08.07.2020 - Umweltbundesamt (UBA)

Umweltamt: Kinder und Jugendliche haben zu viele Chemikalien im Blut

Am häufigsten seien Perfluoroktansäure und Perfluoroktansulfonsäure gefunden worden

(dpa) Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) zu viele langlebige Chemikalien im Blut. Behördenchef Dirk Messer warnte am Montag, es sei häufig noch unerforscht, welche Schäden die Chemikalien aus der Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS, anrichten könnten. «Wir versuchen daher, gemeinsam mit anderen europäischen Ländern, diese Stoffe in der EU so weit wie möglich zu verbieten.» Das sei aus Vorsorgegründen der richtige Schritt. Die Chemikalien werden laut UBA etwa in der Beschichtung von Kaffeebechern oder Outdoorjacken verwendet, weil sie Fett, Wasser und Schmutz abweisen.

Bei Kindern und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren seien unter anderem in 21 Prozent der Proben - also mehr als jeder fünften - eine höhere Konzentration von Perfluoroktansäure festgestellt worden als eine Fachkommission als in jedem Fall unbedenklich bewerte, teilte das Umweltbundesamt mit. Untersucht worden seien die Proben im Rahmen der Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit. Zu der Stoffgruppe gehörten über 4700 Chemikalien. PFAS kämen nicht natürlich vor und reicherten sich im Menschen und in der Umwelt an, sie könnten etwa beim Stillen von der Mutter an das Kind weitergegeben werden.

Am häufigsten seien in den Proben Perfluoroktansäure und Perfluoroktansulfonsäure gefunden worden, teilte das Umweltbundesamt weiter mit. Erhöhte Konzentrationen dieser Chemikalien im Blut könnten Wirkungen von Impfungen vermindern, die Neigung zu Infekten erhöhen, die Cholesterinwerte erhöhen und ein verringertes Geburtsgewicht von Kindern zur Folge haben.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Konzentration
  • perfluorierte Substanzen
  • polyfluorierte Chemikalien
Mehr über Umweltbundesamt
  • News

    Viele Bisphenol A-Alternativen möglicherweise hormonell schädlich

    In der Studie des Umweltbundesamts (UBA) wurden 44 mögliche Alternativstoffe für Bisphenol A (BPA) für unterschiedliche Verwendungen und Produkte untersucht. 43 dieser Stoffe können demnach nicht als Ersatz empfohlen werden – entweder weil sie ebenfalls wie ein Hormon wirken könnten oder we ... mehr

    Belastung mit Chemikalien im Körper erstmals europaweit vergleichbar

    Die europäische Human-Biomonitoring Initiative HBM4EU, die vom Umweltbundesamt (UBA) federführend geleitet wird, hat neue Human Biomonitoring Beurteilungswerte für ausgewählte Phthalate, Cadmium und Bisphenol A abgeleitet. Das gab die Initiative zum Start ihres Jahrestreffens in Berlin beka ... mehr

    Stickoxid-Wert 2018 in 57 Städten zu hoch

    (dpa) Die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase ist im vergangenen Jahr in 57 Städten höher als erlaubt gewesen. Der EU-Grenzwert für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO₂) wurde damit in acht Städten weniger überschritten als noch im Jahr zuvor, wie eine Auswertung des Umweltbundesa ... mehr