits begonnen hat.“

Und die Gewinner dieser neuen Materialstoffketten können erheblichen Mehrwert schaffen. Laut einer Prognose des American Chemistry Councils kann allein die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe der US-Wirtschaft 38.500 Arbeitsplätze und Milliarden US-Dollar bringen, indem der Einsatz von Pyrolyse und anderen fortschrittlichen Kunststoffrecyclingtechnologien ausgeweitet wird.

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